Mit dem „Bericht über den Status der Kraft-Wärme-Kopplung im Netzgebiet der Stadtwerke Hannover AG und über Möglichkeiten zu deren Ausbau“ legt enercity gemeinsam mit der Landeshauptstadt Hannover eine systematische Analyse energiewirtschaftlicher Basisdaten in Hannover vor. Sie ist Grundlage für den – von beiden Partnern angestrebten – weiteren Ausbau der Effizienztechnik Kraft-Wärme-Kopplung. Die Studie weist innerhalb der nächsten fünf Jahre nutzbare Potenziale in Höhe von 50 MWel aus – aufgeteilt auf den Ausbau der Fernwärmeversorgung und den Neubau von BHKW. Sinnvoll ist eine geografische Abgrenzung der beiden KWK-Alternativen. Die projektbezogenen Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen seitens der jeweiligen Objekteigentümer und Anlagenbetreiber werden allerdings eine maßgebliche Steuerungsgröße darstellen.
Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ist seit langem das Herzstück des Versorgungskonzepts der Stadtwerke Hannover für das regionale Netzgebiet. Sowohl die Fernwärme-Auskopplung aus den Kraftwerken des Unternehmens als auch die über 140 Blockheizkraftwerke (BHKW), die gekoppelt mit dem Stromnetz betrieben werden, sind hierfür bereits ein deutliches Zeichen. enercity verfolgt auch in Zukunft das Ziel, die gemeinsame Erzeugung von Strom und Wärme weiter auszubauen.
KWK – die große Unbekannte
Fachleute sehen in der Kraft-Wärme-Kopplung einen Schlüssel für die zukünftige Energieversorgung. Neben den ressourcenschonenden Effizienzvorteilen spielt hierbei auch der Klimaschutz eine Rolle. Und mit den Brennstoffzellen ist eine Technik erkennbar, die eine wichtige Rolle bei einer nachhaltigen Strom- und Wärmeerzeugung für das 21. Jahrhundert spielen kann.
Dennoch findet die KWK in der Öffentlichkeit meist wenig Unterstützung. Selbst bei politischen Entscheidungsträgern auf Bundes- und Landesebene stehen oft andere Erzeugungsstrukturen im Fokus. Dies zeigt, dass nicht nur die technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung der KWK-Anlagen notwendig ist, sondern auch kommunikative Initiativen den Bekanntheitsgrad steigern sollten. Gerade Verantwortliche für die Objekt- und Liegenschaftsversorgung müssen noch stärker die unmittelbaren Vorteile der KWK kennen lernen. Dies ist eine Voraussetzung für den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung – egal ob durch Verdichtung von Fernwärmeanschlüssen oder neue BHKW. Eine gezielte Beratung von potenziellen Nutzern durch die Klimaschutzagentur Region Hannover ist aus Sicht von enercity eine Handlungsoption.
Gerade im kommunalen Umfeld könnten die Bedingungen für den Einsatz von BHKW verbessert werden. Hierzu soll die bislang für Fernwärme geltende Regelung, dass bei Mehrkosten von bis zu zehn Prozent gegenüber der günstigsten Lösung die städtische Liegenschaft mit Fernwärme versorgt wird, auch auf BHKW übertragen werden. Im Rahmen des Geschäftsfelds Contracting sehen die Stadtwerke Hannover die Möglichkeit, zusätzliche Potenziale zu erschließen. Auch seitens des enercity-Fonds proKlima wird die KWK gefördert. Darüber hinaus bietet das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) interessante finanzielle Anreize für die Verbindung von erneuerbaren Energien und KWK. Beim verstärkten Einsatz von BHKW sind jedoch vor allem die Gebäudeeigentümer gefordert. Dies gilt besonders für die Wohnungswirtschaft.
Um die in Bezug auf Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit optimale Fernwärmeversorgung in Hannover weiter auszubauen, dürfen BHKW nur dort gefördert werden, wo ein wirtschaftlicher Fernwärmeanschluss nicht möglich ist.
Status quo in Hannover
Der maximale Leistungsbedarf im Stromnetz von enercity beträgt circa 650 MWel. In den Erzeugungsanlagen stehen derzeit 500 MWel Kohlekraftwerksleistung, 200 MWel Gaskraftwerksleistung, 10 MWel regenerative Energie sowie 11 MWel BHKW-Leistung bereit. Insgesamt sind im Stromnetz der Stadtwerke Hannover 146 BHKW-Anlagen in Betrieb, hiervon 113 im Stadtgebiet von Hannover.
