Hannover, 17. September 2019

„Die Wärmewende braucht dringend wirksame politische Rahmenbedingungen“

Politikdialog von enercity und Stiebel Eltron: Beide Unternehmen treiben mit innovativen Produkten und Projekten die Wärmewende aktiv voran. Mit Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies, Bundesumweltminister a. D. Prof. Dr. Klaus Töpfer, Dr. Felix Matthes vom Ökoinstitut und weiteren Gästen haben sie mit Blick auf das Treffen des Klimakabinetts am 20. September in Berlin wichtige politische Maßnahmen diskutiert.

„Wir benötigen wirksame politische Rahmenbedingungen, um erneuerbare Wärme schneller in den Wärmemarkt zu bringen“, fordert enercity-Vorstandsvorsitzende Dr. Susanna Zapreva mit Blick auf den 20. September, an dem die Bundesregierung neue Maßnahmen für den Klimaschutz beschließen will. „Rund ein Drittel aller energiebedingten Emissionen fallen im Wärmesektor an und da müssen wir ran, wenn wir die Klimaschutzziele ernst nehmen und CO2 sparen wollen.“

Zapreva formuliert einen Wunschzettel an die Politik mit drei wesentlichen  Eckpunkten: „Wir wünschen uns von Berlin die Einführung einer CO2-Bepreisung bzw. eine CO2-Wahrheit bei den unterschiedlichen Energieträgern. Zudem brauchen wir angesichts des Kohleausstiegs eine Lösung für Kohlekraftwerke mit Fernwärmeauskopplung. Schließlich kommen in Deutschland rund 40 Prozent der Fernwärme aus Steinkohle. Und nicht zuletzt benötigen wir dringend Rahmenbedingungen für die Stromproduktion aus Wind.“

Bei dem Politikdialog „Wie gelingt die Wärmewende?“ im Alten Rathaus in Hannover, zu dem der Energiedienstleister enercity und der Haustechnikhersteller Stiebel Eltron kürzlich eingeladen haben, sind unter anderem Handlungsempfehlungen an die Politik diskutiert worden. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen für enercity die schnelle Einführung einer wirkungsvollen CO2-Bepreisung, neue Förderanreize für die Umstellung auf grüne Fernwärme sowie die Entlastung der Verbraucher durch die Senkung der EEG-Umlage und Stromsteuer.

Anteil der Windenergie erhöhen und neue Technologien fördern

„Die Energiewende darf nicht bei der Stromwende stehen bleiben“, betont Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD). „Wir müssen dafür sorgen, dass wir die erneuerbare Energie, die wir erzeugen, auch sinnvoll anwenden.“ Aus Windenergie könnte zum Beispiel umweltfreundlich Wasserstoff gewonnen werden. Niedersachsen habe viel Wind und sei damit die ideale Pilotregion. Doch die Windbranche brauche dringend ein Signal aus der Berliner Politik, sonst drohe ihr das Schicksal der deutschen Solarindustrie, warnt Lies. Der Ausbau der Windenergie sei in Deutschland schon fast zum Erliegen gekommen. Ein weiterer Ausbau sei allerdings für die Erreichung der Klimaziele unerlässlich.

Eine umweltfreundliche Energieversorgung, dezentral, für viele Menschen zugänglich und eine demokratiefähige Technik - das gebe es heute schon, sagt Prof. Dr. Klaus Töpfer, Bundesumweltminister a. D. „Wir sollten nicht auf Entscheidungen in der Politik warten. Wir müssen vorangehen, und wir müssen das jetzt tun“, so Töpfer. Vor diesem Hintergrund sei das aktive Vorangehen von enercity beim Klimaschutz im Bereich Windenergie, Ökostrom und Fernwärme genau das richtige Vorgehen - auch wenn damit hohe Investitionen verbunden sind. Er sei sich sicher, dass gerade in einer globalisierten Welt die, die technologisch vorangehen, langfristig auch den Vorteil haben werden.

