Stadt der Zukunft: Hannover auf dem Weg zur „Smart City“

Grün und vernetzt: So wünschen sich die Menschen in Deutschland einer Studie zufolge die Stadt der Zukunft. Auch Hannover ist längst auf dem Weg zur „Smart City“ – das zeigen die folgenden Projekte.

Nachhaltigkeit, Effizienz und mehr soziales Miteinander: Diese drei Aspekte zeichnen die Idee der Smart Citys, der intelligenten Städte der Zukunft, aus. Vor allem der Klimaschutz ist den Menschen in Deutschland bei der Smart City wichtig, wie eine Studie im Auftrag von enercity zeigt. 68 Prozent der Befragten erhoffen sich demnach eine bessere Luftqualität. So könnten mithilfe digitaler Technologien in der Smart City etwa Verkehrsströme optimiert oder der Energieverbrauch gesenkt werden. Durch Maßnahmen wie automatisiertes Heizen und Kühlen von Gebäuden oder durch intelligente Energienetze seien bis zu 15 Prozent geringere CO2-Emissionen möglich, schätzen Expertinnen und Experten des McKinsey Global Institute.

Damit die Transformation zur Smart City gelingt, kommt es auf viele Akteure an – auf die Initiativen einzelner Gruppen und Unternehmen genauso wie auf eine übergeordnete Strategie der Städte selbst.

Hannover baut die digitale Infrastruktur aus

Die Stadt Hannover liegt im Smart City Index des Digitalverbands Bitkom derzeit auf Platz 23 von insgesamt 81 Städten. Sie widmet sich zahlreichen Projekten, die den Alltag der Bürgerinnen und Bürger zukünftig erleichtern sollen. Neben digitalen Bürgerservices oder dem Projekt „HannoVerKehr“, das sich mit optimierter Verkehrssteuerung und Parkraummanagement befasst, steht die digitale Bildung nicht erst seit der Corona-Krise besonders im Fokus.

Grundlage für all diese Vorhaben ist eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, die die Landeshauptstadt seit 2018 im Rahmen ihrer Verwaltungsstrategie zur Digitalisierung vorantreibt. Ein Meilenstein hierbei: das Konzept 5GAPS („5G Access to Public Spaces“), das zahlreiche Smart-City-Anwendungen für die Stadt, aber auch für Unternehmen und Menschen vor Ort ermöglicht. Das 5GAPS-Konzept sieht vor, das Stadtbild Hannovers digital nachzubilden. „Das kann man sich etwa so vorstellen wie ein digitaler Zwilling“, erläutert Marcel Kuru, Beauftragter für digitale Infrastruktur der Landeshauptstadt. Auf diese Weise könnten sich öffentliche Räume in Zukunft viel leichter verwalten lassen, etwa wenn Straßensperrungen aufgrund von Baustellen oder Umzügen mit wenigen Klicks am Computer eingerichtet werden können. Auch virtuelle Stadtrundgänge oder ortsbasierte Bürgerservices werden mit einem solchen digitalen Zwilling möglich.

Der neue Mobilfunkstandard 5G macht die Übertragung der hierzu benötigten Datenmengen in Zukunft möglich. Das 5GAPS-Konzept soll schon bald auf dem Gelände der Deutschen Messe, das in den nächsten Monaten komplett mit 5G ausgestattet wird, erprobt werden. „Wir freuen uns sehr, dass 5GAPS beim 5G-Innovationswettbewerb des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur eine Konzeptförderung erhalten hat“, sagt Kuru. Ob Hannover sich auch eine Projektförderung in Höhe von bis zu vier Millionen Euro für die Umsetzung sichern kann, entscheidet sich allerdings erst in ein paar Monaten. „Wir werden 5GAPS aber auf jeden Fall weiterverfolgen“, betont Kuru.

