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    Mann mittleren Alters, der aus dem Fahrerfenster seines Autos nach hinten guckt.
    Elektromobilität

    Was tun bei Pannen oder Unfällen mit dem E-Auto?

    Mehr als eine Million E-Autos und Plug-in-Hybride helfen bereits dabei, den CO2-Ausstoß auf Deutschlands Straßen einzudämmen und den Klimaschutz voranzubringen. Bei der Neuanschaffung spielen neben Fragen zu Kosten und Förderung auch mögliche Gefahren im Fahrbetrieb eine Rolle. Wir erklären, was E-Mobilisten und solche, die es werden wollen, über Pannen und Unfälle mit Stromern wissen sollten.

    Das Trendbarometer für Elektroautos steigt stark nach oben. Laut Statista waren 2011 gerade einmal 2307 E-Autos in Deutschland unterwegs – bis Ende 2021 dagegen bereits 516.518. Das entspricht einer Steigerung um mehr als 20.000 Prozent! Nimmt man die Plug-in-Hybridfahrzeuge, also elektrifizierte Verbrennermodelle, hinzu, war die Millionenmarke von Automobilen mit E-Eigenschaften im Spätsommer 2021 erreicht. Die Vorzüge von Elektroautos sind bekannt: Sie helfen, den CO2-Ausstoß zu minimieren, und dienen so dem Klimaschutz. Sie haben eine vergleichsweise lange Lebensdauer und einen geringen Wartungsbedarf. Und sie ermöglichen es Fahrern, die über eine private Ladestation verfügen, die mit einer PV-Anlage verbunden ist, zum Nulltarif mit Sonnenstrom unterwegs zu sein. Was aber, wenn eine Panne, ein Unfall oder gar ein Feuer das E-Auto stoppen? Sind Stromer dann gefährlicher als herkömmliche Pkw?

    Kurviger Stadtautobahnabschnitt, auf dem zahlreiche Autos und Lkw fahren.
    Eine Million E-Autos und Plug-in-Hybridfahrzeuge sind inzwischen auf deutschen Straßen unterwegs. Sie alle helfen, den CO2-Ausstoß zu minimieren, und dienen so dem Klimaschutz.

    Die gute Nachricht: Bei Crashtests haben E-Automobile insgesamt gut abgeschnitten. Mehr noch: Die Systemsicherheit eines E-Autos ist bei einem Unfall in der Regel hoch, weil ihre „Crash-Struktur“ bei weitestmöglicher Entfernung der Akkus von den klassischen „Knautschzonen“ durchdacht ist und die Hochvoltkomponenten gut geschützt sind. Unterböden von Elektroautos sind mit einem stabilen Unterfahrschutz versehen, um die dort sitzende Batterie vor Unfallbeschädigung zu bewahren. Zudem müssen elektrische Komponenten von E-Autos „eigensicher“ angelegt sein. Heißt: Der Stromfluss der Batterie wird automatisch unterbrochen, wenn im System ein Defekt auftritt. Die Folge: Durch die Trennung der Batterie von anderen Hochvoltkomponenten und -kabeln sinkt die Spannung im System, durch das im Betrieb etwa 400 bis 800 Volt fließen können, sehr schnell unter den festgelegten Grenzwert von 60 Volt. So beispielsweise bei einem Unfall, wenn die Airbags ausgelöst werden. Das System schaltet sofort automatisch ab.

    E-Autos brennen nicht öfter als Verbrennerfahrzeuge

    Trotz umfangreicher Sicherheitsbestimmungen und Maßnahmen ist in Medien und sozialen Netzwerken immer wieder von brennenden E-Fahrzeugen in privaten Garagen oder Parkhäusern zu lesen. So dramatisch Einzelfälle jedoch sein können, so selten kommen sie bislang vor. Das Bundesumweltministerium beantwortet die „brennendste“ Frage vieler E-Mobilisten nach den Feuergefahren von Stromern und ihren Batterien unaufgeregt. Bezogen auf einen möglichen Fahrzeugbrand, so die oberste Umweltbehörde, sei das Elektroauto „in thermischer Hinsicht nicht gefährlicher als ein brennendes Fahrzeug mit konventionellem Antrieb“. Elektroautos würden zudem „nicht häufiger brennen als andere Fahrzeuge“. Auch weisen die Umweltexperten der Bundesregierung darauf hin, dass „Lithiumbatterien und batteriebetriebene Fahrzeuge den Vorschriften des Gefahrgutrechts unterliegen“, die für den Transport defekter Batterien die Vorgaben machen.

