Hannover, 26. August 2016

Erfolgsmodell aus Hannover: der enercity-Härtefonds e.V. zieht Fünfjahresbilanz

Der vor fünf Jahren gegründete enercity-Härtefonds e.V. hat sich als Erfolgsmodell erwiesen. Entgegen dem bundesweiten Trend ist in Hannover die Zahl der Energie-Sperren zurückgegangen. Die Zusammenarbeit von Sozialbehörden und enercity kann auf durchwegs sehr positive Erfahrungen zurückblicken.

Nach gut fünf Jahren Arbeit des enercity-Härtefonds zieht enercity Bilanz. Insgesamt wurden seit Bestehen des Fonds über 200 Anträge zur Übernahme von Rückständen für Energielieferungen für Kunden gestellt und in vollem Umfang genehmigt. Die Bewilligungen betrugen im Mittel rund 1.200 Euro je Antrag. Mithilfe des enercity-Härtefonds konnte stets eine Gesamtlösung zum Ausgleich der Energiekostenrückstände gefunden werden.

„Die gerade in den letzten beiden Jahren sinkenden Zahlen der Antragstellung werten wir als Erfolg. Durch die gute und konstruktive Zusammenarbeit der für Menschen in schwierigen sozialen Lagen zuständigen Institutionen mit dem enercity-Härtefonds fallen in Hannover weniger Härtefälle durch das soziale Netz", sagt die seit März 2016 tätige Dezernentin für Soziales und Sport der Landeshauptstadt Hannover, Konstanze Beckedorf. Sie hat anlässlich der diesjährigen Präsidiumssitzung ihr Amt als stellvertretende Vorsitzende des Vereins von ihrem Vorgänger Thomas Walter übernommen. Beckedorf erläutert weiter: „Mit Blick auf die fünf erfolgreichen Jahre bestätigt sich eindrucksvoll, dass der Kooperationsansatz rund um den Härtefonds bereits an vorgelagerter Stelle positive Wirkung zeigt: Der Fachbereich Soziales und das Jobcenter, über die ein Antrag an den Härtefonds eingereicht werden kann, konnten zahlreiche bedürftige Antragssteller mit regulären öffentlichen Hilfsleistungen unterstützen."

„Der enercity-Härtefonds e.V. ist ein wirksames Instrument, um in unserem Netzgebiet Sperrungen in sozialer Notsituation möglichst zu vermeiden. Weit über 5.000 drohende Sperrfälle konnten durch das gemeinsame Wirken der Akteure in dem fünf Jahren vorzeitig abgewendet werden", so Jochen Westerholz, Vorsitzender des Vereins und enercity-Arbeitsdirektor. „Das Modell des Härtefonds stößt mittlerweile auch über die Grenzen Hannovers hinaus auf zunehmendes Interesse. Im letzten Jahr erreichten uns erneut mehrere Anfragen interessierter Vertreter von Städten, Kommunen oder Energieversorgern sowie Gewerkschaften."

In den fünf Geschäftsjahren zahlte der Verein insgesamt rund 237.000 Euro Zuwendungen aus. Lediglich zwei Anträge erfüllten die Bewilligungsvoraussetzungen nicht, jedoch ist es diesen Fällen auch nicht zu Sperrungen gekommen. enercity stellt dem Verein bis zu 150.000 Euro jährlich für die finanzielle Unterstützung zur Verfügung. Diese Mittel wurden in keinem Jahr ausgeschöpft und gerade in den letzten beiden Jahren gingen die Antragstellungen deutlich zurück. Positiv wirkte sich hierbei auch die günstige wirtschaftliche Lage Hannovers mit einer vergleichsweise niedrigen Arbeitslosenquote aus.

Die im letzten Jahr beim enercity-Härtefonds eingereichten Anträge kamen zu 76 Prozent vom Jobcenter der Region Hannover, zu 17 Prozent vom Fachbereich Soziales der Landeshauptstadt Hannover und zu 7 Prozent aus den Städten Laatzen und Langenhagen. In rund 47 Prozent aller Fälle wurden die Anträge auf soziale Härte aufgrund von Krankheit, gesundheitlicher Einschränkung und hohem Alter positiv entschieden, rund 50 Prozent der Fälle betrafen Haushalte mit minderjährigen Kindern und/oder Alleinerziehende. Etwa 3 Prozent betrafen Personen oder Haushalte ohne Vermögen mit anderen Kriterien.

