Hannover, 13. Februar 2015

Tiefflug-Infrarotaufnahmen zum enercity-Fernwärmenetz

In den kommenden Nächten in der Zeit zwischen 20.00 abends und 2.00 Uhr morgens wird ein zweimotoriges Flugzeug mit speziellen Infrarotaufnahmesystemen an Bord das Stadtgebiet von Hannover überfliegen. Die Wärmebildaufnahmen liefern wichtige Informationen zum technischen Zustand des Fernwärmenetzes in Hannover.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Flugthermografie sind günstige atmosphärische Witterungsbedingungen. Es muss hierfür trocken und unter 5 °C kalt sein, was ab heute der Fall sein kann. Die jeweiligen Flugtage entscheiden sich kurzfristig in Abhängigkeit von der konkreten Wetterlage.

"Wir können so weitere Qualitätssicherungsmaßnahmen ergreifen, die Wärmeverluste im Fernwärmenetz verringern helfen", sagt Bernd Heimhuber, Geschäftsführer der enercity Netzgesellschaft mbH. "So bekommen wir umfassende Informationen über Betriebsstörungen, wie Dämmschäden oder Leckagen im Fernwärmeleitungssystem, und können mit deren Beseitigung unnötige Energieverluste stoppen".

Das Flugzeug einer Berliner Spezialfirma wird während dieser Zeit aus rund einem Kilometer Höhe Wärmebilddaten erfassen. Deren Auswertung liefert umfangreiche Erkenntnisse zu möglichen Wärmeverlusten im Fernwärmenetz - insbesondere vom Netzbetrieb mit bisherigen Verfahren bisher unbemerkte Leckagen lassen sich so orten. Ein Berliner Spezialunternehmen führt dies im Auftrag der enercity Netzgesellschaft durch.

Daten und Fakten zum Fernwärmenetz:

  • Länge Fern-/Nahwärmeleitungen in Hannover: 309 Kilometer (einschließlich Nahwärme-Inseln // entspricht etwa der Entfernung Hannover - Köln)
  • 80 Prozent unterirdisch, 19 Prozent in Kellern und 1 Prozent oberirdisch verlaufend
  • Anschlussleistung aller Wärmeabnehmer: 887 MW (davon über 12 MW Nahwärme)
  • Fernwärmezähler im Netz: 3.764 (darunter viele in Mehrfamilienhäusern von Wohnungsgesellschaften)
  • Wärmeabgabe (inkl. Nahwärme): 1.457 GWh (davon 38 GWh Nahwärme)
  • Erzeugung: drei einspeisende Heizkraftwerke; ein einspeisender Industriekunde
  • Pumpe mit maximaler Förderleistung (Gemeinschaftskraftwerk Hannover-Stöcken): 2.600 Kubikmeter/Stunde
  • Umwälz- und Druckerhöhungspumpen im Netz der enercity Netzgesellschaft mbH: 46 (14 Druckerhöhungsstationen)
  • Maximale Vorlauftemperatur (Winter) 120 Grad Celsius (Rücklauf: 60 Grad Celsius)
  • Minimale Vorlauftemperatur (Sommer) 90 Grad Celsius
  • Fließdauer GKH Stöcken - MHH Roderbruch (Winter, circa) 4,5 Stunden
  • Wassermenge im Fernwärme-Netz 40.000 Kubikmeter

Hintergrund-Information zum enercity-Fernwärmeausbauprogramm

Das enercity-Fernwärmeausbauprogramm für Hannover ist ein wesentlicher Beitrag zur Umsetzung der Klima-Allianz 2020, der insgesamt zu einer CO2-Minderung von rund 65.000 Tonnen pro Jahr führen soll. In der ersten Phase bis zum Jahr 2015 sollen jährlich 15 MW neue Wärmeleistung ans Netz genommen werden. Im Jahr 2012 wurden überplanmäßig mehr als 16 MW neu angeschlossen, darunter mehrere wohnungswirtschaftliche Projekte. Weitere 15 MW Neukundenanschlussleistung konnte enercity 2013 gewinnen, darunter die neue Feuerwache Weidendamm, die Internationale Schule am Schützenplatz sowie ein großer Wohn- und Gewerbeneubau am Herrenhäuser Markt. Das seit 1962 bestehende Fernwärmenetz hat in Hannover inzwischen eine Länge von 309 Kilometern.

Die Ausbaustrategie setzt vor allem auf Verdichtung der Anschlüsse entlang der bereits bestehenden Leitungsstränge. Der Neubau von Trassen macht wirtschaftlich immer erst bei großen Kunden Sinn. Ab 2016 wird mit einer Verlangsamung der Neuanschlussrate auf 13 MW jährlich gerechnet. Mit dem Jahr 2020 sollen insgesamt 930 MW Anschlussleistung und rund 30 Prozent Anteil am Wärmemarkt erreicht sein.

Als wichtiger Baustein der Energiewende gelten die Energieeffizienz und die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung. Städte mit einem Fernwärmenetz wie Hannover können die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme im großen Stil nutzen. In konventionellen Kraftwerken auf der grünen Wiese lassen sich im besten Fall nur rund 50 Prozent der eingesetzten Energie zur Stromerzeugung nutzen und die entstehende Wärme geht verloren. In den innerstädtischen Heizkraftwerken von enercity sind in Winter-Spitzenzeiten durch die gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme Wirkungsgrade bis zu 89 Prozent möglich.