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Alle Infos zur Gaspreisentwicklung

Im September 2021 kostete eine Megawattstunde Erdgas im Einkauf für Gasanbieter erstmals mehr als 70 Euro. Seither sind die Beschaffungspreise für den Rohstoff im internationalen Markt explodiert: Im Juli 2022 lag der Preis für eine Megawattstunde Gas im Großhandel sogar bei fast 150 Euro. Anfang November 2022 sank der Preis auf 100 Euro, Tendenz wieder steigend. Wie wirkt sich die Gaspreisentwicklung auf dem Weltmarkt auf die Verbraucher aus? Und könnte der Gaspreis in den nächsten Jahren wieder dauerhaft sinken?

Die internationalen Preise für Erdgas werden durch verschiedene Faktoren beeinflusst und unterliegen entsprechenden Schwankungen. Zu diesen zählen etwa die Witterung, die Preisentwicklung anderer – mit Gas im Zusammenhang stehender – Rohstoffe und auch die aktuelle politische und wirtschaftliche Konjunktur. Der Preis für eine Kilowattstunde (kWh) Gas ist also nie gleich und wird zudem stark von Angebot und Nachfrage bestimmt.

Die aktuelle Gaspreisentwicklung auf dem Weltmarkt

Der Anstieg der Gaspreise auf den Weltmärkten im Herbst 2021 wurde von Experten vor allem auf eine hohe Nachfrage zurückgeführt, denn der anstehende Winter in Europa und die wirtschaftliche Erholung in anderen Regionen nach einem durch die Coronapandemie bedingten Tief sorgten für steigenden Gasverbrauch. Mit der erhöhten Nachfrage sank das Angebot an Gas, und dies trieb den Gaspreis an den Börsenmärkten dann wiederum in die Höhe.

Im Jahr 2022 sind weitere Faktoren hinzugekommen, die die Turbulenzen auf den internationalen Energiemärkten mit verursachen: So treiben der Ukrainekrieg, ausbleibende Erdgaslieferungen aus Russland und die insgesamt unsichere geopolitische Weltlage die Beschaffungspreise für Erdgas in bisher ungeahnte Höhen.

Auswirkungen der steigenden Gaspreise für die Verbraucher

Als Folge der steigenden Einkaufspreise bei der Gasbeschaffung haben viele Gasversorger in Deutschland schon Ende 2021 ihre Preise für Endkunden angehoben, einige wenige haben sogar Insolvenz angemeldet. Andere Energielieferanten haben es dagegen geschafft, die Preise über die Heizperiode 2021/2022 hinweg stabil zu halten. Dies ließ sich insbesondere auf eine umsichtige Beschaffungsstrategie dieser Gasversorger zurückführen, die stark auf langfristig angelegte Termingeschäfte gesetzt haben statt auf kurzfristige Kursschwankungen an den Energiebörsen (zur Erklärung von Termingeschäften versus Spotmarkt siehe Kasten unten).

Die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen seit dem Jahresbeginn 2022 haben dazu geführt, dass auch viele Anbieter, die verstärkt auf den Terminmarkt setzen, in diesem Herbst reagieren und die Preise für Verbraucher anpassen mussten. Dennoch kann sich die umsichtige, langfristig angelegte Beschaffungsstrategie dieser Versorger auch in der aktuellen Situation mildernd auf die Preisgestaltung niederschlagen und dabei helfen, die Auswirkungen der Gaspreisentwicklung auf die Preise für Verbraucher zu begrenzen. Generell gilt dabei: Für Verbraucher hängt der Gaspreis von zusätzlichen Faktoren ab, etwa von Netzentgelten oder von der 2021 eingeführten nationalen CO2-Steuer (mehr dazu in unserem Artikel „So setzt sich der Gaspreis zusammen“). Nicht alle davon können die Gasanbieter beeinflussen.

Bei der Gasbeschaffung an der Börse gibt es verschiedene Strategien, mit Kursschwankungen umzugehen.

Aktuelle Gaspreise: Was kostet 1 kWh?

Seit September 2022 sinken die Gaspreise wieder, sind im November mit knapp unter zwölf Cent pro kWh aber immer noch etwa doppelt so hoch wie im Oktober 2021, als 1 kWh am Spotmarkt für 6,5 Cent gehandelt wurde. Gründe für die kurzzeitige Entspannung bei der Entwicklung der Gaspreise sind laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) das milde Herbstwetter und der hohe Füllstand europäischer Gasspeicher. Der Gesamtspeicherstand in Deutschland liegt bei 98,52 Prozent, sagt die Bundesnetzagentur. Die meisten Analysten erwarten einen erneuten Anstieg der Gaspreise in den nächsten Wochen, wenn die Temperaturen sinken und die Nachfrage nach Erdgas ansteigt.

Gas wird am Großhandelsmarkt sowohl langfristig (Terminmarkt) als auch kurzfristig (Spotmarkt) gehandelt. Das Diagramm bildet die tägliche Entwicklung der Großhandelspreise für den Folgetag (Day-Ahead) sowie für den kommenden Monat (Future M+1) ab. Dargestellt sind die Preise für das deutsche Marktgebiet THE.

Wie wirkt sich die Gaspreisbremse auf die Gasrechnung aus?