Mit dem Kooperationsansatz des enercity-Härtefonds werden über dessen Zuwendungen hinaus derzeit jährlich deutlich mehr als 1.000 Sperrungen bereits im Vorfeld verhindert bzw. aufgehoben. Während einer Antragsprüfung durch das Jobcenter der Region Hannover oder den Fachbereich Soziales der Landeshauptstadt Hannover ist mit enercity bei möglichen Härtefällen vereinbart, dass der Sperrprozess im Einzelfall befristet ausgesetzt wird. In der Regel werden SGB-Leistungen gewährt, so dass drohende Sperrungen verhindert werden. Wird letztendlich ein Antrag beim enercity Härtefonds e.V. gestellt, dann wird auch in all diesen Fällen eine Sperrung verhindert oder aufgehoben.

Die gemeinsame Gründung des Vereins durch die Landeshauptstadt Hannover und enercity hat eine Basis geschaffen, aus der eine enge Zusammenarbeit an der Schnittstelle Jobcenter / Fachbereich Soziales und enercity erwachsen ist. Das Prüfen von Ansprüchen auf Leistungen für Energieschulden nach dem Sozialgesetzbuch, die Berücksichtigung von sozialen Härtefällen und die Bewilligung finanzieller Unterstützung im Einzelfall ist mittlerweile ein fest etablierter Prozess zwischen den Beteiligten. Um den Kenntnisstand zur Verfahrensweise des Härtefonds stetig zu verbessern, finden immer wieder Austausch- und Informationstermine auf Wunsch oder bei gegebenem Anlass statt.

Der enercity-Härtefonds kann und soll nicht das bestehende und in der Regel funktionierende soziale System öffentlicher Unterstützungsleistungen ersetzen. Das „Modell Hannover“ ermöglicht vielmehr schnelles und gezieltes Handeln und Hilfe in akuten Notsituationen, die von öffentlichen Leistungen nicht mehr abgedeckt werden. Er dient außerdem als Ergänzung zu den bei enercity bereits vorhandenen Möglichkeiten, wie den Ratenmodellen und Stundungen, sowie den öffentlichen Unterstützungsleistungen für sozial Benachteiligte nach dem Sozialgesetzbuch.

Mit dem enercity-Härtefonds trägt enercity seiner gesellschaftlichen Verantwortung und der Verbundenheit mit der Region Rechnung. Neben weiteren Spenden und Sponsoringaktivitäten schufen die Stadtwerke Hannover AG und ihre kommunalen Partner bereits 1998 den enercity-Fonds proKlima, welcher seit vielen Jahren die AWO-Energieberatungsangebote für einkommensschwache Haushalte mit Sachspenden unterstützt.

Im Foto-Download finden Sie Portraits des Vorsitzenden des enercity-Härtefonds e.V. und enercity-Arbeitsdirektors Jochen Westerholz (ggfs. PIN-Code: ADF6A erforderlich): https://mams.enercity.de/pindownload/login.do?pin=ADF6A

Hintergrundinformation zum enercity-Härtefonds e.V.

Der Verein wurde am 8. April 2011 zusammen mit der Landeshauptstadt Hannover gegründet, um Sperrungen in sozialen Härtefällen zu vermeiden. Die Arbeit des Vereins wird vollständig von der Stadtwerke Hannover AG finanziert.

Das Engagement richtet sich ausschließlich an unverschuldet in finanzielle Not geratene private Energie- und Wasserkunden von enercity. Zur Abwendung oder Aufhebung von Versorgungsunterbrechungen von Strom, Gas- und Wasser werden sie unterstützt. Voraussetzung ist, dass sie hierfür keine Leistungen vom Jobcenter oder dem Fachbereich Soziales erhalten beziehungsweise bekämen. Diese beiden Behörden wenden sich nach Abstimmung mit dem betroffenen Kunden und dessen schriftlicher Zustimmung an den Verein, der nicht direkt von Kunden kontaktiert werden kann.

Der enercity-Härtefonds e.V. entscheidet anhand eines in der Satzung festgelegten Kriterienkataloges, ob ein sozialer Härtefall vorliegt. Als solcher gelten Kunden, die entweder aufgrund hohen Alters und/oder gesundheitlicher Einschränkungen besonders von den Auswirkungen einer Sperrung betroffen sind. Dasselbe gilt auch für Familien und Alleinerziehende mit kleinen Kindern. Eine finanzielle Unterstützung wird zweckgebunden für Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Stadtwerke Hannover AG im Einzelfall gewährt und direkt überwiesen. Es handelt sich dabei um eine Einzelentscheidung des Vereins ohne Rechtsanspruch, die in der Regel einmalig erfolgt.

Die Satzung finden Sie online hier: https://e-government.hannover-stadt.de/lhhSIMwebdd.nsf/666AABD7B1921C9AC125786F003A7CF9/$FILE/0762-2011_Anlage1.pdf