Klimaschutz

    Müll trennen – so geht’s richtig!

    Braune, grüne, gelbe, blaue, schwarze Tonnen – die Deutschen sind Weltmeister beim Mülltrennen. Aber wie trennt man richtig? Welche Sorten von Müll gibt es? Und was bringt Mülltrennung überhaupt? Hier erfahren Sie es.
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    Farbvielfalt: In Deutschland gibt es braune, gelbe, blaue und mancherorts auch grüne Tonnen.

    Die Zeiten, da Mülltonnen durchgängig grau waren, sind hierzulande lange vorbei. Stattdessen stehen heute hinter Wohnhäusern oder in Müllkellern Blaue Tonnen für Papier und Gelbe Tonnen für Verpackungen. Biomüll kommt in die Braune, mancherorts auch in die Grüne Tonne. Und alles, was übrig bleibt, landet in der Schwarzen Tonne. Die Farbvielfalt kann verwirren; korrektes Mülltrennen erfordert darum etwas Übung. Aber bringt die Mühe überhaupt etwas?

    Um es kurz zu machen: Ja, richtige Mülltrennung lohnt sich tatsächlich. Denn die „stoffliche Wiederverwertung“, also das Recycling von Materialien zu neuen Produkten, schont die Umwelt und das Klima. So spart beispielsweise jede Tonne Recyclingplastik im Vergleich zu Plastik aus Erdöl eine Tonne CO2 ein.

    Und während die Papierproduktion viel Holz, Wasser und Energie verbraucht, schont Altpapier die Wälder und andere Ressourcen wie Wasser. Außerdem sorgen Sortieren, Trennen, Wiederverwenden und Recyceln natürlich dafür, dass der Müllberg kleiner wird. Und das ist dringend nötig. Schließlich produzierte 2019 jeder Deutsche im Schnitt 457 Kilogramm Abfälle.

    Wiederverwertung lohnt sich

    Die gute Nachricht: Immerhin 60 Prozent unseres Mülls werden in irgendeiner Form verwertet. Das kann sich für die Entsorger lohnen. So ließ sich zum Beispiel mit sortenreinem Polyethylen von Shampooflaschen auf dem Weltmarkt zeitweise etwa 200 Euro pro Tonne erzielen. Das Recycling von Aluminium wiederum spart die enormen Energiemengen, die sonst bei der Herstellung notwendig werden. Schon allein deshalb ist Mülltrennung wirtschaftlich.

    Um an die wertvollen Rohstoffe im Müll zu gelangen, betreiben die deutschen Abfallwirtschaftsbetriebe inzwischen oft hochmoderne Anlagen. Diese sortieren den Müll automatisiert durch Infrarotsensoren, Magnete oder Siebe. Am Ende bleibt nur ein kleiner Haufen Restmüll übrig. Allerdings sind die Sortieranlagen nur dann wirklich effektiv, wenn die Konsumenten den Müll zuvor schon richtig getrennt haben. Damit die Müllkreisläufe funktionieren, ist richtiges Sammeln, Trennen und Sortieren also wichtig.

    Fünf Kategorien

    Hausmüll, einmal abgesehen von Sperr- und Sondermüll, lässt sich in fünf Kategorien einteilen: Wertstoffe, Papier, Glas, Biomüll und Restmüll. Was gehört in welche Kategorie? Und wie trennen Sie Ihren Müll richtig?

    Wertstoffe

    Wertstoffe sammeln Sie in der Gelben Tonne oder dem Gelben Sack. Dazu gehören alle Leichtverpackungen aus Kunststoff, Aluminium oder Weißblech sowie Verbundmaterialien – ganz gleich, ob darauf der „Grüne Punkt“ prangt oder nicht. Auch Coffee-to-go-Becher oder Styroporschalen vom Essenslieferservice sind Wertstoffe. Immerhin 40 Prozent der Wertstoffe, die im Gelben Sack landen, werden recycelt.

    Ihre Leichtverpackungen sollten Sie nicht extra spülen, bevor diese in der Tonne landen. Das verbraucht nur unnötig Wasser, denn in den Recyclinganlagen werden die Wertstoffe ohnehin heiß gewaschen. Allerdings sollten alle Verpackungen löffelrein sein, also frei von groben Essensresten. Vermeiden Sie es, mehrere Verpackungen ineinanderzustapeln oder diese noch mit anderen Verpackungen zu füllen. Beides können die Sortiermaschinen nicht bearbeiten. Aus demselben Grund sollten Sie beispielsweise auch Aludeckel von Joghurtbechern abtrennen.

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    Wertvoll: gehäckseltes Altplastik, aus dem hochwertiges Plastik-Rezyklat hergestellt werden kann.

    Kunststoff oder Plastik ist der Problemfall unter den Wertstoffen. Jahr für Jahr verbrauchen wir mehr davon. Inzwischen sind es laut dem aktuellen Plastikatlas des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) pro Kopf rund 38 Kilogramm jährlich. Weniger als ein Fünftel des gesammelten Kunststoffs wird dabei stofflich verwertet, also in neuen Kunststoffprodukten verwendet. Der Rest wird verbrannt oder exportiert.

