Hannover, 08. August 2013

Fernwärmebau auf dem Friedrichswall liegt im Plan

Innerstädtische enercity-Bauarbeiten an Verkehrsachse sind nach zwölf Wochen beendet

Großbaustellen an zentralen Verkehrsachsen sorgen zuverlässig für Verdruss. Aufwändigere Projekte, wie Arbeiten an Fernwärmetrassen, werden von enercity deshalb gezielt in die Sommer- beziehungsweise Ferienzeiten gelegt. Am Friedrichswall mussten Korrosionsschäden und Leckagen an einer wichtigen Fernwärmeversorgungsleitung beseitigt werden. Um die von dieser Hauptleitung versorgten Teilnetze im nächsten Winter zuverlässig mit Fernwärme versorgen zu können, wurde der betroffene Leitungsabschnitt auf einer Trassenlänge von rund 60 Metern komplett erneuert (siehe Presseinformation vom 17. Mai).

Die Mitte Mai 2013 am Friedrichswall, Ecke Culemannstraße, begonnene Fernwärmebaustelle wird Mitte August planmäßig fertiggestellt. Die Hauptfahrbahn wird, bis auf die Rechtsabbiegerspur, für den Autoverkehr Ende dieser Woche wieder freigegeben. Die Rechtsabbiegerspur wird noch rund zwei Wochen für Bagger bzw. Baufahrzeuge benötigt, denn an den Rad- und Fußwegen sowie in der Grünanlage sind noch Verfüll- und Oberflächenwiederherstellungsarbeiten vorzunehmen.

Generell sind die Vorzüge der mittels Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gewonnenen Fernwärme unumstritten. Sie ist effizient, umweltfreundlich und steht für wirksamen Klimaschutz, aber sie ist auch mit hohem technischen und investiven Aufwand verbunden. Dies gilt besonders bei Fernwärmenetzen im vielfältig beanspruchten Großstadtraum bzw. -untergrund. "Fernwärme erfordert stets Stahlmediumleitungen mit Vor- und Rücklauf, die mit entsprechendem Abstand verlegt werden müssen. An raumgreifenden, großvolumigen Trassen, die in der Regel im Straßen-/Fahrbahnraum verlaufen müssen", erklärt Ingo Voigts, Fernwärme-Beauftragter bei der enercity Netzgesellschaft mbH. "In Hannover sind außerdem rund 80 Prozent der Fernwärmeleitungen unterirdisch verlegt, was dort, wo bereits vorhandene Infrastruktur liegt, aufwändige Umgehungslösungen herausfordert. Wenn Telekommunikation, Strom, Gas, Wasser, Abwasser oder Schienenstränge zu queren sind, kann dies die Dauer von Bauvorhaben stark beeinflussen".

Naturgemäß können größere Fernwärmebauvorhaben nur außerhalb der Heizsaison vorgenommen werden. Einerseits der Arbeitssicherheit geschuldet während der im Sommer niedrigeren Vor-/Rücklauftemperaturen (90/60 Grad statt 120/60 Grad) und andererseits um Versorgungssicherheit für die angeschlossenen Kunden zu gewährleisten. Dies gilt besonders für große Nennweiten, also wichtige Transportleitungen, die stark vermascht sind und deshalb viele Gebiete bzw. Kunden versorgen. Größere, verkehrsrelevante Fernwärmebaustellen und -reparaturen, wie diese am Friedrichswall, werden zudem möglichst auf verkehrsärmere Ferienzeiten in den Sommermonaten gelegt. 

Über kaufmännische Abschreibungszeiten hinaus gibt es in Hannover Fernwärmeleitungen aus den Anfängen im Jahr 1962 (ausgehend vom Heizkraftwerk Linden), die nun 50 Jahre alt sind und im allgemeinen noch zuverlässig arbeiten. Vor diesem Hintergrund praktiziert die eNG hier eine zustandsbedingte Instandhaltung. Der Bedarf für Erneuerungen wird durch sehr viele Inspektionen in den Fernwärmeschächten ermittelt. Große zentrale Transportleitungen, wie die vom GKH zum Roderbruch, werden automatisiert überwacht und auftretende Leckagen unmittelbar in der Netzleitwarte angezeigt. Solche Stahlmantelrohre sind mit Vakuumpumpen ausgestattet. Dieses System entspricht dem Thermoskannenprinzip und sollte das Vakuum im Ringspalt zwischen dem Heißwasser- und dem Mantelrohr abnehmen, besteht der Hinweis auf eine Leckage. Das Kunststoffmantelrohrsystem ist mit Kabeln zur Feuchtemeldung versehen. Wird die Dämmung feucht, ändert sich der elektrische Widerstand und dies wird ebenfalls per Signal an die Leitstelle gemeldet.

