Hannover, 02. Oktober 2013

Stromnetz Laatzen fit für die Zukunft

Neue Zielnetzstruktur des Rückgratnetzes erhöht Versorgungssicherheit und senkt Aufwand

Gemeinsam mit der Netzgesellschaft Laatzen GmbH und Co. KG zogen Laatzens Bürgermeister Thomas Prinz und Heiko Weduwen, Geschäftsführer für den Geschäftsbereich Netztechnik der enercity Netzgesellschaft (eNG), nach der Umsetzung des Zielnetzkonzeptes Bilanz. Das Konzept wurde ab dem Jahr 2009 entwickelt und inzwischen umgesetzt.

„Wir freuen uns, dass mit der neuen Zielnetzstruktur ein effizienterer Betrieb und eine erhöhte Versorgungssicherheit in Laatzen ermöglicht wird“, resumierte Bürgermeister Prinz das Vorhaben. „Nach nunmehr vier Jahren ist das 20-kV-Strom-Rückgratnetz in Laatzen Realität geworden. Die Anstrengung hat sich gelohnt!“, sagt der
eNG-Geschäftsführer Heiko Weduwen.

Die eNG musste ab dem Jahr 2007 nach der Übernahme des Stromnetzbetriebs in Laatzen – entgegen ihrer Erfahrungen aus Hannover und Langenhagen – außergewöhnlich viele Stromausfälle verzeichnen. Die ersten umfassenden Bestandsanalysen veranlassten die eNG im Jahr 2009 ein Zielnetzkonzept zu entwickeln, um dem Stromnetz eine optimale Struktur für städtische Gebiete zu geben. Das 20-kV-Mittelspannungsnetz, quasi das Rückgrat der Stromversorgung in Laatzen, wurde mit der neuen Zielnetzstruktur, einem Ringnetz mit offenen Trennstellen, fit für die Zukunft gemacht.

Das Stromnetz in Laatzen sollte den Anforderungen der Zukunft an eine moderne großstädtische Versorgung entsprechen. Mittels weniger, aber qualitativ besserer Komponenten ist für mehr Versorgungssicherheit und Wartungs- bzw. Fehlerbeseitigungsfreundlichkeit gesorgt worden. Auf eine kurze Formel gebracht: das Stromnetz ist nun robuster und einfacher strukturiert (siehe Grafik laa2013). Ebenso hilft das neue Zielnetzkonzept, durch effizientere Technik die Erneuerungs- und Betriebskosten substanziell zu senken.

Über Jahrzehnte hinweg wurde das Stromnetz in Laatzen einzelfallbezogen ausgebaut. Im Ergebnis fand die eNG eine hohe Vermaschung, viele Querverbindungen und daher längere Kabelwege vor (siehe Grafik laa2007). Ebenso enthielt das Stromnetz viele geschlossene Ringleitungen, die im Schadensfall als Ganzes ausfielen, mit allen daraus resultierenden Nachteilen für die versorgten Kunden. Die Laatzener Netzstruktur war bei lokalen Kurzschlussereignissen teils von unnötig weiträumigen Ausfällen in Netz betroffen. Daneben wirkten sich in Vorzeiten verbaute Materialien nachteilig aus, wie VPE-Stromkabel (mit Isolierungen aus vernetztem Polyethylen) der ersten Generation, die noch nicht ausgereift waren und durch Feuchtigkeitseintrag häufiger zu Kurzschlüssen neigen.

Die Zielnetzstruktur in Laatzen folgt inzwischen einer neuen Philosophie. Sie ist eng mit der Stadtentwicklungsplanung verzahnt, so dass die städtische Netzinfrastruktur effizient bereit gestellt wird. Klare Ringstrukturen im Stromnetz ohne unnötige Vermaschungen in andere Netzteile, über die sich Kurzschlussereignisse flächig auswirken könnten, sind charakteristisch für die neue Struktur. Durch offene Ringstrukturen (Halbringe) ist im Schadensfall nur ein Teilring der Stromtrasse betroffen.  Ferngemeldete und ferngesteuerte Lasttrennschalter in ausgewählten Stationen machen Kurzschlussereignisse eingrenzbarer. So sind im Schadensfall Kunden deutlich kürzer durch Stromausfälle betroffen, die lokal zum Beispiel durch spontan auftretende Kabelfehler ausgelöst werden. 

