Übersicht
    Gruener-heizen_Asset-01
    Wissenswert

    Gaspreise: So wirkt sich die Entwicklung an den Weltmärkten für Verbraucher aus

    Die Großhandelspreise für Erdgas sind in den vergangenen Monaten enorm gestiegen. Wie stark sich das auf die Preise für Verbraucher auswirkt, hängt auch von der Beschaffungsstrategie der Energieversorger ab.

    Schon am Beginn der Heizperiode 2021/2022 in Europa standen die Großhandelspreise für Erdgas auf einem Hoch: Mitte September 2021 kostete eine Megawattstunde Erdgas im Einkauf für Gasanbieter erstmals mehr als 70 Euro.

    Seither sind die Beschaffungspreise für den Rohstoff im internationalen Markt explodiert. Im Juli 2022 liegt der Preis für eine Megawattstunde Gas im Großhandel bei fast 150 Euro und hat sich damit seit September 2021 noch einmal mehr als verdoppelt.

    Der Gaspreis hängt von verschiedenen Faktoren ab

    Die internationalen Preise für Erdgas werden durch verschiedene Faktoren beeinflusst und unterliegen entsprechenden Schwankungen. Zu diesen zählen etwa die Witterung, die Preisentwicklung anderer, mit Gas im Zusammenhang stehenden Rohstoffe und auch die aktuelle politische und wirtschaftliche Konjunktur.

    gasleitung-so-setzt-sich-der-gaspreis-zusammen
    Die weltweite Nachfrage nach Gas ist hoch. Entsprechend hohe Preise müssen Gasanbieter für die Beschaffung des Rohstoffs zahlen.

    Der Anstieg der Gaspreise auf den Weltmärkten im Herbst 2021 wurde von Experten vor allem auf die hohe Nachfrage zurückgeführt, denn nicht nur der anstehende Winter in Europa, sondern auch die wirtschaftliche Erholung in anderen Regionen nach einem durch die Coronapandemie bedingten Tief sorgten für steigenden Gasverbrauch. Mit der erhöhten Nachfrage sank das Angebot an Gas und dies trieb den Gaspreis an den Börsenmärkten dann wiederum in die Höhe.

    Im Jahr 2022 sind weitere Faktoren hinzugekommen, die die Turbulenzen auf den internationalen Energiemärkten mit verursachen: So treiben der Ukraine-Krieg, ausbleibende Erdgaslieferungen aus Russland und die insgesamt unsichere geopolitische Weltlage die Beschaffungspreise für Erdgas in bisher ungeahnte Höhen.

    Als Folge der steigenden Einkaufspreise bei der Gasbeschaffung haben viele Gasversorger in Deutschland schon Ende 2021 ihre Preise für Endkunden angehoben, einige wenige haben sogar Insolvenz angemeldet. Andere Energielieferanten haben es dagegen geschafft, die Preise über die Heizperiode 2021/2022 hinweg stabil zu halten. Dies ließ sich insbesondere auf eine umsichtige und auf langfristige Planung ausgelegte Beschaffungsstrategie dieser Gasversorger zurückführen.

    Generell gilt dabei: Für Verbraucher hängt der Gaspreis von zusätzlichen Faktoren ab, etwa Netzentgelten oder der 2021 eingeführten nationalen CO2-Steuer (mehr dazu in unserem Artikel „So setzt sich der Gaspreis zusammen“). Nicht alle davon können die Gasanbieter beeinflussen.

    Erdgas: So funktioniert die Beschaffung an der Börse

    Da es in Deutschland nur geringe Gasvorkommen gibt, fördern die meisten hiesigen Energielieferanten nicht selbst Erdgas, sondern kaufen die für ihre Kunden benötigten Gasmengen ein. Dies kann entweder direkt beim Erzeuger erfolgen oder über Börsen wie die „European Energy Exchange“ (EEX) in Leipzig. Bei der Gasbeschaffung an der Börse können Gasanbieter am Spot-  (Kurzfristmarkt) oder Terminmarkt (Langfristmarkt) handeln.

    Auf dem Terminmarkt werden längerfristige Geschäfte getätigt. Der Kauf und Verkauf von Energiemengen wird hier für einen festen Termin in der Zukunft verhandelt, so dass Menge, Preis und Fälligkeit im Vorhinein feststehen. Dies ist von Vorteil, wenn der Gaspreis an der Börse zwischenzeitlich steigt: In diesem Fall profitiert der Einkäufer, also der Gasanbieter, von dem zuvor festgelegten, niedrigeren Preis. Fällt der Börsenpreis hingegen nach dem Kauf, kann sich die festgelegte, langfristige Bindung an Menge und Preis als Nachteil erweisen.

