Hannover, 29. September 2017

enercity netz färbt Fernwärmewasser grün

Im Laufe der kommenden Woche könnte bei Haushalten und Betrieben mit Fernwärme grellgrün gefärbtes Wasser aus dem Warmwasserhahn laufen. Alle paar Jahre wählt enercity netz diesen auffälligen Weg der Leckerkennung, bei dem aufmerksame Bürger die Leckageortung durch ihre Rückmeldungen unterstützen können.

Ab Mittwoch dieser Woche könnte bei Haushalten mit Fernwärme grellgrün gefärbtes Wasser aus dem Warmwasserhahn laufen, denn ab Dienstag, 3. Oktober 2017, wird dem über 320 Kilometer langen Fernwärmekreislauf wieder ein Farbmarkierungsmittel beigemischt. „Nein, wir haben nicht bereits Badezusatz beigemengt und die grünliche Färbung ist gesundheitlich unbedenklich. Sollte es nächste Woche grünlich aus Ihrem Wasserhahn laufen, ist das ein Hinweis auf einen defekten Wärmetauscher in der örtlichen Fernwärmeübergabestation", sagt Carlo Kallen, Sprecher der enercity Netzgesellschaft mbH. Durch solche Leckagen in den Hausanlagen kann Fernwärmekreislaufwasser in den kundenseitigen Warmwasserspeicher entweichen.

Alle paar Jahre, zuletzt 2015, wählt enercity netz diesen außergewöhnlichen Weg der Leckerkennung, bei dem aufmerksame Kunden die Leckageortung an ihren Hausanlagen durch ihre Rückmeldungen unterstützen können. Das Verfahren war regelmäßig erfolgreich und ergab jeweils sehr hilfreiche Rückmeldungen aus „den letzten Enden" des Fernwärmenetzes. Die Reparaturteams konnten diesen Hinweisen damit gezielt nachgehen. Haushalte in Einfamilienhäusern und rund 55.000 Wohnungen in Mehrgeschossbauten beziehen rund 60 % der Fernwärme, den Rest beziehen öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen.

Nicht zu übersehen: grelles Grün!

Durch Zugabe eines zugelassenen, optisch gut auffallenden Farbstoffs in das Fernwärmewasser können die Undichtigkeiten aufgespürt werden. Die Zudosierung beginnt am Diensttag, 3. Oktober 2017, an der größten Einspeisestelle im Gemeinschaftskraftwerk Stöcken. Innerhalb der folgenden Tage breitet sich die grellgrüne Färbung im gesamten Fernwärmenetz Hannovers aus (siehe auch Karte im Downloadangebot Fotomaterial unten).

Ausgetretenes Fernwärmewasser zeigt sich durch eine gelbgrüne Färbung. Sollten Sie gelbgrünes Wasser austreten sehen, informieren Sie bitte die enercity-Störungsannahme Fernwärme unter der Telefonnummer 0511/430-3211.

Mit dem Einsatz des Farbstoffes im Fernwärmenetz hat die enercity Netzgesellschaft bislang sehr gute Erfahrungen gemacht. Zum Einsatz kommt der gemäß Merkblatt FW 510 der Arbeitsgemeinschaft Fernwärme (AGFW) anerkannte Farbstoff Natrium-Fluoreszein, der dem Fernwärmewasser eine gelbgrün bis grünliche Färbung gibt. Die Zudosierung wird rund zwei Tage dauern. Gemäß Sicherheitsdatenblatt und bei sachgemäßer Handhabung sind keine ökologischen Probleme zu erwarten. Die enercity netz stellt messtechnisch sicher, dass die Konzentration im Fernwärmewasser 10 mg/l nicht übersteigt.

