Geschichte und Zukunft der Elektromobilität in Hannover

Elektromobilität ist nicht nur ein Zukunftsthema: die Geschichte elektrisch betriebener Fahrzeuge reicht in Hannover bis ins späte 19. Jahrhundert zurück.

Die ersten Erfahrungen mit elektronischer Fortbewegung liegen in einer Zeit, in der noch Pferdefuhrwerke Hannovers Straßen dominierten: Die Straßenbahnen waren eine Frühform der im Alltag eingesetzten Elektromobilität. Während in vielen anderen Städten die Zugpferde von Gasmotoren abgelöst werden, kamen in Hannover Elektromotoren zum Einsatz. Die Bahnen fuhren in der Stadt ab 1885 mit Akkumulatoren, in den Vororten ab 1893 im Oberleitungsbetrieb.

Von Pferdefuhrwerken zu Elektrofahrzeugen

Zwölf Jahre nach dem Start des Aufbaus einer öffentlichen Stromversorgung, im Jahr 1903, waren zeitgleich zu den elektrischen Straßenbahnen bereits die ersten Elektrofahrzeuge unterwegs. Die damaligen Ladestationen hatten deutlich größere Ausmaße als heute. Der Elektroantrieb bei Kraftfahrzeugen wurde aber sehr bald durch Benzinmotoren verdrängt.

In den 1930er Jahren waren für den kleinen Werksverkehr Elektrotransporter im Einsatz. Neben einer Vielzahl von stadtgasbetriebenen Fahrzeugen hatten die damaligen Städtischen Betriebswerke auch Elektro-Fahrzeuge in Betrieb. Diese Antriebsformen waren durch Autarkiebestrebungen des sog. „Dritten Reichs" begründet, da Strom wie auch Stadtgas auf der Basis des in Deutschland geförderten Energieträgers Kohle hergestellt werden konnte.

Mit Elektromobilität ins neue Millennium

Im Jahr 1990 gab es bei den Stadtwerken Hannover erneut ein Elektrofahrzeug – den Mini-Stromer. Zu Demonstrationszwecken wurde auf dem Gelände der Deutschen Messe AG eine Solartankstelle errichtet. Die Einsatzerfahrungen waren jedoch ernüchternd. Die internen Postfahrer mussten auf Heizung verzichten, um die Reichweite des Fahrzeugs nicht einzuschränken.

Mit Förderung des enercity-Fonds realisierte die üstra am 11. August 2000 die regenerativ angetriebene Elektromobilität zu Wasser. Der fast 22 Meter lange und bis zu neun Stundenkilometer schnelle Solarkatamaran „Europa – enercity“ verstärkt die bisher drei Elektroboote umfassende Maschseeflotte. Er bietet Platz für 68 Personen und ist bei Bedarf auch als Partyboot nutzbar. Da die Fotovoltaikanlage nur rund 40 % des benötigten Fahrstoms erzeugt, bezieht für den Rest enercity-Ökostrom. Im Winter wird der Katamaran im Freien gelagert und speist ins öffentliche Stromnetz ein.

Zukunftsthema Elektromobilität

Die Elektromobilität ist inzwischen wieder das Zukunftsthema. Seit September 2010 gibt es wieder E-Fahrzeuge im Fuhrpark und eine Förderprämie von enercity ist im Angebot. Wer im enercity Versorgungsgebiet beim Kauf eines Elektrozweirads oder eines Elektroautos einen enercity UmweltStrom-Vertrag abschließt, kommt in den Genuss einer Prämie von bis zu 150 Euro. Mit diversen Kunden-Testaktionen (Segways, Pedelecs, E-Roller, Twizy, VW e-up) hat enercity seit November 2010 Hunderte von Interessenten persönlich E-Mobilität erfahren lassen. Mit seinem Ladeversuch erforschte enercity im Niedersächsischen Schaufenster E-Mobilität, wie Geschäftsmodelle entwickelt werden können, mit denen die Ladezeitpunkte von Elektrofahrzeugen systemstabilisierend gesteuert werden können. Auch die 10 VW e-up des enercity-Fuhrparks sind an diesem Test beteiligt. Neben den e-up umfasst der enercity-Fuhrpark auch drei E-Roller und 30 Pedelecs.

Parallel begann die enercity Contracting GmbH mit der Installation der ersten öffentlichen E-Ladesäulen in Hannovers Innenstadt. Mit dem Start des Jahres 2016 hat enercity seine E-Ladestationen im öffentlichen Straßenraum in das europaweit größte Ladenetzwerk „The New Motion" integriert. Durch diese Kooperation können rund 25.000 Ladestationen über eine Ladekarte genutzt werden, davon bereits über 4.500 in Deutschland. Die Ladekarte ist kostenlos. Der Kunde zahlt ausschließlich für das Laden – außer an den enercity-Ladesäulen. Dort ist das Laden von „enercity UmweltStrom" vorerst noch kostenfrei möglich, weil Autofahrern ein Anreiz gegeben werden soll, sich mit der neuen Antriebstechnik auseinanderzusetzen.