Hannover, 17. August 2016

20 Jahre Waldumbau im Zeichen des Grundwasserschutzes

Das Fuhrberger Feld ist mit rund 30.400 Hektar Fläche das größte zusammenhängende Grundwasserschutzgebiet Norddeutschlands. Rund 45 Prozent davon sind Waldfläche. Seit nunmehr 20 Jahren engagieren sich hier zahlreiche Waldbesitzer, unter ihnen auch enercity, mit systematischem Waldumbau für die nachhaltige Verbesserung des Grundwassers. Und das mit vorzeigbaren Erfolgen.

Am Mittwoch, den 17. August  2016, gab die Forstkooperation im Fuhrberger Feld einen forstwirtschaftlichen Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre Waldumbau. Bei einer Fahrt durch den Fuhrberger Wald besuchte die Forstkooperation ausgesuchte Pflanzungen unterschiedlichen Alters und diskutierte über Erfolge, Schwierigkeiten und Zukunftspläne. Die Forstkooperation ist neben der landwirtschaftlichen das zweite Standbein der mittlerweile 26-jährigen Grundwasserschutz-Kooperation im Fuhrberger Feld.

Auf rund 3.500 Hektar wurde in den vergangenen 20 Jahren Nadelwald mit gut 12 Millionen grundwasserschonenden Laubbäumen unterbaut. Das ist gut ein Viertel der gesamten Waldfläche. Hauptsächlich wurden Laubbäume, wie Buchen,  Rot- und Stieleichen sowie Ahorn, gepflanzt. Hieran haben rund 400 Waldbesitzer mit ihren Waldflächen mitgewirkt. „Diese Maßnahmen kommen langfristig der Qualität und Quantität des Grundwassers, welches enercity im Fuhrberger Feld fördert und anschließend in den Wasserwerken Elze-Berkhof und Fuhrberg aufbereitet, zugute“, erläutert enercity-Förster Olaf Zander bei dem Treffen. Zander ist seit Gründung der Kooperation und der ersten Pflanzung 1996 dabei. Zander weiter: „Die Funktionen des Waldes sind jedoch noch vielfältiger: er dient dem Klimaschutz, produziert Sauerstoff und Holz, ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, er dient der Naherholung und vieles mehr.“

Bis ins Mittelalter hinein waren die Wälder im Norden Hannovers Mischbestände. Diese holzten die Menschen jedoch für die Köhlerei, zum Bauen und für Heizmaterial zunehmend ab. Auf den freigelegten Böden verschwand der nährstoffhaltige Humus durch Erosion sowie durch Heide- und Plaggenwirtschaft. Dieser sich entwickelnden ökologischen und ökonomischen Katastrophe wurde mit Einführung der nachhaltigen Forstwirtschaft begegnet. Dabei war die Kiefer als genügsame Pionierbaumart unschlagbar. Noch heute prägt sie vielerorts die Landschaft. Nach nun zwei oder drei Kiefernwaldgenerationen hat sie auf vielen Flächen wieder ausreichend Humus gebildet und damit weiteren Baumarten den Boden bereitet. Laubwälder sind auch für die Wasserwirtschaft besser geeignet als Nadelbäume. „Laubbäume werfen ihre Blätter im Herbst ab und so kann im regenreichen Herbst und Winter mehr Wasser auf den Boden und somit in das Grundwasser gelangen“, begründet  Zander den Waldumbau. Und auch der dichte Nadelteppich auf dem Boden sorgt dafür, dass weniger Wasser versickern kann. Des Weiteren binden Kiefer- und Fichtennadeln Schadstoffe aus der Luft, die ins Grundwasser gelangen können. Der Waldumbau erhöht sowohl Qualität als auch Quantität der Grundwasserneubildung. Zander freut das: „Die Kooperationsarbeit hat sich im Fuhrberger Feld als ein äußerst erfolgreicher Ansatz im Grundwasserschutz erwiesen.“