Nicht benötigte Leitungen und Vermaschungen im Stromnetz konnten auf Basis des neuen Konzepts konsequent rückgebaut werden. Mehrere Kilometer Kabeltrassen und einige Trafoanlagen wurden entfernt. Durch die Verschlankungsmaßnahmen im Stromnetz bleiben der Netzgesellschaft Laatzen GmbH und Co. KG zukünftig innerhalb eines Erneuerungszyklus rund 1,37 Millionen Euro Finanzierungsbedarf erspart.

„Die Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger durch die vielen Baumaßnahmen werden sich auszahlen“, kommentiert Prinz die Ergebnisse der Netzmodernisierung. „Wir von der enercity-Netzgesellschaft danken allen in Laatzen für ihre Geduld bei dieser grundlegenden Umbauarbeit“, dankt Weduwen der Bevölkerung.

Eckdaten zur Umsetzung des Zielnetzkonzepts:

  • 112 Kilometer Netzlänge (im Zuge des Zielnetzes um 6 Prozent verkürzt)
  • 12 Kilometer 20-kV-Kabel wurden erneuert, davon 6 Kilometer VPE-Kabel der ersten Generation
  • 16 Trafostationen wurden neu gebaut bzw. erneuert
  • 5 Trafostationen wurden darüber hinaus mit Fernsteuertechnik ausgestattet (dies reduziert die Fehlersuchzeit)

Neben den verbesserten Netzstrukturen ergeben sich auch positive Effekte durch die reine Substanzverkleinerung, denn weniger Netzstrecke und Knotenpunkte senken auch die mögliche Anzahl von Kurzschluss-Schadensfällen. Optimistisch stimmt, dass mit der im Jahr 2012 gestarteten Umsetzung des Zielnetzkonzepts erstmals auch wieder die Nichtverfügbarkeit des Stromnetzes von durchschnittlich 44,3 Minuten je Kunde und Jahr (2011) bereits auf 22,4 Minuten je Kunde und Jahr (2012) sank.

Mit dem realisierten Zielnetz wird die Schadenshäufigkeit zwar verringert, aber wie jedes technische System ist das Stromnetz nicht vor Ausfällen an Einzelstellen, die durch technische Defekte verursacht werden können, zu 100 Prozent geschützt. Neben der inzwischen grundlegend verbesserten Netzstruktur und einigen ersetzten beziehungsweise optimierten Komponenten (Kabeltrassen und Schaltanlagen), liegt in Laatzen eine noch zu weiten Teilen historisch gegebene Leitungsinfrastruktur vor.

Seit der Netzübernahme im Jahr 2007 werden die Netzdaten sukzessive erfasst und bereinigt. Darüber hinaus laufen regelmäßig Messungen im Stromnetz, um potenzielle Schwachstellen im gegebenen Netzbestand wie etwa fehlerhaft verarbeitete Muffen im Vorfeld zu identifizieren.

Darstellung zum Stromnetz Laatzen vor und nach der Realisierung der Zielnetzstruktur sowie Fotos von Arbeiten mit dem Messwagen finden Sie unter:
(ggfs PIN-Code erforderlich: 3NBJR) https://mams.enercity.de/pindownload/login.do?pin=3NBJR

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Hintergrund-Information zum Netzbetrieb in Laatzen:

Zum 30. Oktober 2006 gründete die Stadt Laatzen die Netzgesellschaft Laatzen GmbH und Co. KG, die das Stromnetz in Laatzen zum 1. Januar 2007 übernommen hat. Im Jahr 2007 hatte die enercity Netzgesellschaft mbH (eNG), Hannover, eine 100%ige Tochter der Stadtwerke Hannover AG, den Stromnetzbetrieb für die Stadt Laatzen übernommen. Sie ist im Auftrag der Netzgesellschaft Laatzen seitdem tätig.