Wissenswert

    Zehn spannende Fakten über Strom

    Er fließt eher gemächlich, kommt in der Öko-Variante vor allem aus dem Norden und fällt hierzulande nur noch selten aus: Was Sie noch nicht über elektrischen Strom wussten.

    1. Er fließt in allen Lebewesen

    Frankensteins Monster wird mit einem Lichtbogen zum Leben erweckt. In Comics leuchtet über dem Kopf eine Glühbirne auf, wenn jemand eine Idee hat. Und in der Realität zucken Muskeln, wenn man ihnen ein Stromstoß versetzt. Tatsächlich fließt in jedem Lebewesen, das über ein Nervensystem verfügt, elektrischer Strom. Die Nervenbahnen transportieren damit Informationen. So erzeugt das menschliche Gehirn bis zu 23 Watt Leistung. Das würde genügen, um eine LED-Lampe aufleuchten zu lassen.

    2. Seine Menge misst sich in Kilowattstunden (kWh)

    Strommengen werden in der Einheit Kilowattstunde (kWh) gemessen. Doch wie viel ist eine kWh? Mit dieser Strommenge saugt beispielsweise ein starker 1000-Watt-Staubsauger auf mittlerer Stufe eine Stunde lang die Wohnung durch. Die Menge reicht außerdem aus, um ein warmes Abendessen für vier Personen zuzubereiten oder 50 Stunden lang aktiv am Laptop zu arbeiten. Ein Elektroauto kann damit im Schnitt 6,7 Kilometer weit fahren, eine Energiesparlampe bis zu 90 Stunden lang leuchten. Die Produktion und Bereitstellung von einer kWh konventionellen Stroms setzt rund 600 Gramm CO₂ frei. Bei Ökostrom fällt die Bilanz allerdings wesentlich besser aus – je nachdem, mit welcher Technologie er gewonnen wird, also ob beispielsweise mit Wasser-, Wind- oder Sonnenkraft, lässt er sich quasi ohne CO₂-Emissionen produzieren.

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    3. Er ist nicht blitzschnell

    Wenn ein Mensch am einen Ende einer kilometerlangen Stromleitung den Schalter betätigt, geht am anderen Ende quasi im selben Moment das Licht an. Also ist Strom blitzschnell, oder? Nein, denn eigentlich bewegen sich die Elektronen des elektrischen Stroms bei der üblichen Netzspannung von 230 Volt nur mit 0,5 Millimetern pro Sekunde, was gerade mal 0,0018 Stundenkilometern entspricht. Strom fließt also eher gemächlich. Allerdings breitet sich die zugehörige elektromagnetische Welle mit rasenden 720 Millionen Stundenkilometern aus. Sie schubst die Elektronen im gesamten Kabel an, sodass diese sich auch am anderen Ende quasi im selben Moment in Bewegung setzen.

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    4. Schon die alten Griechen kannten ihn

    Ungefähr um 550 vor Christus rieb der griechische Naturphilosoph Thales von Milet wohl an einem Bernstein – und entdeckte dabei, dass dieser elektrostatisch aufgeladen wird. Vom griechischen Ausdruck für Bernstein, „elektron“, stammt daher der Name für das zum Beginn der Neuzeit um 1600 neu entdeckte Phänomen: Elektrizität.

    5. Er fließt nicht nur in eine Richtung

    Fast alle elektrischen Geräte im Haushalt arbeiten mit Wechselstrom. Der fließt – anders als Gleichstrom – nicht nur in eine Richtung, sondern wechselt ständig seinen Verlauf. In Europa tut er dies 50-mal in der Sekunde, die sogenannte Netzfrequenz beträgt also 50 Hertz. Wechselstrom hat den Vorteil, dass sich damit elektrische Energie über längere Strecken ohne große Verluste übertragen lässt. Von den englischen Bezeichnungen für Wechselspannung („alternating current“ oder AC) und Gleichspannung („direct current“ oder DC) hat übrigens die australische Rockband AC/DC ihren Namen abgeleitet.

