Herr Noske, Ihre Branche musste zuletzt einige Kritik einstecken? Zu Recht?
Noske: Schon ohne die Preisdebatte ist Energie offensichtlich ein Thema, das kritisch wahrgenommen wird. Ein Beispiel: 99 Prozent unserer Baustellen laufen problemlos. Aber fühlt sich mal ein Anwohner behindert, weil wir alle paar Jahrzehnte einmal die Gas- oder Wasserleitung in seiner Straße erneuern müssen, schon steht es am nächsten Tag in der Zeitung.
Noske: Das geht nicht von heute auf morgen, aber wir müssen dem Kunden häufiger und intensiver erklären, warum wir was wie tun.
Stichwort Preiserhöhungen. Müssten Sie hier nicht deutlicher informieren?
Noske: Ja, wir müssen deutlicher sagen, wie die Preise zustande kommen und für welchen Teil wir verantwortlich sind. Kostet zum Beispiel eine Kilowattstunde Gas den Endkunden im Durchschnitt 5,4 Cent, so sind davon mindestens 40 Prozent reine Einkaufskosten, Weltmarktpreise, auf die wir keinen Einfluss haben. Hinzu kommen 1,7 Cent für die Summe aus Mehrwertsteuer, Erdgassteuer und Konzessionsabgabe. Unterm Strich bleiben rund 1,5 Cent für uns, um unsere Netzkosten für Betrieb und Instandhaltung von 2.000 Kilometer Gasleitungen, 120 Gasdruckregelstationen, 220.000 Zählern etc. zu decken. Auch Ablesung, Abrechnung und Vertriebskosten sind darin enthalten. Je höher der Energiepreis, desto mehr lohnt sich Energiesparen.
Wie helfen Sie Ihren Kunden dabei?
Noske: Wir tun hier schon sehr viel, beraten etwa unsere Kunden umfassend. Außerdem haben wir vor acht Jahren den proKlima-Fonds gegründet, der zu 80 Prozent von der Stadtwerke Hannover AG und zu 20 Prozent durch die Stadt Hannover und einige Umlandgemeinden getragen wird. Das alles wird in einen Topf gepackt – fünf Millionen Euro pro Jahr – und wieder ausgeschüttet an Kunden, die ihr Haus wärmedämmen lassen oder ein Passivhaus bauen. Der proKlima-Fonds ist einmalig in Deutschland.
Muss noch mehr geschehen, um eine Klimakatastrophe zu vermeiden?
Noske: Es gibt in allen Bereichen – Privathaushalte wie Industriebetriebe – Einsparmöglichkeiten. Beim Stromverbrauch von 10 bis 20 Prozent, beim Wärmebedarf bis 50 Prozent. Es gilt hier insbesondere, die Anlagen und Gebäude zu modernisieren. Da müsste der Gesetzgeber noch mehr tun, so wie er das mit der Heizkesselverordnung gemacht hat; auch der Energiepass ist ein positiver Ansatz. Und die Regenerativen müssen ausgebaut werden. Da sind wir bereits auf einem sehr ordentlichen Weg mit dem in der Energiewirtschaft vielfach gescholtenen Erneuerbare-Energien-Gesetz. Die Stadtwerke Hannover unterstützen diesen Ansatz, eine langfristig richtige Weichenstellung. Aktuell kostet das EEG etwa zwei Milliarden Euro mehr pro Jahr, also pro Bürger monatlich zwei Euro, aber das ist auch gut angelegtes Geld und sichert Deutschland die Zukunft und Technologieführerschaft in den Export-branchen Photovoltaik und Windenergie.
Noske: Wir haben uns nie rein betriebswirtschaftlich positioniert, sondern immer auch an volkswirtschaftlichen Werten orientierte Ziele verfolgt. So fühlen wir uns als Unternehmen traditionell nicht nur – wie es heute in der Wirtschaft gang und gäbe ist – den Aktionären verpflichtet, sondern gleichermaßen unseren Kunden, Mitarbeitern und Eignern. Alle drei Gruppen haben Teil an den Ergebnissen des Unternehmens.
In guten Jahren erhalten Ihre Mitarbeiter eine Gewinnbeteiligung – was bekommen Ihre Kunden?
Noske: Günstige Preise. Man kann in vielen Statistiken nachlesen, dass wir in den Preisvergleichen relativ weit vorne sind. Auch bei den Netzentgelten liegen wir klar im vorderen Drittel, und zwar bundesweit.