Bildmaterial: Chemotechnikerin Anne Ortfeld aus dem Labor im Gemeinschaftskraftwerk Stöcken zeigt die Flüssigkeit, mit der gefärbt wird. Im dortigen Maschinenhaus erfolgt auch Zugabe in den Fernwärmekreislauf. Downloadmöglichkeit der Fotos (ggfs. PIN-Code: KWWGO erforderlich):

https://mams.enercity.de/pinaccess/showpin.do?pinCode=KWWGO

 

Hintergrund-Information zur Fernwärme-Netzanalyse:

Die Leckageortung ist wichtig, weil jährlich im Fernwärmenetz Hannovers circa 20.000 Kubikmeter speziell aufbereitetes Fernwärmewasser durch unerkannte Leckagen verloren gehen. Wasserverluste in dieser Größenordnung gelten in Fachkreisen zwar als üblich, müssen jedoch nicht sein. Die Nachspeisung dieser Wassermengen und die Suche nach Leckstellen im über 320 Kilometer langen Fernwärmenetz sind sehr aufwändig zu bearbeiten und kosten Geld.

Viele Augen sehen mehr!

Im Alltag gehen bei der Störungsannahme bzw. Netzleitstelle durch Kundenanrufe oder die elektronische Überwachung zentraler Leitungen (Meldeadern, Vakuumdetektion) akute Störungsmeldungen ein. Unerkannt verlaufende Leckagen können so aber nicht entdeckt werden. Daher sind systematische Ansätze wie Turnus-Begehungen von Schächten, kurzzeitige Abkopplung eines Teilnetzes zu Prüfzwecken oder die temporären Aktionen mit auffälliger gelbgrüner Färbung des Fernwärmewassers notwendig. Bei letzterem Verfahren, das auf Kundenanlagen abzielt, greift das Prinzip "viele Augen sehen mehr".

Im Februar 2015 hatte die enercity Netzgesellschaft mbH (eNG) erstmals auch die Methode der Fernwärmeerkundungsflüge eingesetzt, um das im Freiraum verlegte Netz zu prüfen. Die Fluganalytik ist ein relativ junges Verfahren und wurde seit etwa 10 Jahre mit sinkenden Kosten der Kameratechnik interessant. Das "thermische Abscannen" des Stadtgebiets mit Infrarottechnik ist nur nachts und bei klarer, kalter Witterung möglich. Tagsüber würde Sonneneinstrahlung die Ergebnisse generell verfälschen und der zahlreiche Autoverkehr (mit viel Motor-Abwärme) würde in Thermografiebildern die Fernwärmeleitungen überdecken. Dieses Verfahren wird in größeren Abständen, etwa alle 5 bis10 Jahre, wiederholt.

 

Daten und Fakten zur Fernwärme:

  • Länge Fern-/Nahwärmeleitungen in Hannover: über 320 Kilometer (einschließlich Nahwärme-Inseln // entspricht etwa der Entfernung Hannover - Köln)
  • 80 Prozent unterirdisch, 19 Prozent in Kellern und 1 Prozent oberirdisch verlaufend
  • Anschlussleistung aller Wärmeabnehmer: 895 MW (davon über 12 MW Nahwärme)
  • Fernwärmezähler im Netz: 3856 (darunter viele in Mehrfamilienhäusern von Wohnungsgesellschaften mit rund 55.000 Wohnungen - das entspricht etwa 60 % Prozent des Fernwärmebedarfs, der Rest geht an öffentliche und gewerbliche Bauten in Hannover)
  • Wärmeabgabe (inkl. Anteil Nahwärme): rund 1.500 GWh  jährlich (davon rund 2 % in rund 30 dezentral verteilten Nahwärme-Inseln)
  • Erzeugung: drei einspeisende Heizkraftwerke (sowie ein Fernwärmespeicher am Standort Herrenhausen)
  • Pumpe mit maximaler Förderleistung (Gemeinschaftskraftwerk Hannover-Stöcken): 2.600 Kubikmeter/Stunde
  • Umwälz- und Druckerhöhungspumpen im Netz der enercity Netzgesellschaft mbH: 46 (14 Druckerhöhungsstationen)
  • Maximale Vorlauftemperatur (Winter) 120 Grad Celsius (Rücklauf: 60 Grad Celsius)
  • Minimale Vorlauftemperatur (Sommer) 90 Grad Celsius
  • Fließdauer GKH Stöcken - MHH Roderbruch (Winter, circa) 4,5 Stunden