    Selbstentzündungen von E-Autos sind extrem selten

    Trotz aller Schutzmaßnahmen kann es aber zu Entzündungen kommen. Die drei Hauptursachen dafür sind mechanische Beschädigungen, die bei schweren Unfällen entstehen können, elektrische Belastungen durch Überladung und eine thermische Belastung durch starke Temperaturerhöhungen.

    Im schlechtesten Fall, so der ADAC, könnten die Zellen in der Antriebsbatterie „durchgehen“. Das Szenario wird „Thermal Runaway“ (thermisches Durchgehen) genannt. In dem Fall brenne, so der ADAC, die Antriebsbatterie und müsse durch die Feuerwehr mit viel Wasser gelöscht werden. Die beruhigende Zusatzinfo der Pannenhelfer: „Die Selbstentzündung eines Elektroautos ohne externe Einwirkung aufgrund eines technischen Defekts ist während der Fahrt, im Stand oder beim Laden extrem selten.“

    Bricht dennoch Feuer aus, das auch bei herkömmlichen Antrieben zu größeren Bränden oder Explosionen führen kann, verhalten sich brennende Akkus anders als Verbrennungsmotoren: Ihre Speicherzellen können eine innere Kettenreaktion auslösen, die zu sehr hohen Temperaturen führt. Hier muss die Feuerwehr mit mehr Wasser als üblich löschen. Außerdem sollte die Batterie anschließend mindestens 24 Stunden abkühlen, um die Gefahr eines erneuten Aufflammens zu bannen. Gerät ein Elektroauto beispielsweise in einer Tiefgarage in Brand, wird in der Regel erst der Akku gekühlt und das Fahrzeug dann ins Freie geschleppt, wo die Bekämpfung bis zum sicheren Finale besser kontrolliert werden kann.

    Besonderheiten ja, erhöhtes Risiko nein

    Für eine grundsätzliche Angst vor brennenden Batterien bei Elektroautos sehen Fachleute großer Organisationen wie ADAC, DEKRA oder auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) keinen Anlass. Beim ADAC heißt es stellvertretend für die allgemeine Einschätzung: „Aktuell gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass Elektroautos mit oder ohne Unfalleinwirkung eher zum Brennen neigen als Autos mit Verbrennungsmotoren.“

    Pannenhilfe ist für E-Autos ebenso möglich wie für herkömmliche Verbrenner, erfordert jedoch Helfer mit Zusatzausbildung. Laien rät nicht nur der ADAC: Hände weg von den Hochvoltkomponenten und orange markierten Leitungen! Eine weitere Besonderheit tritt ein, wenn der Unfallwagen nicht mehr selbstständig weiterfahren kann und abgeschleppt werden muss. Das sollte in der Regel per Anhänger geschehen. Der Grund: Elektroautos sind zugleich Generator und Antrieb. Es könnte beim Abschleppen auf den eigenen vier Rädern zur Batterieüberhitzung kommen, weil permanent neue Energie in den Akku eingespeist wird. Ein guter Rat für Elektromobilisten zum Schluss: beim Ruf der Pannenhilfe unbedingt angeben, dass es sich um ein E-Auto handelt. Dann kommt Hilfe von geschulten Experten.

    Autos, die auf zwei Fahrbahnen nebeneinander und hintereinander aufgereiht im Stau stehen.
    Laut dem ADAC brauchen sich E-Autofahrerinnen und -fahrer keine Sorgen zu machen, wenn sie im Stau stehen: Elektroautos könnten selbst bei Minusgraden mehrere Stunden durchhalten, ohne dass die Batterie schlappmacht.
    20. März 2022
    Elektromobilität
    Klimaschutz
    Ökostrom

    Text: Tatjana Pokorny. Fotos: Getty Images.

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