Anfang November haben sich Bund und Länder angesichts der steigenden Gaspreise auf Maßnahmen zur Entlastung der Bürger geeinigt. Verbraucherinnen und Verbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen werden spätestens ab März 2023 durch die Gaspreisbremse entlastet. Gaskunden können dann voraussichtlich 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs zum verminderten Gaspreis von zwölf Cent pro Kilowattstunde beziehen. Für Wärme gilt ein Preis von 9,5 Cent. Dies liegt deutlich unter den aktuellen Marktpreisen.
Für einen sozial fairen Ausgleich sorgt die Besteuerung der Gaspreisbremse für all diejenigen, die über so viel Einkommen verfügen, dass sie auch den Solidaritätszuschlag zahlen. Da die Gaspreisbremse erst im kommenden Jahr greift und die Bürgerinnen und Bürger schneller entlastet werden sollen, wird es eine Soforthilfe noch in diesem Jahr geben: Der Bund übernimmt die Abschlagszahlungen für Gas und Fernwärme im Dezember. Wie die Soforthilfe berechnet wird und wie die Entlastung bei den Verbrauchern ankommt, wird an dieser Stelle erklärt.

Wie lautet die Prognose zur Gaspreisentwicklung in den nächsten Jahren?

Zur Gaspreisentwicklung in den nächsten Jahren lassen sich zwar keine verbindlichen Aussagen treffen; allerdings entwickeln die Energiemarktexperten verschiedene Prognosen für die Zukunft. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert in ihrem aktuellen Gasmarktbericht, dass der Preis für eine Megawattstunde (MWh) Erdgas auf absehbare Zeit weiterhin bei durchschnittlich 80 Euro verharren könnte. Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen halten viele Energiehändler die Prognose der IEA sogar noch für optimistisch: Die Händler am Handelspunkt TTF beispielsweise gehen davon aus, dass die Gaspreise am Erdgas-Spotmarkt EEX zukünftig im Schnitt bei etwa 90 Euro pro MWh notieren werden, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Bei ungünstiger Entwicklung der politischen Lage könnten die Gaspreise auch noch weiter steigen. Eine Entspannung prognostizieren die Experten derzeit für das Jahr 2025.

Verbraucher haben verschiedene Möglichkeiten, sich gegen die Auswirkungen der gestiegenen Erdgaspreise zu wappnen. Die Reduzierung des eigenen Gasverbrauchs hilft nicht nur dabei, Kosten zu sparen, sondern auch, einer möglichen Gasmangellage in diesem Winter vorzubeugen. Viele Tipps dazu finden Sie in unserem Ratgeber „Übersicht: Energiesparen zu Hause, im Büro und unterwegs“. Wer selbst Eigentümer einer Immobilie ist, sollte zudem über einen Heizungstausch nachdenken, um sich, beispielsweise mit einer Wärmepumpe, langfristig unabhängig von fossilen Brennstoffen und deren steigenden Preisen zu machen. In städtischen Ballungsgebieten ist auch Fernwärme, sofern sie klimaschonend erzeugt wird, eine lohnenswerte Alternative zur Gas- oder Ölheizung.
 

Termin- und Spotmarkt: Gasbeschaffung an den Energiebörsen

Da es in Deutschland nur geringe Gasvorkommen gibt, fördern die meisten hiesigen Energielieferanten nicht selbst Erdgas, sondern kaufen die für ihre Kunden benötigten Gasmengen ein. Dies kann entweder direkt beim Erzeuger erfolgen oder über Börsen wie die „European Energy Exchange“ (EEX) in Leipzig. Bei der Gasbeschaffung an der Börse können Gasanbieter am Termin- (Langfristmarkt) oder Spotmarkt (Kurzfristmarkt) handeln.

Auf dem Terminmarkt werden längerfristige Geschäfte getätigt. Der Kauf und der Verkauf von Energiemengen wird hier für einen festen Termin in der Zukunft verhandelt, sodass Menge, Preis und Fälligkeit im Vorhinein feststehen. Dies ist von Vorteil, wenn der Gaspreis an der Börse zwischenzeitlich steigt: In diesem Fall profitiert der Einkäufer, also der Gasanbieter, von dem zuvor festgelegten niedrigeren Preis. Fällt der Börsenpreis hingegen nach dem Kauf, kann sich die festgelegte langfristige Bindung an Menge und Preis als Nachteil erweisen.

Der Spotmarkt deckt demgegenüber kurzfristige Geschäfte ab. Die hier erworbenen Gasmengen werden in der Regel direkt, das heißt am Tag des Handelsabschlusses oder am Folgetag, geliefert. Auf diese Weise können die Einkäufer kurzfristige Kursschwankungen nutzen, um niedrige Preise zu erzielen. Allerdings können sie nicht von einem zuvor festgelegten Einkaufspreis profitieren, wenn der Börsenpreis über einen längeren Zeitraum hinweg steigt. Der Spotmarkt kann also besonders attraktiv wirken, birgt aber auch Risiken für die Akteure.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die langfristige, auf Stabilität ausgerichtete Beschaffungsstrategie von Gasversorgern wie enercity als Vorteil erwiesen. Als sich die Preise an den Energiebörsen über einen längeren Zeitraum hinweg erhöhten, mussten Gasanbieter, die vor allem über den Spotmarkt Gasmengen beschafften, deutlich höhere Preise zahlen als ursprünglich gedacht. Für kleine Gaslieferanten und Start-ups, die in dieser Situation auch nicht auf vorrätige Mengen in eigenen Erdgasspeichern zurückgreifen konnten, wurde dies zur Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz. Gasversorger mit einer langfristigen Beschaffungsstrategie konnten die Preise hingegen länger stabil halten.
 

Artikel vom 01.10.2021, zuletzt aktualisiert am 24.11.2022.

24. November 2022
Heizen

Text: Lea Weitekamp. Fotos: Getty Images, Shutterstock, Westend61.

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