Energie- und Mobilitätsgeschichte: 80 Jahre Fuhrparkmanagement bei enercity

Waren zunächst Pferdefuhrwerke und Handkarren die vorherrschenden Transportmittel, kamen in den damals noch getrennt geführten Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerken der Stadt zunehmend Kraftfahrzeuge zum Einsatz.

Fotos aus über 100 Jahren Mobilitätsgeschichte bei enercity sehen Sie in der enercity-Fotogalerie.

Vor rund 80 Jahren, im Herbst 1935, wurde bei den Städtischen Betriebswerken eine zentrale Kraftfahrzeugabteilung gebildet. Ihr erster Standort war auf dem Gelände der stillgelegten Kokerei des Gaswerks Glocksee. Aufgrund der wachsenden Fuhrparke wurde, vor rund 80 Jahren, im Herbst 1935 bei den Städtischen Betriebswerken eine zentrale Kraftfahrzeugabteilung gebildet. Sie hatte ihren ersten Standort auf dem Gelände der stillgelegten Kokerei des Gaswerks Glocksee (Foto 1935) - inzwischen bezog Hannover Ferngas aus dem Ruhrgebiet.

In diese Zeit fiel auch die Eröffnung der deutschlandweit ersten Stadtgastankstellen, 1935 am Gaswerk Glocksee und 1936 in der Podbielskistraße. Energie-Autarkie-Bestrebungen der Nazi-Herrscher waren ursächlich und führten auch zum Einsatz von E-Lastfahrzeugen beim Gaswerk, gasbetriebene Fahrzeuge fanden sich stadtweit (Foto 1937). In der kriegsbedingten Mangelwirtschaft wurde ab 1942 auch Klärgas aus Herrenhausen für diese Fahrzeuge eingesetzt, welches aufgrund seiner höheren Energiedichte sogar eine größere Reichweite ergab.

Zentrales Fuhrparkmanagement in der Glocksee

Inzwischen 80 Jahre gibt es bei den Stadtwerken Hannover ein professionelles Fuhrparkmanagement, das 1974 komplett in Neubauten am Bauweg nahe dem Lindener Hafen umzog. "Neben dem Einsatz, der Überwachung und Instandhaltung einer Flotte von über 450 Fahrzeugen, 156 Anhängern und davon 24 Aggregaten managen wir die komplette Fahrzeugbeschaffung", sagt Bernd Meßmann, seit 1988 Leiter der enercity-Kraftfahrzeugabteilung.

Über die Jahrzehnte war hier eine Fülle von Fahrzeugklassen im Einsatz: Lastkraftwagen, Hubsteiger, Kräne, Transporter und Dienst-PKW (Foto 1965). Es gab neben Dienstfahrrädern sogar Krad-Motorräder mit Beiwagen, welche jedoch 1957 durch die vom Volksmund als "Knutschkugel" bezeichnete BMW-Isetta ersetzt wurden (Foto 1957). Der Ausbau der elektrischen Straßenbeleuchtung mit an breiteren Straßen deutlich höheren Aufhängungen erforderte auch moderne Leiter- und Hubwagen (Fotos 1950 ff.).

Alternative Antriebe - "Weg von Öl"

Ab 1972 waren Flüssiggasantriebe im Einsatz und die eigene Flüssiggastankstelle war bis 1984 in Betrieb (Foto 1975). Das war die "Weg vom Öl"-Antwort der Gaswirtschaft auf die ersten beiden Ölpreiskrisen Anfang und Ende der 70er Jahre. Ab 1994, an Umwelt- und Kostensparzielen orientiert, kamen die ersten umgerüsteten Erdgasfahrzeuge im Fuhrpark hinzu (Foto 1994). Im Jahr 2002 machten 41 Erdgas-KFZ bereits 9,8 % der über 400 Fahrzeuge im enercity-Fuhrpark aus (2006: 52 / 11,9 %; 2010: 86 / 17,8 %). Zum Stichtag 31.12.2014 haben die Erdgasantriebe mit 98 KFZ einen Anteil von 21,7 % an den insgesamt 452 Fahrzeugen erreicht (aktuell: 107 Erdgasfahrzeuge).

Die Elektromobilität ist inzwischen wieder das Zukunftsthema. Seit September 2010 gibt es wieder E-Fahrzeuge im Fuhrpark und eine Förderprämie von enercity ist im Angebot. Wer im enercity Versorgungsgebiet beim Kauf eines Elektrozweirads oder eines Elektroautos einen enercity UmweltStrom-Vertrag abschließt, kommt in den Genuss einer Prämie von bis zu 150 Euro Mit diversen Kunden-Testaktionen (E-Roller, Twizy, VW e-up) hat enercity seit November 2010 Hunderte von Interessenten persönlich E-Mobilität erfahren lassen. Mit seinem Ladeversuch erforscht enercity im Niedersächsischen Schaufenster E-Mobilität, wie Geschäftsmodelle entwickelt werden können, mit denen die Ladezeitpunkte von Elektrofahrzeugen systemstabilisierend gesteuert werden können. Auch die 10 VW e-up des enercity-Fuhrparks sind an diesem Test beteiligt.