„Die erfolgreiche Zusammenarbeit wäre ohne die Finanzhilfen des Landes nicht möglich gewesen“, resümiert der Geschäftsführer der Gesamtkooperation Andreas Rausch von enercity. „Für den Waldumbau sind seit 1996 insgesamt 9,5 Millionen Euro investiert worden. Davon entfallen auf die Wasserentnahmegebühr für die zusätzlichen Auflagen des Grundwasserschutzes rund 5,3 Millionen Euro. Weitere 4,2 Millionen Euro stammen aus der regulären waldbaulichen Förderung des Landes für Anpflanzungen.“

„Kiefer, Fichte und Douglasie sind die Brotbäume unserer Forstbetriebe, gerade bei unseren nährstoffarmen Böden. Auf der anderen Seite steht die Wasserwirtschaft, die möglichst viel Laubwald fordert. Diesen Spagat haben wir mit dem Kooperationsmodell gelöst. Es wird deutlich mehr Buche und Eiche gepflanzt als normal üblich. Im Gegenzug erhalten die Waldbesitzer einen Ausgleich für die zusätzlichen Kosten der Pflanzung und die Ertragsausfälle,“ so fasst Volker Schulte, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Celler Land und Sprecher der Forstwirte in der Kooperation, die Erfolgsgeschichte der zurückliegenden 20 Jahre zusammen. Schulte weiter: „Das Programm muss unbedingt fortgeführt werden. Dabei stellt uns der Klimawandel vor neue Herausforderungen. Denn die kleinen Bäume, die wir heute pflanzen, sollen noch in 100 Jahren wachsen und gedeihen.“

Fotomaterial zum heutigen Termin finden Sie hier zum Download (ggfs. PIN-Code: NAE1D erforderlich): http://mams.enercity.de/pindownload/login.do?pin=NAE1D

Symbolisch pflanzt die Forstkooperation anlässlich 20 Jahre erfolgreicher Arbeit eine Buche am Wasserwerk Fuhrberg - Personen v.l.n.r.: Hubertus Schültken (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, NLWKN), Olaf Zander (enercity-Förster) und  Volker Schulte, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Celler Land und Sprecher der Forstwirte in der Kooperation

Hintergrund-Information zur Grundwasserschutz-Kooperation im Fuhrberger Feld:

Auslöser für das intensive Engagement im Grundwasserschutz von enercity - damals noch Stadtwerke Hannover AG - war unter anderem ein hoher Nitratgehalt des oberflächennahen Grundwassers Ende der 80er Jahre. Eine Kooperation mit der Landwirtschaft auf der Grundlage einer freiwilligen Zusammenarbeit erschien sowohl für den Grundwasserschutz als auch zur Wahrung der landwirtschaftlichen Interessen notwendig. enercity stellte daraufhin 1989 zwei Agrar-Ingenieure ein und bereits 1990 zeigten sich 15 Landwirte sehr interessiert an einer Zusammenarbeit. Man schloss sich zu der „Arbeitsgemeinschaft grundwasserschonende Landwirtschaft Fuhrberger Feld“, abgekürzt AGF, zusammen.

Gemeinsam mit den Landwirten und Beratungsringen wurden in Form von Demonstrationsversuchen Anbau- und Düngeverfahren vorgestellt und erprobt, die einer grundwasserschonenden Bewirtschaftung dienten und zur damaligen Zeit kaum Verbreitung fanden. Mit Einführung der Wasserentnahmegebühr 1993, der Möglichkeit zur Finanzierung von Freiwilligen Vereinbarungen und der Ausweitung einer für die Landwirte kostenlosen Düngeberatung, entstand schließlich das niedersächsische Kooperationsmodell.

