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Elektromobilität

Neue Fahrzeugklänge für Sicherheit im Straßenverkehr

Futuristische Klänge statt lautlosen Autos: Seit Juli 2021 müssen alle neu zugelassenen E-Autos einen Warnton abgeben, wenn sie rückwärts oder langsamer als 20 Stundenkilometer fahren. Das Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS), auf Deutsch „Fahrzeug-Warngeräusch-Generator“, passt die Lautstärke dabei automatisch der Geschwindigkeit des Fahrzeugs an. Durch die Töne sollen alle Verkehrsteilnehmer, vor allem aber Kinder und sehbehinderte Menschen besser geschützt werden. Die Sounddesigner, die die neuen E-Autoklänge entwickeln, müssen dabei einiges beachten.

Warum ist der E-Autosound so wichtig im Verkehr?

In vielen Ländern meldeten Autoversicherer in den letzten Jahren einen Anstieg der Unfallquote durch E-Autos. Laut einer Umfrage bei den drei größten Autoversicherern Dänemarks sind diese etwa 20 Prozent häufiger in Unfälle verwickelt als andere Fahrzeugtypen. Die ohne Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) kaum hörbaren Fahrzeuge beschleunigen viel schneller als Verbrenner und sorgten somit der Untersuchung zufolge vermehrt für Unfälle, bei denen Fußgänger und Radfahrer verletzt wurden. Das Problem ist natürlich schon seit Längerem bekannt. Bereits 2019 mussten daher alle neu von den Automobilherstellern typisierten E-Autos mit einem AVAS-System ausgestattet werden. Erst ab 2021 galt die EU-Verordnung dann für alle neu zugelassenen E-Autos.

Die Warnsignale werden bei allen E-Autos direkt nach dem Starten des Motors über verschiedene Außen- und Innenlautsprecher ausgegeben. Bis zu einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern ist der Ton verpflichtend, danach ist der Roll- und Luftwiderstand laut genug, um das Auto auch ohne Warntöne hören zu können.

Neue Herausforderungen für Autohersteller

Dass einige Autosounds künstlich hergestellt werden, ist keine Neuheit. Das Klicken des Blinkers oder das Schließen der Türen sind Geräusche, die fast jeder Hersteller bereits für seine Fahrzeuge individuell entwickelt – egal, ob E-Auto oder Verbrenner. Mit der EU-Verordnung kamen nun neue Herausforderungen und rechtliche Grundlagen für elektrisch betriebene Fahrzeuge hinzu. Die E-Fahrzeuge müssen je nach Geschwindigkeit eine Lautstärke von 56 bis 75 Dezibel erreichen. Damit liegen sie ungefähr zwischen dem Summen eines Kühlschranks und dem Schleudergang einer Waschmaschine. Dabei müssen die Tonhöhe, die Tonfrequenz und die Klangfarbe akustisch deutlich machen, wie schnell das Auto fährt und welcher Größenordnung es angehört. Beim Beschleunigen verändert sich die Tonhöhe zum Beispiel von einem leisen, tiefen zu einem lauteren, hohen Ton. Die Sounds sollen laut Verordnung „verbrennerähnlich“ sein, dennoch haben die Autohersteller etwas Spielraum, um die E-Fahrzeuge von Verbrennern akustisch abzuheben.

Wie entsteht der Klang bei einem E-Auto?

Anders als bei Verbrennern entsteht der E-Autoklang nicht im Motor, sondern zunächst im Tonstudio. Dabei gilt es für die Sounddesigner einiges zu beachten. Die Klänge müssen den rechtlichen Anforderungen genügen, gleichzeitig die jeweilige Marke repräsentieren und bei den Kunden Anklang finden. BMW hat sich dafür sogar prominente Unterstützung gesucht: Hollywood-Musikproduzent Hans Zimmer, der unter anderem für seine musikalischen Werke in den Filmen „Fluch der Karibik“ oder „Der König der Löwen“ bekannt ist, entwickelte zusammen mit Sounddesigner Renzo Vitale die AVAS-Klänge der BMW-Flotte.

Die Fahrzeugklänge des BMW i4 komponierten der zwölffache Oscargewinner Hans Zimmer und der italienische Sounddesigner Renzo Vitale.

Um zu prüfen, ob die am Computer entstandenen Sounds den Anforderungen entsprechen, werden die E-Autos in einer isolierten Halle getestet. Dort gibt es nahezu keine Schallreflexionen, wodurch exakte Messungen möglich sind – etwa, ob die von der EU vorgegebene Lautstärke eingehalten wurde. Bevor die Sounds tatsächlich implementiert werden können, finden zudem Testfahrten statt, bei denen unter anderem untersucht wird, ob der Sound nicht nur im Tonstudio, sondern auch auf der Straße gut klingt. Außerdem wird getestet, ob Fußgänger und Radfahrer das Auto rechtzeitig hören und wie die anderen Verkehrsteilnehmer und insbesondere die Kunden die Klänge empfinden.

Auch die Soundentwickler für Audi verbrachten viel Zeit im Studio und entwickelten für den Audi e-tron GT ein Sample aus 32 verschiedenen Klängen. Neben nachbearbeiteten Synthesizer-Tönen sind beispielsweise auch Aufnahmen eines Modellhubschraubers zu hören. Das Ergebnis hebt sich deutlich von den Klängen eines klassischen Verbrennungsmotors ab und erinnert eher an eine Turbine, die bei Beschleunigung und Verlangsamung hoch- und herunterdreht.

Sind Sie bereit für einen Antriebswechsel? Hier finden Sie fünf gute Gründe, warum es sich lohnt, auf ein E-Auto umzusteigen!

20. Mai 2022
Erneuerbare Energien
Elektromobilität
Klimaschutz

Text: Sina Lorenzen. Foto: Getty Images.

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