    Wer seinen Plastikverbrauch reduzieren möchte, findet in unserem Artikel „Plastik vermeiden: Sechs Tipps für den Alltag“ wertvolle Hinweise dazu.

    Papier

    Zeitungen, Zeitschriften, Schreibpapier, Verpackungen aus Pappe oder Geschenkpapier gehören in die Blaue Papiertonne. Aber was ist mit Tetra Paks oder beschichteten Kartons von Tiefkühlgerichten? Die Faustregel dazu ist simpel: Nur was sich leicht durchreißen lässt, darf in die Blaue Tonne, der Rest gehört zu den Wertstoffen. Tabu sind im Papiermüll außerdem Fax- und Thermodruckerpapiere wie etwa Kassenbons oder Fahrkarten, außerdem imprägnierte und beschichtete Papiere wie Käsepapier sowie Tapetenreste, gebrauchte Taschentücher oder mit Essensresten verschmierte Pizzakartons. Korrekt sortiertes Papier lässt sich, ebenso wie Glas, fast zu 100 Prozent wiederverwerten.

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    Etabliert: Das flächendeckende Sammelsystem für Altglas wurde in Deutschland bereits 1974 eingeführt.

    Glas

    Haben Sie auch manchmal den Eindruck, dass die Entsorger in ihren Lkw das mühsam sortierte Glas beim Entleeren der Container einfach wieder zusammenschütten? Der Eindruck entsteht, weil die Entsorgungsfahrzeuge separate Kammern für die verschiedenfarbigen Gläser haben, die von außen nicht zu erkennen sind. In Wahrheit sind die Entsorger bei Glas besonders sorgfältig. Denn schon eine einzige farbige Flasche kann 500 Kilogramm Weißglas verfärben. Braunes Glas ist ebenfalls recht empfindlich. Grünglas dagegen verträgt Verunreinigungen. Darum gehört blaues, gelbes oder andersfarbiges Glas auch in die Sammelbehälter für grünes Glas. Deckel aus Metall oder Kunststoff sollten Sie besser gesondert in der Gelben Tonne entsorgen. Nicht ins Altglas gehören zudem Trinkgläser, Spiegel, Fensterglas oder Porzellan.

    Restmüll

    Wenn Sie Ihren Müll sorgfältig sortieren, bleibt am Ende nicht mehr viel übrig. In die Restmülltonne gehören beispielsweise verschmutzte Papiere, Hygieneartikel und Windeln, außerdem Staubsaugerbeutel, Asche, Tierkot und Streu, aber auch defekte Glühbirnen, alte Fotos oder zerbrochenes Porzellan. Wie erfolgreich die Sammelsysteme für die unterschiedlichen Müllsorten sind, lässt sich an der Menge an Restmüll aus privaten Haushalten ablesen: Sie sank in Deutschland im Laufe der vergangenen Jahrzehnte um fast die Hälfte – von 239 Kilogramm pro Kopf im Jahr 1985 auf 128 Kilogramm pro Kopf 2018.

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    Natürlich: Über ein Drittel des Hausmülls besteht aus organischen Abfällen. Daraus kann beispielsweise Biogas gewonnen werden.

    Klimaneutrale Energie

    Restmüll wird hierzulande inzwischen ebenso verbrannt wie all jene Stoffe, die am Ende des langen Sortierprozesses übrig bleiben. So kommt Plastikmüll beispielsweise häufig auch als Ersatzbrennstoff in der Zementproduktion zum Einsatz. Der weitaus größte Teil landet in Müllverbrennungsanlagen. Abfallverbrennung hat Vor- und Nachteile. Zwar entstehen dabei Schadstoffe, die aufwendig in Filtern aufgefangen werden müssen. Zugleich aber produziert das „thermische Recycling“ Energie, die sich nahezu klimaneutral nutzen lässt.

    So entstehen etwa bei der thermischen Abfallverwertung in Hannover-Lahe bis zu 300.000 Megawattstunden Wärme pro Jahr, die enercity den Fernwärmekunden in Hannover zur Verfügung stellt. Die nachhaltige Wärme aus Müll verdrängt den Einsatz von Kohle und spart damit jährlich bis zu 45.000 Tonnen CO₂ ein.

    Das Biomasseheizwerk, das enercity bis 2025 in Hannover-Stöcken errichten wird, setzt auf die thermische Verwertung industrieller Produktionsreste wie Altholz und wird dabei jährlich sogar rund 415.000 Megawattstunden Wärme erzeugen – für industrielle Abnehmer wie das VW-Werk in Stöcken sowie für die Fernwärmeversorgung in Hannover.

    Text: Redaktion #positiveenergie. Fotos: Getty Images, picture alliance/Volker Rauch/ Shotshop, Shutterstock (4).

    19. April 2021

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