1996 wurde die Forstkooperation gegründet, die seitdem als zweites Standbein die landwirtschaftliche Kooperation ergänzt. Der enercity-Forstbetrieb, die Forstbetriebsgemeinschaften als Zusammenschlüsse der privaten Waldbesitzer, die Landwirtschaftskammer, die Niedersächsischen Landesforsten und die damalige Bezirksregierung waren Initiatoren der Forst-Kooperation. Damit begann der langfristige Umbau der Kiefernwälder in Laubmischwälder durch Buchenunterpflanzung. „Durch unsere Bemühungen haben sich nicht nur vielfältigere Lebensräume für Pflanzen und Tiere entwickelt. Die ökologische Aufwertung stabilisiert auch die Waldbestände und sichert damit nachhaltig die gute Qualität des Grundwassers", berichtet der Geschäftsführer der Kooperation, Andreas Rausch von enercity. Bis heute sind rund 12 Millionen Grundwasserschutzbäume auf 3.500 Hektar Fläche gepflanzt worden. Diese erhöhen das Grundwasserangebot langfristig um rund 2 Millionen Kubikmeter pro Jahr.

Seit 1993 die Wasserentnahmegebühr eingeführt wurde, zahlt enercity und damit indirekt auch der wasserverbrauchende Kunde, für die Entnahme von Grundwasser zur Trinkwasseraufbereitung rund 2 Millionen Euro pro Jahr an das Land Niedersachsen. Nach der Anhebung der Wasserentnahmegebühr zum 1. Januar 2015 hat sich die jährliche Zahlung auf rund 3 Millionen Euro erhöht. Die Wasserentnahmegebühr wird unter anderem für den Küstenschutz, den Naturschutz oder  als Entschädigung für Landwirte eingesetzt, damit sie verantwortungsvoll mit Düngemitteln umgehen und so das Grundwasser vor Belastungen schützen. In das Fuhrberger Feld fließen jährlich rund eine Million Euro als Finanzhilfe des Landes zur Finanzierung der Beratung und der Grundwasserschutzmaßnahmen in der Land- und Forstwirtschaft zurück. Davon trägt enercity einen Eigenanteil von 10 Prozent. Für die  forstlichen Maßnahmen stehen zusätzliche Mittel aus der regulären waldbaulichen Förderung des Landes zur Verfügung.

enercity versorgt etwa 700.000 Menschen in Hannover und Teilen der Region mit frischem Trinkwasser. Trinkwasser ist eines der am besten kontrollierten Lebensmittel. Auch die Qualität des Wassers aus den enercity-Wasserwerken wird stetig überprüft. Regelmäßig werden Proben entlang der Prozesskette, von den Brunnen über die Aufbereitung bis ins Wassernetz, genommen und im Labor untersucht. Das Trinkwasser unterschreitet die strengen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung deutlich. Der Mittelwert für Nitrat im enercity-Wasser liegt zum Beispiel bei 2,0 mg/l, der Grenzwert nach Trinkwasserverordnung bei 50 mg/l. Ein weiteres Qualitätsmerkmal des Trinkwassers ist die Tatsache, dass es Grundwasser ist. Dieses enthält von Natur aus eine ausgewogene Mischung aus wertvollen Mineralien. Auch muss Grundwasser in der Regel nicht gechlort werden. Die Wasserversorgung wird zu über 90 Prozent durch drei eigene Grundwasserwerke gesichert und durch 6 Prozent Fremdwasserbezug ergänzt. Das Wasser aus den enercity-Wasserwerken wird direkt vor den Toren Hannovers gewonnen: Der Großteil stammt aus den zwei nördlichen enercity-Wasserwerken Elze-Berkhof und Fuhrberg im Fuhrberger Feld, der Rest aus dem Wasserwerk Grasdorf bei Laatzen. In Summe wurden 2015 rund 43 Millionen Kubikmeter Trinkwasser in das Trinkwassernetz eingespeist.

Die komplette Trinkwasseranalyse von enercity Wasser und weitere Informationen unter: www.enercity.de/privatkunden/produkte/wasser/wasserqualitaet/index.html