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Größenklassen |
5,5 kW |
34 kW |
50 kW |
120 kW |
> 500 kW |
Summe |
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Anlagen(Anzahl) |
110 |
8 |
13 |
12 |
3 |
146 |
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Leistung(kW) |
951 |
262 |
666 |
2.519 |
6.285 |
10.683 |
BHKW im Netz der Stadtwerke Hannover (Stand: November 2006)
Die historisch gewachsenen Stromnetze passen die Stadtwerke Hannover seit Jahren an die aktuellen und zukünftigen Anforderungen an. Bis voraussichtlich Mitte 2008 besteht noch ein kurzschlussstrombegrenzender Engpass im Hochspannungsnetz, der den Anschluss von Kleinerzeugern wie BHKW auch im Mittel- und Niederspannungsnetz beeinträchtigt. Der Wärmemarkt wird zu schätzungsweise 70 Prozent vom Heizenergieträger Erdgas und 20 Prozent Fernwärme dominiert. Circa zehn Prozent entfallen auf Heizöl und andere Energieträger – Tendenz (mit Ausnahme von Holzheizungen) abnehmend.
Das seit 1962 ausgebaute Fernwärmenetz hat heute eine Trassenlänge von 266 Kilometern. Die Anschlussleistung der Erzeugungsanlagen beträgt circa 800 MWth, der Wärmeabsatz jährlich rund 1.300 GWh. Die Stadtwerke Hannover betreiben insgesamt circa 3.200 Wärme-Übergabestationen. Dazu kommt der direkt aus dem Gemeinschaftskraftwerk Hannover-Stöcken gelieferte und in KWK erzeugte Raum- und Prozesswärmebedarf der Industriepartner VW und Conti von rund 550 GWh.
Das Potenzial bis 2015: 135 MWth Fernwärme // 8 MWel BHKW // minus 45.000 t CO2/a
Technisch bietet sich für die Fernwärme in Hannover ein Anschlusspotenzial von 620 MWth. Unter Berücksichtigung der in der Studie getroffenen Wirtschaftlichkeitsberechnungen verringert sich das Gesamtpotenzial auf circa 300 MWth. Diese Leistung verteilt sich auf rund 2.500 Anlagen bis 200 kW und 150 Objekte mit einer Wärmeleistung größer 200 kW. enercity strebt an, fünf Prozent dieses Potenzials (15 MWth) jährlich zu akquirieren. Hieraus resultiert bis 2015 ein Zuwachs von rund 135 MWth (plus 20 Prozent). Die Investitionen in Höhe von 420 € pro kWel bewirken CO2-Einsparungen von 35.300 t pro Jahr.
Nach Berechnungen der Stadtwerke Hannover sind BHKW mit einer elektrischen Leistung von rund 5,5 kW (12,5 kWth) bei einer Vollkostenrechnung nur in Ausnahmefällen wirtschaftlich zu betreiben. Anlagen der 34- und 50-kW-Klassen können wirtschaftlich eingesetzt werden – besonders, wenn sie bis Ende 2008 in Betrieb gehen und somit in Genuss der Förderung durch das KWK-ModG kommen. Bei Anlagen zwischen 50 kW und 500 kW ist ein Betrieb nur im Einzelfall wirtschaftlich. Bei BHKW mit mehr als 500 kW elektrischer Leistung kann die Wirtschaftlichkeit wieder erreicht werden. Diese Rahmenbedingungen reduzieren das technische Potenzial in Höhe von 61,6 MWel auf etwa 42 MWel. In einem angenommenen Szenario wird von einer Realisierung von 15% dieses Potenzials in den nächsten Jahren ausgegangen. Zusammen mit BHKW der 5,5-kW-Klasse könnten Anlagen mit einer Leistung von acht MWel beziehungsweise 60 MWth (inkl. Kesselleistung) realisiert werden. Hierfür wären 400 neue BHKW nötig. Dies erfordert Investitionen in Höhe von 2.250 € pro kWel, aus denen jährliche Einsparungen von 9.500 t CO2 resultieren.
Die Studie „Bericht über den Status der Kraft-Wärme-Kopplung im Netzgebiet der Stadtwerke Hannover AG und über Möglichkeiten zu deren Ausbau“ (36 Seiten) kann angefordert werden bei:
Stadtwerke Hannover AG, Herrn Stefan Scheloske, Postfach 57 47, 30057 Hannover,
Telefon (0511) 430-2782, Fax (0511) 430-9412782,
E-Mail: stefan.scheloske@enercity.de