Straßenlicht, das mitdenkt

5G ermöglicht höhere Datenübertragungsraten und damit zum Beispiel schnellere Downloads. Doch auch mit geringeren Datenvolumen lässt sich in der Smart City viel bewegen. So wie bei der intelligenten Steuerung der Straßenbeleuchtung, die enercity gemeinsam mit der Stadt Hannover demnächst in einem Musterprojekt erproben wird. Auf einem 430 Meter langen Testabschnitt nahe der Leibniz Universität werden sieben mit sensorbasierten Bewegungsmeldern ausgestattete Leuchten installiert. Sie kommunizieren nicht über den allgemeinen Mobilfunk, sondern über die Funktechnik LoRaWAN (Long Range Wide Area Network). Nähert sich nachts eine Radfahrerin oder ein Radfahrer, sorgen die Sensoren dafür, dass die ersten zwei Straßenlaternen automatisch vom Dimm- in den Leucht-Modus umschalten und den Weg hell erleuchten. Beim Durchfahren des Testabschnitts läuft das Straßenlicht dann automatisch mit: Die jeweils vor der bzw. dem Fahrenden liegende Leuchte fährt selbstständig hoch, die hinter ihr bzw. ihm liegende Leuchte dimmt sich von allein wieder herunter.

Dies reduziert die nächtlichen Lichtemissionen zum Wohle von Menschen und Tieren. Noch deutlicher zeigt sich der Energiesparaspekt: „Die smarte Technik sorgt automatisch dafür, dass immer nur die Strecken hell beleuchtet werden, auf denen gerade tatsächlich Straßenlicht benötigt wird“, erklärt Thomas Hoffmann, Product Master für die Stadtbeleuchtung bei enercity. So könne der Energieverbrauch bei Beleuchtungsanlagen an wenig frequentierten Straßen und Wohnwegen deutlich reduziert werden. In Zukunft könnten auf diese Weise auch bislang unbeleuchtete Parks oder wenig frequentierte Rad- und Wanderwege in Hannover und dem Umland beleuchtet werden – ein weiteres Plus für Bürgerinnen und Bürger.

Vernetzt – für ein besseres Miteinander in der Stadt

Auch diese haben viele frische Ideen für ein besseres Miteinander in der Stadt. So etwa die Jungunternehmer und -unternehmerinnen des Start-ups PFANDGEBEN aus Hannover, das im letzten Jahr eine Förderung durch den „Smart City Hub“ des Innovationszentrums Hafven in der Nordstadt erhalten hat.

Das PFANDGEBEN-Team (v. l. n. r.): Christoph Reinders, Mareike Seidel, Alessa Schubert, Pepa Kern und Leon Gerhards.

Das Team hat eine Lösung entwickelt, über die Privatpersonen und Unternehmen ihr Flaschenpfand an Pfandsammelnde in der Umgebung spenden können, per App oder telefonisch. So will es humane Bedingungen beim Pfandsammeln schaffen und Menschen in der Stadt miteinander in Kontakt bringen.

Seit März 2019 ist die App schon mehr als 19.700-mal heruntergeladen worden, insgesamt hat PFANDGEBEN ein Spendenvolumen von rund 95.000 Euro erreicht. Das Förderprogramm des Zentrums Hafven habe dem Team dabei geholfen, aus einer ehrenamtlichen Initiative ein Social-Start-up zu machen, erzählt Christoph Reinders, der Initiator der App. Viele wertvolle Kontakte seien dort entstanden. Die soziale Komponente dürfe in der Smart City nicht zu kurz kommen, betont seine Kollegin Pepa Kern. Insgesamt sehen die beiden die Stadt aber schon auf einem guten Weg: „Ein Blick in die Start-up-Zentren der Stadt zeigt, wie smart Hannover heute schon ist.“

Weitere Informationen:

Text: enercity Redaktion ( Lea Weitekamp) / Abbildungen: Uwe Umstätter (Westend61), PFANDGEBER, enercity.

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