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    Infraschall von Windrädern

    Studie: Vielzitiert – und doch falsch

    Die von Windkraftgegnern oft angeführten vermeintlichen Belastungen durch Infraschall sind bei Windrädern tatsächlich weitaus schwächer als bisher angenommen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) musste ihre in diesem Zusammenhang vielzitierte Studie aus dem Jahr 2005 jetzt zurückziehen. Grund ist ein kapitaler Rechenfehler, den Forscher der Universitäten Bayreuth und Erlangen aufdeckten.

    Wenn Windkraftgegner im Laufe der vergangenen anderthalb Jahrzehnte gegen den Bau neuer Anlagen opponiert haben, führten sie meist auch vermeintliche Gesundheitsgefahren des von Windkraftanlagen ausgehenden Infraschalls als Argument gegen den Ausbau an. Diese Beschwerden, so die Windkraftwidersacher, würden von Schlaflosigkeit über Gehörschäden bis hin zum Schlaganfall reichen. Gestützt haben sie sich dabei vornehmlich auf die Ergebnisse der Studie „Der unhörbare Lärm von Windkraftanlagen“, die 2005 von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) publiziert worden war. Ihr zufolge lag der für Menschen nicht hörbare, aber dennoch mitunter als Vibration fühlbare Schall im direkten Umfeld einer Windkraftanlage bei mehr als 100 Dezibel.

    36
    Dezibel
    Um so viel zu hoch wurde in der BGR-Studie das Ausmaß des Infraschall-Hintergrundrauschens von Windkraftanlagen angegeben. Also um etwa so viel, wie sich der Lärm von einem Fernseher in Zimmerlautstärke (65 Dezibel) und der Krach einer Kreissäge (100 Dezibel) unterscheiden.

    Ausmaß der Infraschall-Belastung überschätzt

    Nun kam heraus: Die in der BGR-Studie publizierten Berechnungen stimmen nicht, das Ausmaß des Infraschall-Hintergrundrauschens wurde wegen eines Rechenfehlers der Wissenschaftler des BGR entsprechend vollkommen überschätzt. Die Bundesbehörde musste ihre Studie nun zurückziehen und sich für deren Fehlerhaftigkeit entschuldigen. Die veröffentlichten Schallwerte, so die Behörde in einer Stellungnahme, seien „um 36 Dezibel zu hoch“ gewesen. Dass es sich dabei um eine erhebliche Abweichung handelte, veranschaulichen die folgenden Zahlen: Ein Radio oder Fernseher in Zimmerlautstärke verursacht 65 Dezibel – der Krach einer Kreissäge oder ein Presslufthammer dagegen 100.

    Deutlich niedrigere Werte ermittelt

    Der Rechenfehler war zunächst Stefan Holzheu, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Universität Bayreuth, und wenig später zudem dem Erlanger Physikprofessor Martin Hundhausen aufgefallen. Ihre um den Fehler korrigierte Auswertung der BGR-Daten ergab, dass Infraschall bei Windrädern viel schwächer ist, als bisher behauptet wurde. Anders als vermutet geben Windkraftanlagen tatsächlich im Vergleich zu Autos oder Flugzeugen nur wenig Infraschall ab. Das deckt sich mit einer Erhebung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), die bereits 2020 ebenfalls deutlich niedrigere Werte ermittelt hatte.

    Was ist Infraschall?

    Infraschall ist Schall mit einer Frequenz zwischen null und 16 Hertz. Da der Gehörsinn des Menschen nur in der Lage ist, Schall zu erfassen, dessen Frequenz zwischen rund 20 und 20.000 Hertz liegt, kann das menschliche Ohr Infraschall nicht wahrnehmen. Infraschall kommt überall in der natürlichen Umgebung vor. Derart niederfrequente Wellen bilden sich zum Beispiel durch Erdbeben, Vulkaneruptionen, Meteoritenfall oder Polarlichter. Aber auch durch hohen Seegang, Wasserfälle, die Meeresbrandung, durch Gewitter oder böigen Wind kann Infraschall entstehen. Außerdem kann er durch technische Geräte künstlich erzeugt werden, etwa von Heizungs- und Klimaanlagen, Straßen- und Schienenverkehr, Flugzeugen oder Lautsprechersystemen in Diskotheken. Der Mensch ist den Umgang mit Infraschall im Alltag also gewohnt.

    8. Februar 2022
    Erneuerbare Energien
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    Text: Elena Rudolph. Fotos: Getty Images (2).

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