Vorreiter der Gasgewinnung: Gaswerk Glocksee

Das Gaswerk Glocksee war die erste Städtische Gasanstalt auf dem europäischen Kontinent. Die Stadt Hannover beauftragte ein englisches Unternehmen, zunächst die Straßen und Plätze mit Gaslaternen zu beleuchten. Bald folgten weitere Nutzungsformen von Gas, etwa zur Wohnungsbeleuchtung, zum Kochen und Heizen.

Erstes Gaswerk auf dem europäischen Kontinent

Das Gaswerk Glocksee nahm 1826 seinen Betrieb auf und war damit die erste Gasanstalt auf dem europäischen Kontinent. Im Auftrag des Magistrats von Hannover wandelte die Imperial Continental Gas Association Kohle zu Gas um. Zunächst neun Öfen gewannen das Leuchtgas für die Laternen, welche Straßen und Plätze von Hannover beleuchteten. Tagtäglich schafften Pferdefuhrwerke dafür Kohle aus dem Umland in das Gaswerk Glocksee.

Mit dem steigenden Gasbedarf veränderte sich der Betrieb. Die Gasanstalt wurde immer wieder um neue Gasbehälter erweitert. Die Lieferung der Kohle erfolgte daraufhin mit einer Kettenbahn über eine Ihmebrücke.

Von der Kettenbahn zur Drahtseilbahn

1854 stellte auch Linden die Straßenbeleuchtung auf Gas um. Arbeiter verlegten dazu eine Hauptgasleitung über die Ihmebrücke am Schwarzen Bären. Ab 1873 nutzte das Gaswerk den neuen Güterbahnhof Küchengarten für die Kohlelieferungen, die inzwischen aus dem Ruhrgebiet stammten. Eine Drahtseilbahn transportierte die angelieferte Kohle vom Bahnhof zum Gaswerk. Die Seilbahn hatte jedoch ihre Tücken: Öfters riss das Zugseil oder Kohlestücke fielen aus den Transportwagen.

1892 stellte die Stadt Hannover deshalb den Betrieb ein und baute über den Fluss eine Eisenbahnbrücke. Mit dem ersten Weltkrieg wurde das Gaswerk 1914 zwangsverwaltet. Ab 1918 übernahm die Stadt Hannover dieses.

Abriss des historischen Gaswerks

Im Jahr 1930 stellte die Stadt die Gasproduktion vor Ort ein, da vermehrt Ferngas aus dem Ruhrgebiet bezogen wurde. Die Gasspeicherbehälter blieben auf dem Gelände aber noch einige Zeit in Betrieb. Der letzte Behälter wurde nach der Erdgasumstellung 1973 abgerissen. Als neue Gasspeicher dienten bis 2010 die Kugelgasbehälter in der Schulenburger Landstraße und am Bauweg. Heute sichert enercity die Gasversorgung durch unterirdische Kavernenspeicher in Ronnenberg.

Quelle: Torsten Bachmann aus Stadtteil-Geschichte(n) der "hallo Linden" vom 16. Juni 2013