Erneuerbare Energien

    Grüne Wärmewende in Quickborn

    Zwei Partner, ein gemeinsames Ziel: enercity contracting und die Stadtwerke Quickborn bündeln ihre Stärken für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in der etwa 20 Kilometer nordwestlich von Hamburg gelegenen Stadt. Ein gelungenes Beispiel dafür, wie kommunale Versorger durch neue Ideen und Kooperationen die Energiewende beschleunigen können.

    Damit die Energiewende in Deutschland gelingt, muss nicht nur Strom, sondern auch Wärme zukünftig klimafreundlich erzeugt werden. Bei dieser Aufgabe kommt den lokalen Akteuren in Städten und Gemeinden eine herausragende Bedeutung zu: „Die Wärmeversorgung der Zukunft ist auf die lokalen Gegebenheiten abgestimmt“, schreibt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) in seinem Positionspapier zur Wärmewende. „Wärmeversorgungslösungen (…) binden die lokal vorhandenen Netzinfrastrukturen, Potenziale an erneuerbaren Energien und Abwärme sowie Verbraucherstrukturen bestmöglich ein.“

    Wie diese Zukunft der Wärmeversorgung konkret aussehen kann, zeigen die enercity Contracting Nord GmbH und die Stadtwerke Quickborn in der schleswig-holsteinischen Stadt seit mittlerweile vier Jahren: Gemeinsam beliefern die beiden Unternehmen mehrere Hundert Menschen vor Ort mit klimafreundlicher Fernwärme. Dafür haben die Energiepartner ihre Stärken in einer strategischen Partnerschaft gebündelt: enercity contracting produziert grüne Wärme und speist sie in das Fernwärmenetz der Stadtwerke ein. Die Quickborner übernehmen die Versorgung und Betreuung ihrer Kunden.

    Klimafreundliches Biomethan statt Erdgas

    Im Zuge der Kooperation hat enercity contracting das bestehende Blockheizkraftwerk (BHKW) von den Stadtwerken gepachtet und für den Betrieb mit klimafreundlichem Biomethan umgerüstet. Den nachhaltigen Brennstoff erzeugt die enercity-Tochter selbst, unter anderem in einer Biogasanlage in der Gemeinde Loop, rund 50 Kilometer nördlich von Quickborn. „Mit der Modernisierung haben wir die Anlage fit für die Zukunft mit erneuerbaren Energien gemacht“, sagt Sascha Brandt, Vertriebsleiter der enercity Contracting Nord GmbH. Das Unternehmen erledigt sämtliche Aufgaben rund um die Wärme- und Stromproduktion der Anlage.

    Mit der Umrüstung auf einen klimafreundlichen Brennstoff wird das Kraftwerk nun auch über das „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ (EEG) staatlich gefördert. Die EEG-Förderung trägt zum wirtschaftlichen Betrieb des sauberen Heizkraftwerks bei.

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    Im Zuge der Kooperation hat enercity contracting das bestehende Blockheizkraftwerk (BHKW) von den Stadtwerken gepachtet und für den Betrieb mit klimafreundlichem Biomethan umgerüstet. Den nachhaltigen Brennstoff erzeugt die enercity-Tochter selbst.

    Vor der Modernisierung wurde die Anlage ausschließlich mit Erdgas betrieben. Seit der Umstellung erzeugt das grüne BHKW im Quickborner Westen 1450 Kilowatt elektrische und etwa 1520 Kilowatt thermische Energie. Das Modul wird durch zwei mit Erdgas betriebene Heizkessel mit einer Leistung von je 3700 Kilowatt ergänzt. Sie dienen als Reserve und decken Verbrauchsspitzen ab.

    Grüne Wärme für 500 Kunden

    Die Stadtwerke Quickborn bringen neben ihrem Fernwärmenetz auch jahrzehntelange Betriebserfahrung in das Gemeinschaftsprojekt ein. Das Unternehmen leitet die von enercity contracting ins Netz eingespeiste Wärme an mehr als 500 Kunden weiter. Darunter sind Haushalte in der Innenstadt sowie mehrere öffentliche Einrichtungen wie eine Schule, ein Schwimmbad und das Rathaus.

    „Die Partnerschaft mit enercity contracting hat uns erheblich entlastet“, erklärt Ulrike Fölsch, Bereichsleiterin Energiewirtschaft bei den Stadtwerken Quickborn. „Wir haben jetzt einen Partner an unserer Seite, der viel Expertise im Kraftwerksbau und -betrieb mitbringt. Nach einer solchen Kooperation haben wir gesucht, um die Energiewende voranzubringen.“ Die Stadtwerke könnten sich nun voll auf den Betrieb des Fernwärmenetzes und die Kundenbetreuung und -gewinnung konzentrieren.

    Nach einer solchen Kooperation haben wir gesucht, um die Energiewende voranzubringen.

    Ulrike FölschBereichsleiterin Energiewirtschaft, Stadtwerke Quickborn

    Gemeinsame strategische Ziele

    Auch die strategische Ausrichtung der Energiepartner passt sehr gut zusammen: Beide Unternehmen streben konsequent die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung an. Der von enercity contracting vollzogene Brennstoffwechsel hin zu klimafreundlichem Biomethan sei ein wichtiger Faktor für die Entscheidung gewesen, die Kooperation einzugehen, so Fölsch. „Jetzt fließt grüne Wärme durch unser Netz.“

    Für enercity contracting ist die Zusammenarbeit ein „sehr gelungenes Beispiel dafür, wie die Energiewende durch dezentrale Lösungen und die bestmögliche Nutzung der vorhandenen Infrastruktur beschleunigt werden kann“, so Brandt. Das Fernwärmenetz der Stadtwerke Quickborn habe es erst möglich gemacht, die Stadt mit nachhaltig erzeugter Wärme zu versorgen: „Wir ergänzen uns sehr gut und arbeiten auf Augenhöhe zusammen.“

    Dezentrales Projekt mit Modellcharakter

    Mittlerweile kooperieren das enercity-contracting-Mutterunternehmen enercity und die Stadtwerke Quickborn auch beim Ausbau der öffentlichen und privaten Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität. Weitere Kooperationen sind denkbar. Brandt: „Wir loten laufend aus, wo Potenziale für eine noch tiefergehende grüne Zusammenarbeit liegen.“

    Schon jetzt zeigt die Kooperation, dass dezentrale Konzepte wie in Quickborn die Wärmewende erheblich beschleunigen können.

    „Die Zusammenarbeit ist ein sehr gelungenes Beispiel dafür, wie die Energiewende durch dezentrale Lösungen und die bestmögliche Nutzung der vorhandenen Infrastruktur beschleunigt werden kann.“

    Sascha BrandtVertriebsleiter, enercity Contracting Nord GmbH

    Dezentrale Contracting-Modelle und klimafreundliche Quartiers- und Nahwärmeprojekte bieten großes Potenzial für Städte und Gemeinden in Deutschland. Mit einem Energiepartner wie enercity können kommunale Versorger die grüne Wärmewende erheblich schneller schaffen, als wenn sie auf sich allein gestellt wären.

    „Unsere Zusammenarbeit hat Modellcharakter“, sagt Brandt. „Während manche Lösung an ihrer Größe scheitert, treten wir mit den Stadtwerken Quickborn den Nachweis an, dass ein kooperativer und maßgeschneiderter Ansatz unter Einbeziehung der bestehenden Infrastruktur viel schneller zu unserem gemeinsamen Ziel führt: der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung.“

    Text: Jens Lehmann. Fotos: Getty Images, enercity AG, Stadtwerke Quickborn (3).

    26. Januar 2021

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