E-Mobilität bereits ab 1903

Das Thema war jedoch auch zuvor nicht unbekannt bei den Stadtwerken. Erfahrungen mit Elektromobilität reichen weit zurück in die Anfänge der motorisierten Mobilität, als noch Pferdefuhrwerke Hannovers Straßen dominierten. Nachweislich waren bereits 1903, noch bevor die Benziner ihren Siegeszug antraten, erste Elektrofahrzeuge in Hannover unterwegs, die Litfasssäulenartigen Ladestationen "aufgetankt" werden konnten. Bekanntlich nahm die automobile Entwicklung einen anderen Weg und expandierte auf der Basis von Verbrennungsmotoren. Lediglich in den 1930er Jahren waren für den kleinen Werksverkehr Elektrotransporter im Einsatz (siehe Fotos 1936 und 1937).

Anfang der 90er Jahre tauchte mit dem "Ministromer" die Elektromobilität wieder auf (Foto 1991). Die Einsatzerfahrungen waren jedoch ernüchternd. Die internen Postfahrer mussten auf Heizung verzichten, um die Reichweite des Fahrzeugs nicht einzuschränken. "Selbst die Fahrt zu seinem anschließenden Käufer nach Braunschweig konnte das Gefährt nicht bewältigen und blieb auf der Strecke liegen", so erinnert sich Meßmann.

Kuriose Erlebnisse nach dem Mauerfall

Über alle technischen Highlights hinaus gab es hin und wieder schöne, fast kuriose Ereignisse. Die Trabbi-Welle nach dem Mauerfall erfasste am 18./19. November 1989 auch Hannover. Die Stadt hatte sich darauf vorbereitet. Die Stadtwerke Hannover halfen ebenfalls - mit einem spontan organisierten Pannendienst für DDR-Fahrzeuge. Zahlreiche Trabis, die bei ihrer ersten Westfahrt nach Hannover schlapp machten, kamen in die enercity-Werkstatt, um wieder fit für die Heimfahrt gemacht zu werden. In der KFZ-Werkstatt am Bauweg in Linden wurden an dem Wochenende bis Sonntagabend 17 DDR-Autos wieder flott gemacht. Die Kollegen legten dafür freiwillig Sonderschichten ein. Es blieben nicht nur die Erinnerungsfotos - auch ein russischer "Wolga", den sein Besitzer wohl nicht mehr haben wollte, wurde bei den enercity-Mechanikern im Bauweg zurückgelassen.

Die von Hannover 1987 eingegangene Städtepartnerschaft mit der Stadt Leipzig war wohl der Auslöser eines Hilfsersuchens der Leipziger "VEB Stadtbeleuchtung" im November 1989. Die ostdeutschen Kollegen baten, mit großen Hubwagen-Liften auszuhelfen. Die Leipziger Innenstadt hat zahlreiche große Plätze mit Leuchten in 27 Metern Höhe. Da mussten die Kollegen der Stadtwerke Hannover mit 18 Metern Hubwagenhöhe zwar passen, aber sie konnten mit zwei Montagewagen, die noch lange Nutzwert hatten, schnell und unkompliziert aushelfen. Ein Meister und zwei Monteure brachten die Fahrzeuge nach Leipzig und wiesen die dortigen Techniker in den Gebrauch der Ausstattung ein. In den ersten Jahren der deutschen Einheit fuhren die beiden VW Bullis im Wartungs- und Entstörungsdienst der VEB Stadtbeleuchtung in Leipzig mit. Übrigens sehr lange noch mit der alten Slogan-Beschriftung der Stadtwerke "Im Dienste der Bürger" (Foto 1989, vor einem "Konsum" in Leipzig).

Kraftfahren war in alten LKWs Schwerstarbeit

Rentner Heinz Krauspe, Jahrgang 1927, der jahrzehntelang seinen Dienst als LKW-Fahrer bei den Stadt-werken tat, gehörte noch zu den letzten, die 1951 mit den scherzhaft genannten "Knallgas"-LKWs fuhren. Wohlgemerkt, nicht dass es Wasserstoff war, sondern weil das Stadtgas wohl mit geräuschvollen Fehlzündungen verbunden war. Er fuhr die Rohrtransporte aus dem Zentrallager am Alten Flughafen zu den jeweiligen Baustellen in der Stadt. "Damals gab es noch keine Servo-Lenkung und es gab richtig dicke Oberarme vom Kurbeln. Aber darin hatte ich ja Übung, denn ich kam ja aus dem Fernverkehr", erinnert sich Krauspe. Heute ist sein Sohn in der dritten Generation bei enercity tätig - ebenso wie er in der KFZ-Abteilung.

Heute ist die Zahl der Berufskraftfahrer deutlich geringer und zahlreiche Mitarbeiter sind als "Selbstfahrer" registriert, verbunden mit regelmäßigen Gesundheits- und Fahrtauglichkeitstests. Moderner Mobilität entsprechend führte das Fuhrparkmanagement 2001 auch den Car-Pool ein, einer Art Car-Sharing unter allen Mitarbeitern, das seit 2012 auf Basis von RFID-Chips und Schlüsselausgabeautomaten wenig personalintensiv gebucht und benutzt werden kann.