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    Ein Mann und eine Frau sitzen im Auto und sehen sich glücklich an.
    Elektromobilität und Reichweite

    Urlaub mit dem E-Auto: So kommen Sie entspannt ans Ziel

    Den Wocheneinkauf erledigen, die Kinder zur Schule bringen oder zur Arbeit und wieder nach Hause fahren: Das Elektroauto hat sich längst als alltagstauglich erwiesen. Aber wie verlässlich ist der Stromer, wenn es darum geht, mit ihm in den Urlaub zu fahren? Und wie sollte man am besten eine Reise mit dem Elektroauto planen?

    Während eine Reise mit dem E-Auto im Jahre 2017 wohl eher als unattraktiv galt – was mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit an der durchschnittlichen Reichweite von etwa 241 Kilometern lag –, ist diese heute oftmals schon Realität. Je nach Fahrzeugtyp legen die Stromer Etappen bis zu etwa 700 Kilometern zurück, bevor sie wieder an die Ladesäule müssen. Werden im Vorfeld die nötigen Vorbereitungen getroffen, steht einer reibungslosen Anreise mit dem Elektrofahrzeug nichts mehr im Wege. Neben der Frage, ob das Auto an ausreichend vielen Orten unterwegs geladen werden kann, sind einige weitere Faktoren zu beachten, beispielsweise um die Reichweite der Elektroautos zu erhöhen.

    Was das Thema der grundsätzlichen Lademöglichkeiten angeht, ist man mit dem E-Auto in Europa inzwischen auf der sicheren Seite. Denn auf dem gesamten Kontinent ist der Ladestandard auf das sogenannte Combined-Charging-System (CCS) definiert. Das bedeutet, dass Stecker und Ladeverfahren in den Ländern standardisiert sind und damit die Grenzüberschreitung für Fans der Elektromobilität deutlich erleichtert wird. Worin die Unterschiede der einzelnen Ladesäulentypen liegen, wie sich die Ladezeiten dieser unterscheiden und welche Vorteile sie zu bieten haben, lesen Sie in unserem Artikel „E-Autos: Diese Ladesäulentypen gibt es“.

    Was es darüber hinaus beim Urlaub mit dem E-Auto zu beachten gilt, haben wir im Folgenden für Sie zusammengestellt.

    Welche Tricks gibt es bei langen E-Autofahrten?

    Tipp 1: Reichweite realistisch einschätzen

    Urlaub mit dem E-Auto erfordert auch deswegen mehr Planung als mit dem herkömmlichen Verbrennungsmotor, weil man mit der realistischen Reichweite seines Fahrzeugs kalkulieren sollte. Rechnen Sie dabei immer mit den Erfahrungswerten der letzten Fahrten anstatt mit den Herstellerangaben. Darüber hinaus beeinflussen schweres Gepäck und das Wetter die tatsächliche Reichweite zusätzlich. Ein guter Richtwert, um den nächsten Ladesäulenstopp einzuplanen, liegt bei etwa 100 Kilometern Restreichweite. Das ist genug Puffer, damit Sie nicht „unter Strom stehen“, wenn ein unvorhergesehener Stau auftritt und dem Elektroauto womöglich schon vorzeitig der Saft auszugehen droht.

    Tipp 2: Lademöglichkeiten zum & am Reiseziel im Blick haben

    Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Reiseplanung mit dem E-Auto ist das Netz an Ladestationen entlang der Route, aber auch am Reiseziel selbst. Aktuell ist die Ladeinfrastruktur im Norden besser ausgebaut als im Süden. In Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz und vor allem in Skandinavien sowie den Niederlanden stellt ein schneller Ladestopp kein Problem dar. Teilweise finden sich hingegen noch große Löcher im Ladesäulennetz im östlichen Europa wie etwa in Polen, Tschechien oder der Slowakei. Wenn Sie einen Urlaub innerhalb Deutschlands planen, weist die Website der Bundesnetzagentur hier die entsprechenden Ladepunkte auf. Das dort hinterlegte Ladesäulenregister kann entweder als Excel-Liste direkt heruntergeladen oder alternativ als interaktive Karte genutzt werden. Ein Stromtankstellenverzeichnis für Europa ist auf der Website LEMNET zu finden. Bisher sind auf der Seite mehr als 140.000 Ladepunkte an etwa 45.000 Standorten hinterlegt. Manche E-Autos haben in ihren Navis aber auch bereits eigene Karten integriert, die die Routenplanung von Ladestation zu Ladestation entlang der geplanten Route ermöglichen.

    Blick in eine E-Autocockpit, in dem der Fahrer am Touchdisplay des Navigationssystems die nächstgelegene Ladesäule auswählt.
    Praktisch: Inzwischen gibt es verschiedene Apps, die E-Autofahrern helfen, unterwegs die nächstgelegene Ladesäule aufzufinden.

