22. Oktober 2026Unternehmen
Tiefengeothermieprojekt in Lahe wird nicht umgesetzt – Hannovers Kohleausstieg bleibt abgesichert
- Dekarbonisierungspfad für Hannovers Fernwärme wird konsequent fortgesetzt
- Breiter Erzeugungsmix kompensiert entfallende Leistung
- Zuverlässige Wärmeversorgung bleibt gewährleistet

Das von enercity und Eavor geplante Tiefengeothermieprojekt in Hannover-Lahe wird nicht umgesetzt. Anfang dieses Jahres hat Eavor seinen strategischen Fokus auf die Rolle als Technologieunternehmen gesetzt. In der Folge führte dies zu der Entscheidung, nicht die Rolle des Investors und Projektentwicklers für das Projekt in Hannover zu übernehmen. Trotz intensiven Gesprächen in den vergangenen Monaten über alternative Umsetzungsmöglichkeiten konnte keine tragfähige Lösung zur Fortführung des Projekts gefunden werden. Der geplante Kohleausstieg nach dem Winter 2027/28 bleibt auch ohne das Geothermieprojekt abgesichert. Die zuverlässige Fernwärmeversorgung ist gewährleistet.
„Wir bedauern, dass wir dieses innovative Vorhaben nicht gemeinsam verwirklichen können. Unabhängig davon halten wir an unserem Ziel des vorzeitigen Kohleausstiegs fest und setzen den Umbau der Fernwärmeerzeugung fort. Dabei nutzen wir unterschiedliche Technologien und mehrere unabhängige Wärmequellen. Dieser breite Ansatz ermöglicht es uns, den Kohleausstieg wie geplant umzusetzen“, sagt Aurélie Alemany, Vorstandsvorsitzende von enercity.
In Hannover-Lahe sollten zwei sogenannte Eavor-Loops mit insgesamt rund 30 Megawatt Wärmeleistung entstehen. Das geschlossene System sollte Erdwärme unabhängig von natürlichen Heißwasservorkommen erschließen und kontinuierlich in das Fernwärmenetz einspeisen. Mit dem Projektende entfällt dieser vorgesehene Erzeugungsbaustein.
Breiter Anlagenmix sichert den Kohleausstieg
Für den Ersatz des Kohlekraftwerks in Stöcken setzt enercity auf ein dezentrales Portfolio unterschiedlicher Wärmeerzeuger. Dazu gehören unter anderem Biomasse- und Klärschlammverwertung, die Nutzung von Großwärmepumpen und Anlagen, die Strom in Wärme umwandeln. Der Umbau ist bereits deutlich fortgeschritten: Der erste Kohleblock ist außer Betrieb, seine Wärmeerzeugung übernehmen fünf dezentrale Anlagen. Weitere Projekte für den Ersatz des zweiten Blocks befinden sich im Bau oder in Planung.
Das Erzeugungskonzept umfasst zusätzliche Leistungsreserven. Deshalb sind die geplanten 30 Megawatt aus Tiefengeothermie für den vollständigen Ersatz der Kohle kurzfristig nicht entscheidend. Die entfallende Wärmeerzeugung kann innerhalb des übrigen Anlagenportfolios kompensiert werden. Der Kohleausstieg und die zuverlässige Fernwärmeversorgung bleiben damit abgesichert.
Weitere Wärmequellen für das wachsende Fernwärmenetz
Mit dem Ausbau der Fernwärme in Hannover steigt perspektivisch auch der Bedarf an zusätzlicher Wärmeerzeugung. enercity prüft deshalb weitere Erzeugungsoptionen und Wärmequellen. Dabei geht es insbesondere darum, das Portfolio langfristig um weitere kontinuierlich verfügbare Wärmeerzeuger zu ergänzen.
Auch die neue Fernwärmeleitung zur Kirchhorster Straße bleibt Bestandteil der Wärmeinfrastruktur. Sie wird unabhängig vom Tiefengeothermieprojekt benötigt, um zusätzliche Wärme aus der Abfallverwertungsanlage Lahe oder aus weiteren, künftig zu erschließenden Wärmequellen in das hannoversche Fernwärmenetz einzuspeisen.
Mit dem Ende des Tiefengeothermieprojekts verändert sich ein Baustein der Umsetzung, nicht das Ziel: enercity setzt den Umbau der Fernwärmeerzeugung fort und sichert dabei die zuverlässige Versorgung.



