Nachhaltigkeit

    Wie lebt man minimalistischer?

    Laut Umweltbundesamt ist der private Konsum in Deutschland für bis zu 39 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen pro Kopf verantwortlich. Reduzieren wir unseren Konsum von Kleidung, Möbeln, Haushalts- und Elektronikgeräten, können wir unseren ökologischen Fußabdruck also erheblich verringern. Wir erklären, was hinter dem „Weniger ist mehr“-Prinzip des Minimalismus steckt, welchen Einfluss es auf die Umwelt hat, und geben Tipps, wie man das eigene Leben Schritt für Schritt minimalistischer gestalten kann.

    Ging es in den vergangenen Jahrzehnten vielen Menschen noch darum, möglichst viel zu besitzen, so ist heute weniger mehr: Konsumgüter von Autos bis hin zu Abendkleidern werden – insbesondere von Jüngeren – nur noch zeitweise gemietet. Der Lebensstil des Nichtbesitzens, so das Ergebnis einer Studie des renommierten Zukunftsinstituts, ist absoluter Trend. Minimalismus ist also angesagt. Der neue Konsumstil dient dabei nicht nur unserem eigenen Wohlbefinden in einer in vielen Bereichen noch immer von der Verschwendungskultur geprägten Zeit. Auch die Umwelt profitiert, denn wenn wir weniger konsumieren, bedeutet das zugleich, dass weniger produziert, transportiert und entsorgt werden muss.

    Wie viel der Verzicht auf neue Kleidungsstücke, Elektrogeräte, Möbel und andere Konsumgüter im Detail in Bezug auf die Minimierung von CO₂-Emissionen jedes Einzelnen bringt, lässt sich nur schwer berechnen. Verlässliche Zahlen dazu gibt es nicht. Fest steht aber: Schon der kleinste Beitrag ist wichtig. Denn wir leben, was unseren ökologischen Fußabdruck angeht, noch immer weit über unsere Verhältnisse. Einer aktuellen Statista-Studie zufolge bräuchten wir drei Erden, wenn die gesamte Weltbevölkerung so viele Ressourcen verbrauchen würde wie die deutsche Bevölkerung. Es ist also dringend geboten, dass wir in puncto Konsum ein paar Gänge runterschalten.

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    Beim minimalistischen Einrichtungsstil werden wenige, mit Bedacht ausgesuchte Möbel und Objekte gekonnt in Szene gesetzt.

    Ausmisten, aufräumen, weniger anschaffen

    Wie aber lebt man minimalistischer? Hier gibt es die unterschiedlichsten Ansätze. Die einen schlagen vor, zu Hause erst einmal richtig auszumisten und sich von all den überflüssigen Dingen zu trennen, die sich auf Fensterbänken und Tischen sowie in Regalen und Schränken befinden. Das soll für mehr Klarheit, Struktur und Entspannung sorgen – weil man so mehr Platz für das Wesentliche schafft und aufgeräumte Schränke eben auch weniger Chaos bedeuten. Zudem schafft man sich so mehr Freizeit, etwa weil man weniger putzen und aufräumen muss oder Dinge schneller findet.

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    Auch der Kleiderschrank im Kinderzimmer sollte regelmäßig ausgemistet werden. Natürlich haben die Kleinen dabei ein Mitspracherecht.

    In Phase zwei gilt es dann, künftig stets ganz genau darüber nachzudenken, ob man bestimmte Dinge wirklich benötigt – und so wenig wie möglich neu anzuschaffen. Hardcore-Minimalisten versuchen, ihren Besitz auf maximal 100 Dinge zu reduzieren. Bedenkt man, dass ein Durchschnittsdeutscher etwa 10.000 Dinge ihr oder sein Eigen nennt und was man allein in der Küche oder im Bad tatsächlich dringend benötigt, bleiben beispielsweise für die Garderobe nicht mehr allzu viele Teile übrig. Kein Wunder also, dass sich nicht jeder mit der Idee des radikalen Besitz- und Konsumverzichts anfreunden mag.

    Trotzdem geht der Konsumverzicht eindeutig in die richtige Richtung. Gerade beim Blick in den Kleiderschrank wird vielen klar, dass sie es des Öfteren mit dem Einkaufen übertrieben haben. Im statistischen Mittel bewahren wir etwa 95 Teile pro Kopf in unserem Schrank auf, von denen wir 20 Prozent so gut wie nie tragen. Hier gibt es also jede Menge CO₂-Emmission-Einsparpotenzial, das die Umwelt entlasten helfen könnte.

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    In vielen Repair Cafés gibt es Workshops für Kinder und Jugendliche. Dort lernen sie von Reparaturprofis, dass nicht alles, was kaputt ist, unweigerlich auf dem Müll landen muss.

    Leihen, tauschen, reparieren

    Der Minimalismus im Kleiderschrank ist aber längst nicht das einzige Mittel der Konsumreduzierung. Die drei weiteren wichtigen Minimalismus-Mantras lauten „leihen“, „tauschen“ und „reparieren“. Es geht also im Sinne der Sharing Economy darum, Autos, Lastenräder und Co., aber auch Gebrauchsgegenstände wie Bücher, Werkzeuge, Spielzeug oder Kleidung nicht zu kaufen, sondern nur bei Bedarf zu mieten, auszuleihen oder miteinander zu teilen. Dabei helfen spezielle Nachbarschafts-Apps wie zum Beispiel nebenan.de, über die sich immer mehr Menschen miteinander vernetzen, um untereinander Alltagsgegenstände wie Bohrmaschinen, Kreissägen oder Rasenmäher auszuleihen und so miteinander zuteilen. Das schont Ressourcen. Klimafreundlich ist es zudem, nicht immer gleich alles wegzuwerfen, was nicht mehr funktioniert, sondern es zu reparieren. Dafür gibt es mittlerweile in ganz Deutschland zahllose Repair Cafés. Zusätzlich ist Up- und Recycling gefragt: Statt teure Markenklamotten tragen Minimalisten beispielsweise Secondhandkleidung.

    Nun muss man sicherlich nicht gleich sein ganzes Leben umstellen. Fest steht trotzdem: Ein minimalistischerer Lebensstil bringt Vorteile für die Umwelt mit sich. Und ganz nebenbei freut sich auch das Bankkonto: Wer minimalistisch lebt, spart einiges an Geld, das man dann in Reisen oder andere schöne Erlebnisse investieren kann. Apropos sparen: Auch in puncto Energie ist ein sparsamer und bedachter Umgang mit den vorhandenen Ressourcen gut fürs Klima, fürs Portemonnaie – und den eigenen ökologischen Fußabdruck. Viele Energiespartipps für den Alltag gibt es hier: Die Energieberatung von enercity.

    Text: Elena Rudolph. Fotos: Shutterstock, Stocksy (2), Getty Images.

    18. August 2021

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