Energiewende muss bezahlbar und sozialverträglich sein

„In die Energiewende muss investiert werden. Es kostet viel am Anfang, aber am Ende wird es sich auszahlen - denn wir sparen sehr viel CO2“, sagt Dr. Felix Matthes, Forschungskoordinator im Bereich Energie- und Klimapolitik beim Ökoinstitut. „Damit dies für Verbraucher auch bezahlbar und sozialverträglich ist, brauchen wir eine grundlegende Reform.“ Einen einfachen CO2-Aufschlag auf das bestehende Energiesteuer- und Umlagensystem halte er dabei für nicht sinnvoll. „Man muss das gesamte System der Energiebepreisung im Blick haben, und das ist sehr komplex“, so Matthes. „Ich plädiere unter anderem dafür, die Stromsteuer abzuschaffen.“

„Die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende ist die Voraussetzung für ihr Gelingen. Daher dürfen steigende Energiepreise Haushalte und Unternehmen nicht überfordern“, so Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der VNG - Verbundnetz Gas AG. Hierbei könne der Energieträger Gas einen entscheidenden Beitrag leisten: Gas sei sauber, sicher und preiswert. Es besitze das Potenzial, in allen Sektoren deutliche und sozialverträgliche CO2-Minderungen zu erzielen. Durch den Einsatz grüner Gase werde die erzeugte Wärme zudem nach und nach komplett grün. Zudem sei eine regulatorische Besserstellung für Power-to-Gas-Anlagen notwendig.

Strompreis entlasten und Wärmepumpen in den Markt bringen

„Wärmepumpen sind eine Schlüsseltechnologie für die Wärmewende“, erklärt Dr. Kai Schiefelbein, Geschäftsführer Stiebel Eltron. Wärmepumpen könnten als einzige Wärmeerzeuger erneuerbare Energien ganzjährig nutzbar machen - denn Umweltenergie aus der Luft, dem Erdreich oder dem Grundwasser sei immer da. Leider verteuern staatliche Preisbestandteile derzeit den Strom gegenüber Öl und Gas und machen ihn weniger wettbewerbsfähig. „Die Instrumente zur Steuerung der Energiewende sind nicht aufeinander abgestimmt“, erläutert Schiefelbein. „Das aktuelle System treibt die Verbraucher in die Nutzung fossiler Energien.“ Seit 2005 habe die Politik den Preisabstand von Strom im Vergleich zu Erdöl und Gas mehr als verdreifacht. Ziel müsse es sein, die künstliche Stromverteuerung zu beenden. „Ein Schritt in die richtige Richtung wäre eine CO2-bezogene Energiebesteuerung für fossile Energieträger“, so Schiefelbein. „Mit einer Unterstützung vom Staat würde dem Bürger das Umdenken leichter fallen und die Wärmewende könnte endlich beginnen.“

Erneuerbare Energien und Fernwärme weiter ausbauen

„Die Fernwärme stellt einen wesentlichen Treiber der Energiewende in Ballungsgebieten, Städten und Gemeinden dar“, betont enercity-Vorstandsvorsitzende Susanna Zapreva. Trotzdem spielen erneuerbare Energien bei der Wärmeversorgung in Deutschland bisher kaum eine Rolle. Während erneuerbare Energien beim Stromverbrauch bereits heute etwa 38 Prozent decken, sind es im Wärmesektor nur rund 14 Prozent.

„Der Wärmesektor verbraucht 50 Prozent der Primärenergie und der Mobilitätssektor 30 Prozent. Damit sind diese wichtiger als der Stromsektor“, sagt Zapreva. Bis zum Jahr 2035 will enercity die Hälfte der Wärmelieferung in Hannover aus erneuerbarer Energie gewinnen. Die Nutzung der Abwärme aus der thermischen Abfallverwertungsanlage im Stadtteil Lahe wird dazu einen zentralen Beitrag leisten. „Dieses neue Fernwärmeprojekt ist der Startschuss für eine umfassende Wärmewende in Hannover“, so Zapreva.

Bereits heute beliefert enercity alle Tarifkunden mit 100 Prozent Ökostrom. Bundesweit gehört das Unternehmen zu den vier größten Ökostromlieferanten.

Download Pressefoto vom Politikdialog in Hannover:

https://mams.enercity.de/pinaccess/showpin.do?pinCode=gsOLFTHCsaiw

Bildunterschrift (v.l.n.r.): Moderator Karsten Wiedemann von energate, VNG-Vorstandsvorsitzender Ulf Heitmüller, Stiebel Eltron-Geschäftsführer Dr. Kai Schiefelbein, enercity-Vorstandsvorsitzende Dr. Susanna Zapreva, Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies, Dr. Felix Matthes vom Ökoinstitut und Bundesminister a. D. Prof. Dr. Klaus Töpfer.