Eigentlich braucht man nur vier Worte, um das feuchte Element zu beschreiben: Ohne Wasser läuft nichts. 70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt, der Mensch besteht zu Dreivierteln aus Wasser. Das Klima der Erde wird maßgeblich vom Wasser geregelt, Wasser bedeutet Leben und Wachstum.
Rund 40 Anomalien, also besondere, einzigartige Eigenschaften, haben Wasserforscher inzwischen beschrieben, nicht alle können sie schlüssig erklären. Die bekannteste: Bei vier Grad Celsius erreicht H20 seine größte Dichte, was zur Folge hat, dass Seen bei Frost von oben nach unten zufrieren. Fischen sichert dieses Phänomen das Überleben im Winter am Grund des Gewässers. Eine weitere Anomalie: Bei 37 Grad Celsius ist der Energiebedarf zur Temperaturänderung des Wassers am höchsten. Das sorgt für die stabile Körpertemperatur des Menschen. Zudem schützt das hohe Wärmespeichervermögen des Wassers den Sportler vor Überhitzung.
Was aber ist Wasser im Detail? Bei jüngsten Experimenten drangen europäische und amerikanische Wissenschaftler mit Röntgenstrahlen tief in die Strukturen des Wassers und erklärten daraufhin, es seien die von den Wassermolekülen gebildeten Ringe und Ketten, die das flüssige Nass entstehen lassen. Weil aber in den Lehrbüchern seit 100 Jahren steht, dass Wasser ein Netzwerk aus Molekülen ist, entbrannte postwendend ein Streit unter den führenden „Wasserköpfen“ an den Universitäten. Immerhin ist die Fachwelt optimistisch. Prof. Dr. Alfons Geiger, Chemiker an der Uni Dortmund, prophezeit: „Wir werden das Wasser bald verstanden haben.“
Wohl nie ganz zu verstehen sind hingegen Theorien aus dem Reich der Esoterik, die sich mit wissenschaftlichen Methoden kaum stützen lassen. Dabei geht es zum Beispiel um das „Gedächtnis“ des Wassers oder seine angebliche Fähigkeit, auf menschliche Gefühle und Musik zu reagieren, wie der Japaner Masaru Emoto es unter anderem in seinem Buch „Die Botschaft des Wassers“ darlegt. Wundersame Heilkräfte schließlich wird dem Wasser zugesprochen, wenn es vor dem Genuss in einer Levitationsmaschine verwirbelt und „auseinandergezogen“ wird.
Wissenschaft hin, Esoterik her: Das Eintauchen in die physikalisch-chemische Welt des Wasser ist eine hochinteressante Beschäftigung und gibt viele geheimnisvolle Rätsel auf. Wer mehr darüber wissen will, sollte zu dem anschaulich und verständlich geschriebenen Buch „H2O. Biografie des Wassers“ des Engländers Philip Ball greifen, erschienen im Piper-Verlag. Ball spannt darin den Bogen vom Urknall und der Entstehung der Ur-Ozeane über die Mythen der Vorfahren bis hin zu unserem täglichen Glas Wasser.