Gasversorgung

    Von L- auf H-Gas: Das steckt hinter der Gasumstellung

    Der Westen und der Nordwesten Deutschlands rüsten bei der Erdgasversorgung um: Im Zuge der Gasumstellung, in der Energiebranche auch Marktraumumstellung genannt, werden schrittweise alle an die öffentliche Gasversorgung angeschlossenen Gasgeräte erst erfasst und anschließend von L-Gas auf H-Gas mit höherem Brennwert angepasst. Lesen Sie hier, warum das notwendig ist – und wie die Umstellung im Einzelnen abläuft.

    Gasthermen und Gasdurchlauferhitzer, Gasheizkessel und Gaskamine, Gasöfen und Gasherde bereiten vielen Menschen in Deutschland zuverlässig Warmwasser, heizen ihr Zuhause und sorgen für warmes Essen auf dem Tisch. Doch nicht überall strömt hierzulande dasselbe Erdgas durch die Leitungen. Noch ist Deutschland bei der Gasversorgung zweigeteilt: Der Westen und der Nordwesten Deutschlands – ungefähr ein Viertel der deutschen Haushalte – werden mit L-Gas versorgt, alle anderen Regionen des Landes mit H-Gas. Daher gibt es in Deutschland zwei Gasnetze, die getrennt voneinander arbeiten.

    L-Gas und H-Gas: Was ist der Unterschied?

    L-Gas steht für „Low calorific gas“, also für Gas mit einem geringeren Brennwert; H-Gas dagegen bedeutet „High calorific gas“, also Gas mit hohem Brennwert. L-Gas stammt hauptsächlich aus den Niederlanden sowie aus regionalen Quellen, H-Gas wiederum überwiegend aus Norwegen, Russland und Großbritannien.

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    Bei der Umstellung auf das zukunftssichere H-Gas müssen alle Geräte, die an die öffentliche Gasversorgung angeschlossen sind, angepasst werden.

    Warum ist die Umstellung notwendig?

    Die Fördermenge von L-Gas aus den Niederlanden und Deutschland sinkt bereits stark. Berechnungen zufolge werden diese L-Gas-Vorkommen schon in absehbarer Zukunft erschöpft sein. Daher stellen alle bundesdeutschen Betreiber, die ihre Kunden derzeit noch mit L-Gas versorgen, ihre L-Gas-Netze auf das zukunftssichere H-Gas um. Und sie passen in ihrer jeweiligen Region auch alle Geräte, die an die öffentliche Gasversorgung angeschlossen sind, an das Gas mit dem höheren Brennwert an.

    Wann und wo findet die Gasumstellung statt?

    Die Gasumstellung ist bereits 2015 angelaufen und wird voraussichtlich bis 2030 alle Netze im Nordwesten und Westen Deutschlands erreicht haben. Schritt für Schritt werden die Netze in den Bundesländern Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Hessen umgestellt.

    Auskunft darüber, ob und wann die eigene Region an der Reihe ist, geben auf Wunsch die örtlichen Gasnetzbetreiber. Sollte eine Umstellung erforderlich sein, melden diese sich aber auch von sich aus mit genügend zeitlichem Vorlauf bei den Kunden. Eine Übersicht über die betroffenen Regionen und den voraussichtlichen Zeitplan bietet auch diese Karte der Bundesnetzagentur zur Gasumstellung.

    Welche Gasgeräte werden umgestellt?

    Umgerüstet werden müssen alle Gasgeräte, die direkt an die öffentliche Gasversorgung angeschlossen sind. Dazu kann die Gastherme im Badezimmer der privaten Wohnung ebenso gehören wie eine Industrieanlage, die mit Gas betrieben wird. In privaten Haushalten betrifft das zum Beispiel:

    • Heizkessel
    • Durchlauferhitzer
    • Gasherde
    • Gasöfen
    • Gaskamine

     

    Erdgasautos müssen nicht umgerüstet werden.

    Wie läuft die Umstellung beim Kunden ab?

    In einem ersten Schritt werden alle Gasnetzkunden von ihrem Netzbetreiber schriftlich über die anstehende Umstellung informiert. Gut zwei Jahre vor der eigentlichen Umstellung erfasst ein Techniker bei den Kunden zu Hause zunächst, welche Haushaltsgeräte betroffen sind. Das dauert normalerweise etwa 30 bis 45 Minuten.

    Bei einem zweiten Vor-Ort-Termin stellt ein Techniker etwa eineinhalb Jahre später alle zuvor erfassten Gasgeräte um. Dabei werden zum Beispiel Brennerdüsen ausgetauscht und die Geräte neu justiert. Alle dafür nötigen Ersatzteile bringt der Techniker mit.

    Damit ist die Umstellung in der Regel bereits erledigt. Lediglich ungefähr zwei Prozent aller Geräte lassen sich nicht auf das neue H-Gas umstellen. Solche seltenen Fälle bespricht der jeweilige Netzbetreiber vorab gesondert mit den Kunden.

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    Ist das Gasgerät vom Techniker erfolgreich angepasst worden, erhält es zur Dokumentation einen entsprechenden Aufkleber.

    Gasumstellung: Was kostet die Kunden der Wechsel von L- auf H-Gas?

    Die gute Nachricht: Kunden, deren Gasgeräte im Zuge der Gasumstellung angepasst werden können, bekommen keine Rechnung für Arbeitsstunden der Techniker oder gegebenenfalls benötigte Austauschteile. Stattdessen werden die Kosten über die Netzentgelte auf alle Gaskunden deutschlandweit umgelegt – und machen sich damit kaum auf der einzelnen Gasabrechnung bemerkbar.

    Auch nach der Umstellung wird sich die Gasrechnung nicht automatisch verteuern. Denn abrechnungsrelevant sind nach wie vor die verbrauchten Kilowattstunden (kWh) und damit das Heiz- und Nutzungsverhalten der Verbraucher, nicht die Art des eingesetzten Erdgases. Daher dürften Kunden nach der Umstellung keinen Unterschied bemerken.

    Höchstens einen: dass sie dann wissen, bestens für die Zukunft gerüstet zu sein.

    Sie sind Gasnetzkunde der enercity Netz GmbH? Wir schreiben Sie an!

    Auch in Hannover und dem Umland steht die Gasumstellung an: Damit die enercity Netz GmbH ihre Kunden auch in Zukunft sicher mit Erdgas beliefern kann, wird der Netzbetreiber gemeinsam mit Partnerunternehmen ab September 2021 rund 260.000 Gasgeräte in seinem Versorgungsgebiet erfassen und anschließend bis Ende 2025 nach und nach an die neue Gasqualität H-Gas anpassen. Dies betrifft Langenhagen, Hannover, in der Stadt Laatzen die Ortsteile Alt-Laatzen, Laatzen-Mitte und Grasdorf, in der Stadt Hemmingen den Ortsteil Hemmingen-Westerfeld, die Stadt Ronnenberg und ihre Ortsteile Benthe und Empelde sowie die Stadt Seelze.

    Wann genau Ihre Gemeinde oder Ihr Stadtteil umgestellt wird, teilt Ihnen die enercity Netz GmbH als örtlicher Gasnetzbetreiber rechtzeitig mit. Wir schreiben Sie an und informieren Sie über jeden einzelnen Schritt – Sie müssen sich um nichts kümmern.

    Mehr Informationen

    Text: Florian Sievers. Fotos: Getty Images, enercity AG (2).

    4. Juni 2021

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