Hannover, 13. Mai 2015

Fernwärmeausbau in der Oststadt

Die Johanna-Friesen-Grundschule in der Friesenstraße 25/26 sowie die Kindertagesstätte und das Wohnheim in der Rumannstraße 17/19 werden im  Herbst 2015 an die umweltfreundliche Fernwärmeversorgung angeschlossen.

Im Auftrag der Landeshauptstadt Hannover startet die enercity Netzgesellschaft mbH am  Anfang der nächsten Woche, ab 18. Mai 2015, die Bauarbeiten für die rund 500 Meter zur Netzanbindung erforderlichen Fernwärmeleitungen entlang der Eichstraße. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich Ende Oktober 2015 beendet sein.

Nachdem die ausführenden Baufirmen die erforderlichen Container für die Baustelle aufgestellt haben, können die Tiefbauarbeiten ab der bestehenden Fernwärmeleitung vor dem Gebäude Eichstraße 11 (Höhe Volgersweg) beginnen. Von dort erstreckt sich die Baustelle am westlichen (bzw. linken) Fahrbahnrand der Eichstraße nach Norden bis zur Kreuzung Friesenstraße und (rechts abgehend) weiter bis zur Grundschule. Auf halber Strecke zweigt ein etwa 100 m langer Leitungsstrang nach Osten (bzw. rechts) in die Rumannstraße ab.

Bei dieser neu zu verlegenden Fernwärmetrasse sind Behinderungen nicht gänzlich zu vermeiden. Die Verlegung innerhalb der Fahrbahn macht die betroffenen Straßen deshalb nur eingeschränkt befahrbar und vermindert die Parkmöglichkeiten dort. Ein schneller und reibungsloser Verlauf der Bauarbeiten ist nur möglich, wenn Fahrzeuge frühzeitig außerhalb des Baustellenbereiches geparkt werden. Während der Herstellung des Leitungsgrabens und bei seiner späteren Verfüllung werden die einzelnen Garagenzufahrten für einige Stunden gesperrt. Über die fertiggestellten Gräben werden Stahlplatten als Brücke gelegt und die Zufahrten anschließend wieder freigegeben.

Generell sind die Vorzüge der mittels Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gewonnenen Fernwärme unumstritten. Sie ist effizient, umweltfreundlich und steht für wirksamen Klimaschutz. Aber der Leitungsbau ist mit hohem technischen und finanziellen Aufwand verbunden. Dies gilt besonders bei Fernwärmenetzen im vielfältig beanspruchten Großstadtraum bzw. -untergrund. "Fernwärme erfordert stets Stahlmediumleitungen mit Vor- und Rücklauf, die mit entsprechendem Abstand verlegt werden müssen. Dies sind raumgreifende, großvolumige Trassen, die in der Regel im Straßen- oder Fahrbahnraum verlaufen müssen", erklärt Ingo Voigts, Fernwärme-Beauftragter bei der enercity Netzgesellschaft mbH. "In Hannover sind außerdem rund 80% Prozent der Fernwärmeleitungen unter dem Straßenraum  verlegt, was dort, wo bereits vorhandene Infrastruktur liegt, aufwändige Umgehungslösungen herausfordert. Wenn Telekommunikation, Strom, Gas, Wasser, Abwasser oder Schienenstränge zu queren sind, kann dies die Dauer von Bauvorhaben stark beeinflussen".

Zukünftig werden Fernwärmeneuanschlüsse entlang der neu geschaffenen Trasse Eichstraße mit geringerem Aufwand möglich. Gebäudeeigentümer mit abgängigen oder mittelfristig zu ersetzenden Heizsystemen können sich unter der Telefonnummer 0511 / 430-2332 zum Thema Fernwärme persönlich beraten lassen (E-Mail-Kontakt fernwaerme@enercity.de). Umfassende Informationen gibt es unter www.enercity.de/fernwaerme

Foto-Downloadangebot: Fernwärmebaustellen haben in der Regel größeren Platzbedarf (hier: Beispielfotos von der Fernwärme-Baustelle Culemannstraße 2014): PIN-Code: SM2H7
https://mams.enercity.de/pindownload/login.do?pin=SM2H7


