Wissenswert

    So setzt sich der Strompreis zusammen

    Arbeitspreis und Grundpreis, Netzentgelte, Stromsteuer und EEG-Umlage – was hat es damit auf sich? Auf Ihrer Stromrechnung sind verschiedenste Positionen aufgeführt. Ein Großteil des Strompreises entfällt auf Umlagen und Steuern. Hier erfahren Sie, wie er sich genau zusammensetzt.

    Wie viel Sie monatlich für Ihren Stromverbrauch zahlen und wie viel Ihr Nachbar oder Ihre beste Freundin, das unterscheidet sich ziemlich sicher. Das liegt neben der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen und der Wohnungsgröße auch daran, welche Geräte regelmäßig im Haushalt eingesetzt werden und wie energieeffizient diese arbeiten. Aber was genau bezahlen Sie eigentlich mit Ihrer Stromrechnung?

    Ihre Stromrechnung: Arbeitspreis und Grundpreis

    Die Summe auf Ihrer Rechnung setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: aus dem Arbeitspreis und aus dem Grundpreis. Letzterer ist – ähnlich wie die Grundgebühr bei Ihrem Handy – die Basiszahlung für Ihren Stromtarif. Damit begleichen Sie die Kosten für die Stromabrechnung, für den Stromzähler und für das Messen des Verbrauchs, die beim Stromanbieter anfallen – unabhängig davon, wie viel Strom Sie konkret verbrauchen. Die Grundgebühr ist also eine Umlage für die Ihrem Stromanbieter entstehenden Fixkosten. Der Arbeitspreis hingegen wird von der Menge des verbrauchten Stroms bestimmt: Er steigt mit jeder Kilowattstunde, die Sie beziehen. In ihm sind alle Umlagen, Steuern, Netzentgelte und die Kosten des Anbieters für den Energieeinkauf enthalten. Streng genommen können Sie also nur den Arbeitspreis durch Ihren Stromverbrauch beeinflussen.

    Das Geld für den Arbeitspreis rechnet zwar Ihr Stromanbieter ab; es geht an den Stromanbieter selbst, an den Betreiber des von ihm genutzten Stromnetzes (Netzbetreiber) und an den Staat. Lediglich der erste Teil des Preises wird dabei durch Angebot und Nachfrage im freien Wettbewerb bestimmt. Das heißt: Nur diesen Anteil können Stromanbieter selber beeinflussen und etwa senken oder anheben. Was die Netzbetreiber und der Staat bekommen, geben dagegen Gesetze wie beispielsweise das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie weitere staatliche Regelungen vor. Und diese Anteile sind weitaus höher als der Anteil, den die Stromanbieter erhalten.

    Wie_setzt_sich_der_Strompreis_zusammen_Asset-02.jpg0
    Quelle: „Strom-Report"; Daten: Netzbetreiber, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Seit 1.1.2021 fallen wieder 19 Prozent Umsatzsteuer an.

    Den größten Anteil am Strompreis bekommt der Staat

    Im Jahr 2020 zog der Staat für Steuern, Abgaben und Umlagen 52,42 Prozent des Strompreises bzw. des Arbeitspreises ein – also etwas mehr als die Hälfte. Dieser Anteil ist in den vergangenen zehn Jahren um fast 50 Prozent gestiegen. Mit dem Geld finanziert der Staat den Ausbau von erneuerbaren Energiequellen, die sogenannte Energiewende. So fördert er etwa Betreiber von Windenergieparks oder Solaranlagen.

    Eben darum fließt der größte Teil der Einnahmen, die der Staat über den Strompreis erzielt, in die „Umlage zur Förderung der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)“, die EEG-Umlage. Daneben gehört zum Staatsanteil des Strompreises unter anderem noch die Stromsteuer, die auch Ökosteuer genannt wird. Sie war 1999 ursprünglich eingeführt worden, um klimapolitische Ziele zu fördern, fließt jetzt aber zu einem großen Teil in die Rentenversicherung.

    Netzbetreiber und Stromerzeuger

    Bei den Betreibern von Stromnetzen landete 2020 rund ein Viertel des Strompreises. Genauer gesagt: 25,14 Prozent. Mit dieser Gebühr werden sie dafür vergütet, dass die verschiedenen Stromanbieter ihren Strom über Leitungen und Masten zum Verbraucher transportieren können. Die sogenannten Netzentgelte sollen die Kosten für Aufbau, Betrieb und Instandhaltung der Stromnetze decken. Ihre Höhe ist bundesweit unterschiedlich, weil die Kosten zum Betrieb von Stromnetzen je nach Region variieren. Ursächlich sind dafür zum Beispiel regional unterschiedlich hohe Netzentgelte. Im Norden der Republik müssen Netzbetreiber etwa immer häufiger in die Netzregulierung eingreifen – zum Beispiel dann, wenn zu viel Windstrom in das Stromnetz fließt. Diese Stabilitätsmaßnahmen können die Netzentgelte in die Höhe treiben.

    Nur der kleinste Bestandteil des Strompreises geht letztlich an die Stromanbieter: etwas mehr als ein Fünftel beziehungsweise 22,44 Prozent. Damit finanzieren sie ihre eigene Produktion und Verwaltung sowie die Beschaffung von zusätzlichem Strom, etwa um kurzfristige Mehrbedarfe zu decken. Hierzu handeln Energiekonzerne Strommengen auf Energiebörsen an, die auf Strom spezialisiert sind, den sogenannten Strombörsen. So gering, wie ihr Anteil am eigentlichen Strompreis ist, so eingeschränkt können Stromerzeuger diesen Preis tatsächlich auch beeinflussen: Das Gros des Strompreises wird vom Staat bestimmt.

    Die EEG-Umlage – was ist das eigentlich?

    Die staatliche „Umlage zur Förderung der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)“, besser bekannt als EEG-Umlage, ist 2000 eingeführt worden. Über sie bezahlt der Staat den Betreibern von Ökostrom-Anlagen einen auf 20 Jahre festgelegten Preis für jede eingespeiste Kilowattstunde.

    Die Produktion von Ökostrom ist meist noch teurer als die Produktion von Strom aus fossilen Energiequellen oder aus Atomkraftwerken, die in Deutschland immerhin noch bis 2022 Strom liefern. Mit der EEG-Umlage deckt der Staat die Lücke zwischen den Herstellungskosten von Ökostrom und dem Marktpreis. Über seine Stromrechnung unterstützt also jeder Verbraucher, der Ökostrom bezieht, die Energiewende in Deutschland doppelt: erstens, indem er grünen Strom bezieht, und zweitens, indem er dessen Produktion fördert.

    Text: Florian Sievers. Fotos: Shutterstock (2), Strom-Report.

    11. Januar 2021

    Verwandte Artikel

    Diese Themen könnten Sie auch interessieren.

    Lebenselixier Wasser: Wir Menschen brauchen Wasser zum Leben genauso dringend wie die Luft zum Atmen. Doch wo kommt unser Trinkwasser eigentlich her?

    Newsletter abonnieren

    Sie möchten regelmäßig über innovative Technologien und spannende Fakten rund um die Themen Energie und Klimaschutz informiert werden? Dann abonnieren Sie den Newsletter unseres Energiemagazins #positiveenergie!

    Sie haben Fragen, Lob oder Kritik?

    Schreiben Sie uns!