Hannover, 18. August 2014

Planungen zur Windkraftanlage auf dem Heisterberg (Seelze) eingestellt

Am heutigen Montag, den 18. August 2014, stellte enercity der örtlichen Bürgerinitiative um 19 Uhr im Landgasthof Velber seine Überlegungen zur Erneuerung und Modernisierung der Windkraftanlage auf dem Heisterberg in Seelze vor. Gleichzeitig kündigten die Vertreter des enercity-Windteams jedoch an, die Planungen bis auf weiteres auszusetzen.

Jüngste Gespräche mit der Region Hannover hätten gezeigt, dass über das gängige Planungs- und Naturschutzrecht hinaus besondere Anforderungen der Region dem Vorhaben entgegenstehen. Es liegen erhebliche Zielkonflikte zwischen Freiraumsicherung und Siedlungsentwicklung gemäß dem aktuellen Raumordnungsprogramm einerseits und dem maximalen Klimaschutz gemäß Beschlusslage der Regionsversammlung andererseits vor. „enercity ist an ausgewogenen Lösungen interessiert und nimmt die Bedenken der Anwohner ernst. Deshalb haben wir uns heute dennoch der Diskussion mit Bürgern vor Ort gestellt", sagte Matthias Rudloff, Leiter des enercity-Windteams. Mitte Juli hatte enercity erste Vorstellungen zur Entwicklung des Standorts veröffentlicht:

http://www.enercity.de/presse/pressemeldungen/2014/2014-07-14-windpark-Heisterberg/index.html

enercity plante den Ersatz der über 20 Jahre alten Windkraftanlage auf dem Heisterberg durch eine moderne, leistungsfähigere Anlage, baute die alte Anlage ab und bereitete das Genehmigungsverfahren für den Ersatz vor. enercity ließ Gutachten zu Brutvögeln, Schallausbreitung und Schattenwurf erstellen. Im Ergebnis bezeugen diese die naturschutzfachliche und immissionsschutzrechtliche Genehmigungsfähigkeit. Visualisierungen der potenziellen Anlage (Fotosimulationen aus diversen Richtungen) zeigen die geplante Anlage als weithin sichtbare Landmarke der Energiewende, die aber deutlich kleiner gewählt wurde als es dem heutigen Standard entspricht.

Aus den umliegenden Ortsteilen Velber und Letter Süd wurden Befürchtungen zu Belästigungen durch die neue Windkraftanlage laut. Eine Bürgerinitiative formierte sich gegen das Projekt. Die Anwohner befürchten vermehrte Geräusche, optische Beeinträchtigungen durch die Bewegung der Rotorblätter, weitreichende Schlagschatten sowie des roten Blinklichts in der Nacht.

„Wir sind nach wie vor der Überzeugung, dass die Anlage planungs- und naturschutzrechtlich sowie sozialverträglich machbar wäre, und sind hin und hergerissen zwischen unserem Auftrag, Klimaschutz voranzutreiben und andererseits das Beste für die Menschen vor Ort zu erreichen", betonte Rudloff. „Obwohl unsere Planung die spezifischen Anforderungen des Standorts berücksichtigt und die Abstände entsprechend dem Entwurf des Windenergieerlasses des Landes Niedersachsen gewählt wurden, zeigten die Gespräche mit der Region Hannover, dass die von ihr definierten Vorranggebiete für Freiraumfunktionen nach ihrer Auffassung dem Vorhaben entgegenstehen. Hier sehen wir kurzfristig keine Bewegung und deshalb stellen wir unsere Planungen zunächst zurück". Diese Gebiete verlaufen zwischen dem Stadtgebiet Hannovers und den umliegenden Gemeinden wie ein grüner Ring um Hannover.

„Die Diskussion am Heisterberg zeigt, wie schwierig in der Praxis die Erreichung der hochgesteckten Klimaschutzziele und auch das von vielen als der Königsweg propagierte Repowering (der Ersatz kleiner alter Anlagen durch neue leistungsstärkere Anlagen), ist. Wenn die Region ihre Ziele erreichen will, wird sie somit die Ausweisung nennenswerter Neuflächen fuer die Windenergie nicht vermeiden können. Wenn man dabei die Menschen möglichst wenig stören will, wird man auch über Standorte in wenig schützenswerten Wald- oder in Landschaftsschutzgebieten nachdenken müssen. Das sollte auch die Landesregierung zumindest für waldreiche Regionen Niedersachsens ermöglichen", fasst Rudloff zusammen.