Hintergrund-Information zum Fernwärmeausbauprogramm:

Das enercity-Fernwärmeausbauprogramm für Hannover ist ein wesentlicher Beitrag zur Umsetzung der Klima-Allianz 2020, der insgesamt zu einer CO2-Minderung von rund 65.000 Tonnen pro Jahr führen soll. In der ersten Phase bis zum Jahr 2015 sollen jährlich 15 MW neue Wärmeleistung ans Netz genommen werden. Im Jahr 2012 wurden überplanmäßig mehr als 16 MW neu angeschlossen, darunter mehrere wohnungswirtschaftliche Projekte. Weitere 15 MW Neukundenanschlussleistung konnte enercity 2013 gewinnen, darunter die neue Feuerwache Weidendamm, die Internationale Schule am Schützenplatz sowie ein großer Wohn- und Gewerbeneubau am Herrenhäuser Markt. Im Jahr 2014 wurden 13 MW Neuanschlüsse akquiriert. Darunter befinden sich neben vielen Wohngebäuden das neue Justizzentrum, ein Studentenwohnheim, eine Kita, eine Grundschule und eine Autowaschstrasse. Parallel ging der Fernwärme-Ausbau im Stadtteil Sahlkamp weiter voran. Das seit 1962 bestehende Fernwärmenetz hat in Hannover inzwischen eine Länge von 315 Kilometern.

Die Ausbaustrategie setzt vor allem auf Verdichtung der Anschlüsse entlang der bereits bestehenden Leitungsstränge. Der Neubau von Trassen macht wirtschaftlich immer erst bei großen Kunden Sinn. Ab 2016 wird mit einer Verlangsamung der Neuanschlussrate auf 13 MW jährlich gerechnet. Mit dem Jahr 2020 sollen insgesamt 930 MW Anschlussleistung und rund 30 Prozent Anteil am Wärmemarkt erreicht sein.

Als wichtiger Baustein der Energiewende gelten die Energieeffizienz und die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung. Städte mit einem Fernwärmenetz wie Hannover können die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme im großen Stil nutzen. In konventionellen Kraftwerken auf der grünen Wiese lassen sich im besten Fall nur rund 50 Prozent der eingesetzten Energie zur Stromerzeugung nutzen und die entstehende Wärme geht verloren. In den innerstädtischen Heizkraftwerken von enercity sind in Winter-Spitzenzeiten durch die gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme Wirkungsgrade bis zu 89 Prozent möglich.


Daten und Fakten zur Fernwärme:

  • Länge Fern-/Nahwärmeleitungen in Hannover: 315 Kilometer (einschließlich Nahwärme-Inseln // entspricht etwa der Entfernung Hannover - Köln)
  • 80 Prozent unterirdisch, 19 Prozent in Kellern und 1 Prozent oberirdisch verlaufend
  • Anschlussleistung aller Wärmeabnehmer: 895 MW (davon über 12 MW Nahwärme)
  • Fernwärmezähler im Netz: 3856 (darunter viele in Mehrfamilienhäusern von Wohnungsgesellschaften)
  • Wärmeabgabe (inkl. Anteil Nahwärme): rund 1.500 GWh  jährlich (davon rund 2 %  Nahwärme-Inseln)
  • Erzeugung: drei einspeisende Heizkraftwerke; ein einspeisender Industriekunde
  • Pumpe mit maximaler Förderleistung (Gemeinschaftskraftwerk Hannover-Stöcken): 2.600 Kubikmeter/Stunde
  • Umwälz- und Druckerhöhungspumpen im Netz der enercity Netzgesellschaft mbH: 46 (14 Druckerhöhungsstationen)
  • Maximale Vorlauftemperatur (Winter) 120 Grad Celsius (Rücklauf: 60 Grad Celsius)
  • Minimale Vorlauftemperatur (Sommer) 90 Grad Celsius
  • Fließdauer GKH Stöcken - MHH Roderbruch (Winter, circa) 4,5 Stunden
  • Wassermenge im Fernwärme-Netz 40.000 Kubikmeter