Grüner Strom

Welcher Strom kommt aus meiner Steckdose?

Jeder kann Einfluss auf den Stromverbrauch und auf die Qualität der produzierten Energie nehmen. Auch wenn ein grüner Stromtarif nicht unmittelbar bedeutet, dass nur Ökostrom aus der eigenen Steckdose kommt, zeigt das Stromsee-Modell ganz deutlich den Effekt, den der Wechsel von konventionellem Strom zu Ökostrom mit sich bringt. Noch ist der See, in dem sich der Strom aller Haushalte befindet, recht grau. Aber er wird mit jedem neuen Ökostromtarif immer grüner und treibt damit die Energiewende maßgeblich voran.
1,7
Millionen
Kilometer lang ist das europaweite Stromnetz.

Oft wird die Frage diskutiert, ob Verbraucher mit einem Ökostromtarif in ihrem Zuhause wirklich zu 100 Prozent grünen Strom erhalten. Dies ist allerdings nicht direkt umsetzbar, immerhin gibt es kein eigenes, separates Stromnetz nur für erneuerbare Energien. In der Praxis beziehen alle Verbraucher ihren Strom aus derselben Quelle, dem Verbundnetz, in das alle Energieproduzenten ihren Strom einspeisen. Dabei spielt es keine Rolle, ob in der Nähe des Wohnortes durch einen Solar- oder Windpark grüner Strom produziert wird oder konventioneller Strom durch beispielsweise fossile Brennstoffe. Der Strom, der zu Hause aus der Steckdose kommt, ist immer ein Strommix aus regenerativen und konventionellen Energieträgern, die im Verbundnetz zusammenfließen. Einzige Ausnahme ist der mit einer Photovoltaikanlage selbst erzeugte Direktstrom vom eigenen Dach.

Es ist aber falsch, daraus zu schlussfolgern, dass ein Wechsel zu Ökostrom nichts bringt. Ganz im Gegenteil, wie das Stromsee-Modell zeigt.

Wie funktioniert das Stromsee-Modell?

Der sogenannte Stromsee ist natürlich kein richtiger See, sondern eine Metapher für das europäische Verbundnetz, in das Stromproduzenten die erzeugte Energie konstant einspeisen. Das ist besonders wichtig, denn bislang gibt es noch keine Möglichkeit, den Strom über längere Zeit in ausreichender Menge zu speichern. In den Stromsee fließt grüne Energie aus regenerativen Quellen wie Wasserkraft, Windkraft, Sonnenenergie oder Biomasse, aber auch grauer Strom aus fossilen Brennstoffen wie Kohle und Erdöl oder mancherorts sogar noch Strom aus Atomkraft.

Um den Stromsee grüner zu machen, muss der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben werden.

Sobald ein Verbraucher Energie aus dem Stromsee nutzt, fließt sofort neue nach. So bleibt das Niveau des Sees stets gleich, und zwar auf der Netzfrequenz 50 Hertz. Dadurch können private oder industrielle Verbraucher jederzeit die benötigte Menge Strom herausziehen, ohne dass es zu Engpässen kommt. Je mehr Verbraucher Ökostrom beziehen, desto stärker wird der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben und mehr Strom aus regenerativen Quellen erzeugt. Dieser fließt dann in den Stromsee. Der Anteil an grünem Strom steigt also und verdrängt langsam, aber sicher den umweltschädlichen Graustrom. Ein entsprechendes Energiekonzept des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz sieht vor, dass bis 2050 der Anteil von Ökostrom im Stromsee bei 80 Prozent liegt.

Wie hoch ist der Anteil der Erneuerbaren am Strommix aktuell?

Unter „Nettostrom“ versteht man die von einer Anlage produzierte elektrische Energie nach Abzug des Eigenstrombedarfs bei der Stromerzeugung.

Laut Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE erreichte der Anteil regenerativer bzw. erneuerbarer Energien im Jahr 2021 bei der Nettostromerzeugung 45,7 Prozent. Ein leichter Rückgang zum Vorjahr: 2020 hatte der Grünstrom mit 50,5 Prozent zum ersten Mal den Anteil des Graustroms übertroffen. Der Rückgang lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass der Wind 2021 weniger stark geweht hat. Dennoch ist die Windkraft mit einem Anteil von 23 Prozent nach wie vor die wichtigste Energiequelle unter den Erneuerbaren, gefolgt von der Solarenergie mit 9,9 Prozent, der Biomasse mit 8,8 Prozent und der Wasserkraft mit 4 Prozent. Forscher sehen vor allem in der Solarenergie enormes Potenzial, wie eine aktuelle Studie über den Ausbau von Solarenergie auf Dächern zeigt.

Welche Energieträger sind in meinem Strommix?

Jeder Stromanbieter ist dazu verpflichtet, jährlich genau aufzuzeigen, wie sich sein Strommix zusammensetzt. So können Verbraucher genau erkennen, welche Energieträger genutzt werden und wie grün der bezogene Stromtarif wirklich ist. Dabei wird übrigens nicht nur über die Energieart, sondern auch über die anfallenden CO₂-Emissionen und den Anteil des radioaktiven Abfalls bei Nutzung von Atomstrom informiert. enercity etwa legt diese Information der Jahresrechnung für Kundinnen und Kunden bei. Außerdem werden Informationen zum Strommix auch auf der Webseite beim jeweiligen Tarif veröffentlicht.

Gut zu wissen: Der Strommix im Stromsee und der Strommix der einzelnen Anbieter sind nicht identisch. Während die Werte aus dem Stromsee jeweils zum Ende des Verbrauchsjahres vorliegen und sich auf die gesamte Energie aller Anbieter beziehen, wird die statistische Auswertung des Strommixes der einzelnen Produzenten erst im November des Folgejahres veröffentlicht.

13. Januar 2022
Erneuerbare Energien
Klimaschutz
Ökostrom

Text: Annika Schmitz. Foto: Getty Images.

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