    Empfehlung: Sollte Ihr E-Auto kein derartig ausgestattetes Navi haben, können Sie auf verschiedene Apps zurückgreifen. Es gibt bereits einige Anwendungen für das Handy wie etwa die Chargemap-App, die Ihnen hilft, problemlos die jeweils nächstgelegene Ladesäule zu finden und Ihre Route optimal zu planen. Die Karte listet über 450.000 Ladepunkte auf und deckt beinahe das gesamte europäische Netz ab. Mithilfe der Filtermöglichkeiten erhalten Sie zudem Informationen zu Ladedauer, Steckertypen, Öffnungszeiten und Zugangsmöglichkeiten. Auch die Bezahlung an solchen öffentlichen E-Ladesäulen ist über die App möglich.

    Tipp 3: Ladezeiten unterwegs einplanen

    Wie viel Zeit ein E-Auto benötigt, bis die Batterie wieder vollständig geladen ist, hängt von der Ladesäule sowie dem Modell des Fahrzeugs ab. Eine Zeitersparnis kann mithilfe von Schnellladestationen gewonnen werden: Je nach Wagentyp ist der Akku des Stromers in etwa 20 bis 30 Minuten wieder bei 80 Prozent und bietet Reisenden die Gelegenheit einer gemütlichen Pause. Allerdings sind Schnellladestationen nicht überall installiert. Die meisten Elektroauto-Apps bieten die Möglichkeit, explizit nach Schnellladesäulen zu filtern. Die durchschnittliche Ladezeit an einer öffentlichen Wechselstromladestation nimmt etwa zwei bis vier Stunden in Anspruch und sollte daher in der Reiseplanung berücksichtigt werden.

    Ansicht des Hecks eines E-Autos, das gerade mit Strom betankt wird, mit geöffneter Tankklappe.
    Der Ladezustand eines E-Autoakkus sollte grundsätzlich zwischen 20 und 80 Prozent liegen. Das erhöht die durchschnittliche Lebensdauer der Batterie.

    Tipp 4: Schonend mit der Batterie umgehen

    Ähnlich wie beim Smartphone nutzt sich die Akkukapazität des Elektrofahrzeugs mit der Zeit ab. Die durchschnittliche Lebensdauer einer Batterie liegt bei acht bis zehn Jahren. Um die Ladekapazität und die damit verbundene Reichweite eines Elektroautos möglichst lange auszuschöpfen, ist eine schonende Nutzung ratsam. Dazu gehört es, den Ladezustand immer zwischen 20 und 80 Prozent zu halten und lediglich bei langen Autofahrten den Akku vollständig aufzuladen. Für den Urlaub mit dem E-Auto heißt das: Die Batterie auf der Fahrt möglichst voll laden, denn vor Ort muss der Ladezustand nicht immer 100 Prozent betragen.

    Tipp 5: Im Ernstfall Ruhe bewahren

    Es ist der Albtraum aller E-Autofahrer: Trotz guter Planung ist die Batterie des Fahrzeugs tatsächlich einmal leer. Dann heißt es Ruhe bewahren und den Pannendienst rufen. Dieser schleppt den Stromer unverzüglich bis zur nächsten Ladesäule ab, damit die Reise auf schnellstem Wege weitergehen kann. Mehr Infos zu diesem Thema haben wir für Sie in unserem Beitrag „Was tun bei Pannen oder Unfällen mit dem E-Auto?“ zusammengefasst. Wer außerhalb Deutschlands Urlaub mit dem E-Auto macht, sollte sich vorab über die regionalen Pannendienste und Notrufnummern informieren.

    Tipp 6: Unnötige Stromfresser vermeiden

    Bei einer Urlaubsreise mit dem Elektroauto lohnt es sich, gelegentlich auf die Landstraße abzubiegen, anstatt nur die Autobahn zu nutzen. Denn wer kontinuierlich aufs Gas drückt, muss häufiger an die Ladesäule. Neben der Energieersparnis auf der Landstrecke können Sie dabei auch noch die Aussicht genießen. Ein weiterer Stromfresser ist die Heizung des Wagens. Falls nicht unbedingt nötig, lassen Sie diese aus, denn um das Auto auf eine kuschlig warme Temperatur zu bringen, wird jede Menge Energie benötigt.

    Im Sommer gilt natürlich auch die Klimaanlage als echter Stromfresser. Öffnen Sie stattdessen lieber das Fenster, und wenn das nicht reichen solle, kann die Temperatur der Klimaanlage etwas höher eingestellt werden, zum Beispiel auf 23 Grad Celsius. Grundsätzlich gilt: Überprüfen Sie während der Fahrt genau, welche elektrischen Verbraucher wirklich benötigt werden. Egal, ob es das Radio, die Innenbeleuchtung oder das Laden des Smartphones ist – all diese Funktionen kosten das E-Auto Reichweite.

    18. Mai 2022
    Erneuerbare Energien
    Elektromobilität
    Klimaschutz

    Text: Julia Lempart. Fotos: Getty Images.

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