    Der Spotmarkt deckt demgegenüber kurzfristige Geschäfte ab. Die hier erworbenen Gasmengen werden in der Regel direkt, das heißt am Tag des Handelsabschlusses oder am Folgetag, geliefert. Auf diese Weise können die Einkäufer kurzfristige Kursschwankungen nutzen, um niedrige Preise zu erzielen. So kann es sein, dass ein Gasanbieter auch mal deutlich günstigere Gastarife anbieten kann als ein anderer Anbieter, der eher am Terminmarkt Gasmengen beschafft. Gasanbieter, die am Spotmarkt einkaufen, können allerdings nicht von einem zuvor festgelegten Einkaufspreis profitieren, wenn der Börsenpreis über einen längeren Zeitraum hinweg steigt. Der Spotmarkt kann also besonders attraktiv wirken, birgt aber auch hohe Risiken für die Akteure.

    Getty-Images-Creative-RF-2.1147330251-HighRes
    Bei der Gasbeschaffung an der Börse gibt es verschiedene Strategien, mit Kursschwankungen umzugehen.

    Langfristige Stabilität versus kurzfristige Preisvorteile

    Dem Preis-Hoch an der Börse ging ein sehr langer Zeitraum voraus, in dem die Preiskurven für Erdgas eher nach unten zeigten. In dieser Zeit boten Geschäfte auf dem Spotmarkt eine attraktive Möglichkeit, kurzfristige Rabatte im Einkauf zu erzielen. Viele Gasversorger haben in dieser Zeit ihre Beschaffungsstrategie vom Termin- auf den Spotmarkt umgestellt, um preisliche Vorteile für sich und ihre Kunden herauszuholen. Dies funktionierte allerdings nur so lange, wie der Börsenpreis stagnierte oder sogar sank: Als er sich über einen längeren Zeitraum hinweg erhöhte, mussten die Gasanbieter, die über den Spotmarkt Gasmengen beschafften, höhere Preise zahlen als ursprünglich gedacht.

    Auch einige junge Gasanbieter und Start-ups, die neue, an die börsliche Entwicklung der Gaspreise gekoppelte Kundentarife entwickelt hatten, bekamen die veränderte Marktsituation negativ zu spüren. Für kleine Gaslieferanten, die in dieser Situation auch nicht auf vorrätige Mengen in eigenen Erdgasspeichern zurückgreifen konnten, wurde dies zur Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz.

    Gasversorger mit einer auf Stabilität ausgerichteten Beschaffungsstrategie, die stärker auf den Terminmarkt setzt, mussten die am Spotmarkt gestiegenen Preise hingegen nicht oder nur in deutlich geringerem Maße an die Endkunden weitergeben. Auf diese Weise hat es auch enercity geschafft, die Preise durch den Winter 2021/2022 hindurch stabil zu halten.

    Vorteile für Verbraucher durch konservative Beschaffungsstrategie des Gasanbieters

    sparschwein-alte-heizung-tauschen
    Die Energiepreise steigen überall. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Beschaffungsstrategie der Energieversorger.

    Die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen seit dem Jahresbeginn 2022 haben dazu geführt, dass auch viele Anbieter, die verstärkt auf den Terminmarkt setzen, in diesem Herbst reagieren und die Preise für Verbraucher anpassen müssen.

    Dennoch kann sich die umsichtige, langfristig angelegte Beschaffungsstrategie dieser Versorger auch in der aktuellen Situation mildernd auf die Preisgestaltung auswirken und dabei helfen, die Auswirkungen der Gaspreisentwicklung auf die Preise für Verbraucher zu begrenzen.

    Text: Lea Weitekamp. Fotos: Getty Images (3), Shutterstock, Westend61.

    1. Oktober 2021
    Heizen

    Verwandte Artikel

    Diese Themen könnten Sie auch interessieren.

    Zukunft-Waerme_Asset-01
    Wärmewende

    Zeit für eine neue Heizung!

    Deutschlands Heizungen sind veraltet, CO2-Schleudern und teuer im Verbrauch. Mit einer Modernisierung sparen Verbraucher viele tausend Euro und schonen die Umwelt.

    Heizen
    Grüne Wärme
    Klimaschutz

    Newsletter abonnieren

    Sie möchten regelmäßig über innovative Technologien und spannende Fakten rund um die Themen Energie und Klimaschutz informiert werden? Dann abonnieren Sie den Newsletter unseres Energiemagazins #positiveenergie!

    Jetzt anmelden

    Sie haben Fragen, Lob oder Kritik?

    Schreiben Sie uns!
    E-Mail an die Redaktion