Hannover, 25. September 2014

Erstes Treffen der Pioniere auf Rädern bei enercity

Am Dienstagabend, 23. September 2014, waren die rund 30 privaten und gewerblichen Testpersonen des enercity-Ladeversuchs auf dem Betriebsgelände Glocksee in Hannover zu Gast. Die erste Phase des Feldversuchs im Raum Hannover, Nienburg und Salzgitter mit der neu entwickelten Ladestation ist beendet. Nun startet die zweite Phase, in der die Testgruppe, mit einer täglichen kleinen Prämie angereizt, in bestimmten Zeitfenstern lädt.

Projektleiter Matthias Röhrig, der als enercity-Abteilungsleiter für die überregionale Versorgung mit Strom und Gas verantwortlich ist, würdigte das Engagement der Beteiligten, die bereits aus eigenem Antrieb E-Autos angeschafft haben, und deren Rolle als Pioniere der Energiewende. „Sie helfen dabei, die Veränderungen in der Energiewirtschaft voranzutreiben. Der anfänglichen Idee, eine fernsteuerbare Steckdose zu entwickeln, folgt in der Zukunft der Bau eines virtuellen Kraftwerks, bei dem E-Autoakkus  ihre Flexibilität für zum Beispiel minütlich fällige Regelenergie zur Verfügung stellen. Oft unvorhersehbar schwankende erneuerbare Stromerzeugung kann so ausgeglichen werden", erläuterte Röhrig der Testgruppe.

CarConnectBox präsentiert

Constantin Reese vom Fachgebiet Elektrische Energieversorgung des Instituts für Energieversorgung und Hochspannungstechnik (IEH) an der Leibniz Universität Hannover stellte die technische Entwicklung der Ladestation („CarConnectBox") vor. Begleitend zum Feldversuch kümmert sich ein Uni-Team um den reibungslosen Betrieb der Geräte. Im Feldversuch wird das netzstablisierende Ladeverhalten honoriert. In der nun startenden Phase 2 zum Beispiel mit 1,50 Euro täglich bei Einhaltung vorgegebenen Zeitfenster. Damit ein zukünftiges System auch die nötige Nutzerakzeptanz findet, stellte Katja Schlager vom Institut für Transportation Design (Hochschule für Bildende Künste Braunschweig) ihre Befragungsmethodik vor. Auffällig war bisher, dass die durchschnittliche Fahrleistung in der Testgruppe deutlich höher als bei konventionellen PKW ist. Fünf der 30 Haushalte bzw. Gewerbebetriebe haben sogar keine weiteren PKW, sind also rein elektrisch automobil.

Thesen zur Entwicklung der E-Mobilität in Deutschland

Sven Strube, als einer der CCB-Tester, aber auch Inhaber des E-Mobilitätsdienstleisters „Lautlos durch Deutschland" sowie Honorarprofessor an der Ostfalia - Hochschule für angewandte Wissenschaften (Braunschweig/Wolfenbüttel), schilderte seine spannenden Thesen zur langfristigen Entwicklung der E-Mobilität in Deutschland. Aufgrund der Deutschland-weit nahezu vollständigen Stromnetzabdeckung laufe die Mobilität des sich ankündigenden postfossilen Zeitalters zwangsläufig auf den Stromantrieb hinaus. Die ökonomischen wie auch ökologischen Kosten der Gesamtinfrastruktur (Energieerzeugung, -umwandlung, -verteilung und -nutzung) fielen hier am günstigsten aus.

E-mobilität kompensiert kurzfristige Netzschwankungen

„Elektrofahrzeuge bieten das Potenzial, mit ihrer Flexibilität das energiewirtschaftliche System zu stützen. Schwankender Stromverbrauch oder schwankende Erzeugungsleistung von zum Beispiel Windkraftanlagen können so ausgeglichen werden. Für eine erfolgreiche Energiewende ist das Zusammenspiel von fluktuierender erneuerbarer und konventioneller Stromerzeugung von größter Bedeutung. Elektromobilität kann dabei kurzfristige Schwankungen kompensieren, während für längerfristigen Ausgleich wie bei nächtlichen Windflauten ein Leistungs- und Kapazitätsmarkt die notwendige Lösung ist. Denn eine Million Elektroautos könnten bei Windflaute die Stromversorgung lediglich für 10 Minuten überbrücken", fasst Röhrig das Potenzial des Ansatzes zusammen. Über die technische Machbarkeit hinaus müssen für tragfähige Geschäftsmodelle dieser Art noch grundlegende Hemmnisse beseitigt werden. Auch diese Fragestellung wird in dem Forschungsprojekt vertieft.

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Fotos zum Download finden Sie hier (ggfs. PIN-Code: 00T8S erforderlich):

https://mams.enercity.de/pindownload/login.do?pin=00T8S

(v.l.n.r:  Hon.-Prof. Sven Strube, Matthias Röhrig; Tester Prof. Dr.-Ing. Thomas M. Cerbe, beruflich Verkehrsexperte an der Ostfalia)

Hintergrundinformationen zum Projekt „Demand Response":

Das Projekt „Demand Response – das Auto als aktiver Speicher und virtuelles Kraftwerk" wird im Rahmen des Schaufensters Elektromobilität von der Bundesregierung gefördert. Ziel ist die Entwicklung von marktfähigen Geschäftsmodellen, die das Nutzerverhalten so steuern, dass Elektromobilität einen nennenswerten Beitrag zur Stabilisierung des energiewirtschaftlichen Gesamtsystems liefern kann. Bei insgesamt 40 Elektrofahrzeugen soll das Ladeverhalten der Nutzer untersucht werden. Dazu wurde eine CarConnectBox (CCB) entwickelt, mit der die Ladevorgänge aufgezeichnet und gesteuert werden können. Das Projekt „Demand Response" ist eines von rund 30 Projekten im Schaufenster Elektromobilität der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg. Es wird mit rund 640.000 Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft im Rahmen der Schaufensterinitiative der Bundesregierung gefördert.

Detaillierte Informationen zum Forschungsprojekt „Demand Response – das Auto als aktiver Speicher und virtuelles Kraftwerk" finden Sie in der Presseinformation zum Start des Projekts:

http://www.enercity.de/presse/pressemeldungen/2014/2014-05-27-ladeversuch-e-auto/index.html

Weitere Informationen zum niedersächsischen Schaufenster Elektromobilität: www.metropolregion.de/emobil

Die Bundesregierung hat im April 2012 vier Regionen in Deutschland als „Schaufenster Elektromobilität" ausgewählt und fördert hier auf Beschluss des Deutschen Bundestags die Forschung und Entwicklung von alternativen Antrieben. Insgesamt stellt der Bund für das Schaufensterprogramm Fördermittel in Höhe von 180 Millionen Euro bereit. In den groß angelegten regionalen Demonstrations- und Pilotvorhaben wird Elektromobilität an der Schnittstelle von Energiesystem, Fahrzeug und Verkehrssystem erprobt.

Weitere Informationen unter: www.schaufenster-elektromobilitaet.org