Fotos von den Fernwärmearbeiten am Friedrichswall finden Sie hier:

PIN-Code: SM2H7
https://mams.enercity.de/pindownload/login.do?pin=SM2H7

3.969 Zeichen, 481 Wörter

Hintergrund-Information zur Fernwärme:

Das enercity-Fernwärmeausbauprogramm für Hannover ist ein wesentlicher Beitrag zur Umsetzung der Klima-Allianz 2020, der insgesamt zu einer CO2-Minderung von rund 65.000 Tonnen pro Jahr führen soll. In der ersten Phase bis zum Jahr 2015 sollen jährlich 15 MW neue Wärmeleistung ans Netz genommen werden. Im Jahr 2012 wurden überplanmäßig mehr als 16 MW neu angeschlossen, darunter mehrere wohnungswirtschaftliche Projekte und das Friederikenstift in der Calenberger Neustadt. Das seit 1962 bestehende Fernwärmenetz hat in Hannover inzwischen eine Länge von 302 Kilometern.

Die Ausbaustrategie setzt vor allem auf Verdichtung der Anschlüsse entlang der bereits bestehenden Leitungsstränge. Der Neubau von Trassen macht wirtschaftlich immer erst bei großen Kunden Sinn. Ab 2016 wird mit einer Verlangsamung der Neuanschlussrate auf 13 MW jährlich gerechnet. Mit dem Jahr 2020 sollen insgesamt 900 MW Anschlussleistung und rund 30 Prozent Anteil am Wärmemarkt erreicht sein.

Als wichtiger Baustein der Energiewende gelten die Energieeffizienz und die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung. Städte mit einem Fernwärmenetz wie Hannover können die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme im großen Stil nutzen. In konventionellen Kraftwerken auf der grünen Wiese lassen sich im besten Fall nur rund 50 Prozent der eingesetzten Energie zur Stromerzeugung nutzen und die entstehende Wärme geht verloren. In den innerstädtischen Heizkraftwerken von enercity sind in Winter-Spitzenzeiten durch die gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme Wirkungsgrade bis zu 89 Prozent möglich.

Daten und Fakten zur Fernwärme:

  • Länge Fern-/Nahwärmeleitungen in Hannover: 305 Kilometer (einschließlich Nahwärme-Inseln // entspricht etwa der Entfernung Hannover - Köln)
  • 80 Prozent unterirdisch, 19 Prozent in Kellern und 1 Prozent oberirdisch verlaufend
  • Anschlussleistung aller Wärmeabnehmer: 882 MW (davon 12 MW Nahwärme)
  • Fernwärmezähler im Netz: 3.681 (darunter viele in Mehrfamilienhäusern von Wohnungsgesellschaften)
  • Wärmeabgabe (inkl. Nahwärme): 1.457 GWh (davon 38 GWh Nahwärme)
  • Erzeugung: drei einspeisende Heizkraftwerke; ein einspeisender Industriekunde
  • Pumpe mit maximaler Förderleistung (Gemeinschaftskraftwerk Hannover-Stöcken):  2.600 Kubikmeter/Stunde
  • Umwälz- und Druckerhöhungspumpen im Netz der enercity Netzgesellschaft mbH: 46 (14 Druckerhöhungsstationen)
  • Maximale Vorlauftemperatur (Winter) 120 Grad Celsius (Rücklauf: 60 Grad Celsius)
  • Minimale Vorlauftemperatur (Sommer) 90 Grad Celsius
  • Fließdauer GKH Stöcken - MHH Roderbruch (Winter, circa) 4,5 Stunden
  • Wassermenge im Fernwärme-Netz 40.000 Kubikmeter