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    Wissenswert

    So setzt sich der Gaspreis zusammen

    Viele Haushalte in Deutschland beziehen Erdgas zum Heizen und Kochen. Wir erklären, wie sich der Gaspreis zusammensetzt.

    Für die Preisgestaltung beim Erdgas spielen neben staatlichen Steuern und Abgaben auch die Gasproduzenten und -lieferanten, Gasanbieter und Netzbetreiber eine wichtige Rolle.

    Wie der Strompreis besteht auch der Gaspreis in Deutschland in der Regel aus einem Grund- und einem Arbeitspreis. Der verbrauchsunabhängige Grundpreis deckt die Fixkosten der Gaslieferanten zum Beispiel für die Instandhaltung und Installation der Zähler oder die Rechnungslegung. Der Grundpreis eines Gastarifs nimmt in der Regel nur einen sehr geringen Teil des Gesamtpreises ein.

    Über den Arbeitspreis des Gasanbieters wird der tatsächliche Verbrauch pro Kilowattstunde abgerechnet. Er beinhaltet Steuern und Abgaben, Netznutzungsentgelte sowie die Kosten für Einkauf und Import des Erdgases durch den Gasanbieter. Nur die letztgenannte Komponente, die Gasbeschaffung über den Einkauf des Erdgases, erfolgt im freien Wettbewerb und bietet Gaslieferanten damit Spielraum in der Preisgestaltung. Alle anderen Bestandteile des Arbeitspreises eines Gastarifs werden staatlich reguliert oder vom Netzbetreiber festgelegt. Das bedeutet, dass ein Gasanbieter auf einen Großteil der Preisbestandteile keinen Einfluss hat.

    Gaspreis in Deutschland: Durchschnittliche Zusammensetzung 2022

    Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) weist die Zusammensetzung des durchschnittlichen Gaspreises 2021 für zwei unterschiedliche Gebäudetypen aus: für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden und für ein Mehrfamilienhaus mit rund 80.000 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr. In beiden Fällen machen Steuern, Abgaben und CO₂-Preis sowie die regulierten Netzentgelte rund ein Drittel des Gesamtpreises aus.

    Durchschnittliche Zusammensetzung des Gaspreises im Jahr 2022.
    Durchschnittliche Gaspreis-Zusammensetzung 2022. Quelle: BDEW-Gaspreisanalyse, April 2022.

    Unter Steuern und Abgaben fallen unter anderem die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent sowie die Erdgassteuer, die 2022 bei 0,55 Cent pro Kilowattstunde netto liegt. Aber auch Konzessionsabgaben, die die Gaslieferanten als eine Art Nutzungsgebühr an Städte und Gemeinden für die Nutzung der örtlichen Gasleitungen entrichten, schlagen hier zu Buche.

    Neu seit 2021 ist der gesetzlich festgelegte CO₂-Preis: Unternehmen, die Erdgas fördern und damit CO₂ in die Welt bringen, müssen CO₂-Zertifikate kaufen und damit einen Ausgleich zur CO₂-Produktion schaffen. Diese Kosten werden entlang der Wertschöpfungskette weitergegeben. So macht sich der erhöhte Preis für die Erdgasproduktion am Ende auch auf der Verbrauchsabrechnung der Endkunden, die einen Gastarif nutzen, bemerkbar.

    Für das Jahr 2021 betrug der CO₂-Preis 25 Euro pro Tonne CO₂, 2022 schon 30 Euro pro Tonne CO₂. Dadurch ergibt sich beim Erdgas ein Aufschlag um 0,55 Cent pro Kilowattstunde netto. Insgesamt beträgt der Anteil von Steuern und Abgaben am Erdgaspreis im Jahr 2021 laut BDEW für ein Einfamilienhaus 24 Prozent, für ein Mehrfamilienhaus 25 Prozent.

    Netzentgelte führen zu regionalen Schwankungen

    Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Erdgaspreises sind die Netzentgelte, die dem Betrieb, dem Erhalt und dem weiteren Ausbau der Netzinfrastruktur regional sowie überregional dienen. Ihre Höhe wird von den Regulierungsbehörden vorgegeben und von der Bundesnetzagentur (BNetzA) kontrolliert. Die Lieferanten oder Gasanbieter selbst können diesen Teil des Gaspreises nicht beeinflussen.

    Bei der Festlegung der Netzentgelte für die Nutzung des Gasnetzes werden Kriterien wie Topografie, Siedlungsdichte oder auch anstehende notwendige Investitionen in die örtliche Netzinfrastruktur berücksichtigt, sodass es hier je nach Region und Netzgebiet starke Schwankungen geben kann.

    Beschaffung und Vertrieb: Hier greifen klassische Marktmechanismen

    Ein weitere Anteil des Erdgaspreises fließt in die Gasbeschaffung und -lieferung. Die meisten Energielieferanten in Deutschland fördern aufgrund der geringen Vorkommen hierzulande das Erdgas nicht selbst, sondern kaufen und importieren es, etwa aus Norwegen oder den Niederlanden.

    Seit dem Jahresende 2021 sind die Großhandelspreise für Erdgas auf den internationalen Märkten stark angestiegen. Die deutschen Energielieferanten müssen also deutlich höhere Beschaffungspreise für die benötigten Gasmengen zahlen als zuvor. Dies hat dazu geführt, dass der für Beschaffung und Vertrieb aufgewendete Anteil des Gaspreises für das Jahr 2022 auf etwa 65 Prozent angestiegen ist.

    Übrigens: Die sogenannte Ölpreisbindung, die viele Jahre lang die Preise für Erdgas an die Entwicklung des Erdölpreises koppelte, besteht in Deutschland seit 2010 nicht mehr. Das heißt: Auch wenn viele internationale Erdgaslieferanten ihre Preise nach wie vor am Erdölpreis ausrichten und nationale Gasanbieter dort möglicherweise Erdgas importieren, dürfen deutsche Gasversorger daraus resultierende Preiserhöhungen nicht an ihre Kunden weitergeben, ohne diesen ein Sonderkündigungsrecht einzuräumen. Dies hat zu einem stärkeren Wettbewerb unter den Gaslieferanten geführt und bringt Vorteile für Verbraucher.

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    Die meisten Energielieferanten in Deutschland kaufen und importieren das Erdgas, das sie ihren Kunden liefern.

    Erdgas zum Heizen und Kochen: Am besten klimaneutral und nachhaltig

    Übrigens: Wer zu Hause Erdgas zum Heizen oder Kochen nutzt, kann dabei auch etwas für die Umwelt tun. Über den sogenannten bilanziellen Ausgleich wird die beim Verbrennen des Gases ausgestoßene Menge an CO₂ durch Klimaschutzzertifikate ausgeglichen. Damit steigt der Gesamtgehalt von CO₂ in der Atmosphäre durch den eigenen Erdgasverbrauch nicht an oder reduziert sich sogar. Meist sind diese klimaneutralen Tarife bei den Gasanbietern oder Vergleichsportalen besonders hervorgehoben.

    Text: Lea Weitekamp. Fotos: Shutterstock, Getty Images.

    22. April 2022
    Heizen

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