    6. Er fällt immer seltener aus

    Die Stromversorgung in Deutschland wird immer zuverlässiger. Das lässt sich unter anderem daran ablesen, dass sich die durchschnittliche Zeit, die ein Verbraucher pro Jahr ohne Strom blieb, zwischen 2006 und 2019 fast halbiert hat: Während 2006 im Bundesdurchschnitt noch für rund 22 Minuten im Jahr die Lichter ungewollt ausgingen, waren es 13 Jahre später nur noch zwölf Minuten jährlich. Stromausfälle werden also immer seltener – und sind immer schneller wieder behoben, wenn sie doch mal vorkommen.

    7. Die Industrie bezieht am meisten davon

    Wer bezieht in Deutschland eigentlich den meisten Strom? Auf diese Frage hat die Statistik eine eindeutige Antwort: mit Abstand die Industrie. So landeten 2019 exakt 45,7 Prozent der bundesweit verbrauchten elektrischen Energie in den Maschinen von Industriebetrieben, von Robotern bis zu Lichtbogen-Hochöfen. Auf Platz zwei folgen mit 27,4 Prozent andere Unternehmen aus den Bereichen Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Ungefähr gleichauf liegen die privaten Haushalte. Weit abgeschlagen folgt mit 2,3 Prozent der Verkehr – noch, denn im Zuge des E-Auto-Booms dürfte dieser Anteil künftig kräftig zulegen.

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    8. Öko kommt er vor allem aus dem Norden

    Deutschland liebt Ökostrom. Zwischen 2010 und 2020 hat sich hierzulande der Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung fast verdreifacht – von 16,8 Prozent auf 44,6 Prozent. Und Ökostrom legt beständig zu. Der größte Teil davon stammt aus Windkraftparks auf dem offenen Meer: Sie liefern 42 Prozent des deutschen Ökostroms, vor Photovoltaik und Biomasse mit jeweils rund einem Fünftel. Dementsprechend sind die norddeutschen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, die beide direkten Meerzugang haben, führend bei der deutschen Ökostromproduktion. Niedersachsen, das ebenfalls über eine Seeküste verfügt, landet im Bundesländervergleich immerhin auf Rang sechs.

    9. Sein Verbrauch ist weltweit ungleich verteilt

    Seit 1980 hat sich der globale Stromverbrauch mehr als verdreifacht. Laut Statistik verbraucht heute jeder Erdbewohner 2893 kWh Strom pro Jahr. Doch das ist ein Durchschnittswert: In der Realität ist der Verbrauch äußerst ungleich verteilt – je nach Wohlstand eines Landes, dem Grad der Technisierung und der Infrastruktur vor Ort. So verbrauchen US-Amerikaner pro Kopf mehr als 12.000 kWh im Jahr, während es beispielsweise im ostafrikanischen Somalia gerade mal 21 kWh sind. Deutschland rangiert mit rund 6300 kWh weltweit im oberen Drittel.

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    10. Das Internet verbraucht pro Jahr Unmengen von ihm

    Arbeiten am Computer ist energieintensiver, als man gemeinhin denkt. Eine Google-Suchanfrage verbraucht 0,3 Wattstunden. 20-mal gegoogelt, hat man in etwa so viel Energie verbraucht wie eine Energiesparlampe in einer Stunde. Der Grund: Die Datenzentren des Suchmaschinenanbieters sind zwar modern und vergleichsweise energiesparend, aber allein durch ihre Größe echte Stromfresser. Insgesamt wäre das Internet, wenn es ein eigenes Land wäre, mit jährlich 900 bis 1000 Terawattstunden der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt. Es verursacht dabei in etwa so viel CO₂-Ausstoß wie der globale Flugverkehr abseits von Corona-Zeiten.

     

    Text: Florian Sievers. Fotos: Stocksy, Shutterstock (4).

    2. März 2021

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