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    Interview mit Kristina Scharmacher-Schreiber
    Auf ein Wort

    „Kinder freuen sich, wenn man sie ernst nimmt“

    Kristina Scharmacher-Schreiber verfasst Bücher für Kinder über Themen, die es in sich haben – etwa über den Klimawandel.

    Sie haben Germanistik studiert, für Zeitungen geschrieben und an Opernhäusern gearbeitet, heute sind Sie erfolgreiche Kinderbuchautorin. Wie kam es dazu?

    Kristina Scharmacher-Schreiber: Durch eine glückliche Fügung. Ich war als Dramaturgin bei einer Ballettkompanie angestellt, befand mich in Elternzeit und wurde von einem Verlag als Fachberaterin für ein Kinderbuch über Ballett angefragt. Da habe ich bemerkt, wie spannend ich es finde, Themen für Kinder aufzubereiten, und habe das Buch letztendlich direkt selbst geschrieben. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag hat so gut funktioniert, dass immer mehr Schreibaufträge hinzu- kamen. Ich bin dann nach der Elternzeit nicht mehr ans Theater zurückgekehrt und habe mich als Autorin selbstständig gemacht.

    Wie fangen Sie bei einem Kinderbuch an?

    Am Anfang steht immer die Recherche. Ich ziehe mich in mein stilles Kämmerlein zurück und lese, lese, lese. Außerdem spreche ich mit Kindern über das Thema. Ich versuche, herauszufinden, was sie schon wissen. Was sie daran besonders interessiert. Und dann ist natürlich der Austausch mit dem Verlag wichtig: Für welche Altersgruppe ist das Thema interessant? Wie umfangreich soll das Buch werden? Wie groß der Anteil der Illustrationen?  All diese Fragen werden vor dem eigentlichen Schreibprozess geklärt. Ein zu komplexes Thema ist mir bisher tatsächlich noch nicht begegnet. Wichtiger als ihre Komplexität ist, ob Themen für Kinder relevant sind.

    Ihr Kinderbuch über den Klimawandel wurde als bestes Wissenschaftsbuch des Jahres in Österreich ausgezeichnet. Wie bereitet man Informationen kindgerecht und gleichzeitig unterhaltend auf?

    Das Buch richtet sich ja an recht junge Kinder im Grundschulalter, deshalb war es wichtig, die Texte so kurz und einfach wie möglich zu halten, um die Lesenden nicht zu überfordern. Das hat auch bei diesem so anspruchsvollen Thema sehr gut funktioniert, da wir neben den Texten die Illustrationen genutzt haben, um Informationen zu vermitteln. Die Illustrationen tun aber nicht nur das – sie sehen auch noch schön, bunt und kindgerecht aus. Außerdem gibt es immer wieder humorvolle Comicelemente und Situationen aus dem Alltag zu sehen, die Kinder wiedererkennen. So bleiben die Themen nicht abstrakt, sondern können mit den eigenen Erfahrungen verknüpft werden.

    Auszeichnung Kristina Scharmacher-Schreiber
    Für ihr Kinderbuch über den Klimawandel hat Kristina Scharmacher-Schreiber zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Unter anderem wurde sie mit dem den Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher 2020 der Landesregierung NRW geehrt.

    Sind Ihre Kinderbücher versteckt auch Erwachsenenbücher?

    Ich denke beim Schreiben tatsächlich nur an die Kinder, aber letztlich bieten Kindersachbücher auch Erwachsenen einen guten Überblick. In „Wie viel wärmer ist 1 Grad?“ habe ich versucht, sämtliche Aspekte und Zusammenhänge des Klimawandels aufzuzeigen, und von vielen Erwachsenen die Rückmeldung erhalten, dass auch sie durch das Buch einiges gelernt oder besser verstanden haben.

    Sind Kinder die kritischeren Leser?

    Sie sind vielleicht nicht kritischer, aber sicherlich sehr ehrlich. Kinder scheuen sich nicht, Kritik oder Unverständnis zu äußern. Tatsächlich ist mir das bisher aber noch nicht passiert. Gerade bei Umweltthemen sind Kinder wahnsinnig interessiert und engagiert und freuen sich, wenn man sie ernst nimmt und ihnen auch komplexere Themen zumutet.

    Sie haben ein neues Buch über die Frage „Was ist Zuhause?“ geschrieben. Was ist denn das Zuhause im Angesicht des Klimawandels und der Energiewende?

    Mit dem Begriff Zuhause verbindet jeder Mensch etwas anderes. Und so lebt mein neues Buch von einer großen Themenvielfalt. Auch Begriffe wie Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit finden wieder ihren Platz. Die Art, wie wir in unseren Wohnungen leben oder wie wir unsere Häuser und Städte bauen, wirkt sich stark auf die Umwelt aus. Welche Materialien verwenden wir? Wie viel Platz brauchen wir? Welche Energiequellen nutzen wir? Mit der Gestaltung unserer Häuser und unseres Umfeldes können wir viel zum Schutz unseres gemeinsamen Zuhauses, der Erde, beitragen.

    Welchen Tipp geben Sie uns allen mit?

    Den Ernst der Lage zu erkennen und so schnell wie möglich zu handeln.

    Kristina Scharmacher-Schreiber/Stephanie Marian: „Wie viel wärmer ist 1 Grad?“ (Beltz Verlag, 16,95 Euro). Kristina Scharmacher-Schreiber/Lena Hesse: „Was ist Zuhause? Vom Wohnen, Leben, Weggehen und Ankommen“ (Beltz Verlag, 15 Euro).

    17. Mai 2022
    Erneuerbare Energien
    Klimaschutz

    Text: Dirk Kirchberg. Fotos: Privat.

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