
10. Juli 2026Grüne WärmeÖkostrom
Hannover setzt auf Power-to-Heat-Anlagen: Flexible Lösung für Stromüberschüsse im Energiesystem
- enercity erweitert Fernwärmeportfolio um flexible Elektroheizkessel
- Neue Power-to-Heat-Anlagen verzahnen Strom- und Wärmesektor enger und stärken Versorgungssicherheit
- Nutzung von erneuerbarem Überschussstrom entlastet Netze und trägt zur Preisstabilität bei

Deutschland produziert immer häufiger mehr Strom aus Wind- und Solaranlagen, als aktuell genutzt werden kann. Das führt zu teils sehr niedrigen bis negativen Strompreisen und erhöht zunehmend den Druck auf die Netze. In Hannover entsteht eine konkrete Lösung für diese Herausforderung: enercity baut die Fähigkeit aus, solche Stromüberschüsse gezielt aufzunehmen und für die Wärmeversorgung nutzbar zu machen.
Dazu erweitert das Unternehmen sein Fernwärmeportfolio um eine neue Power-to-Heat-Anlage mit 50 Megawatt (MW) Leistung. Die elektrisch betriebenen Heizkessel am Standort Herrenhausen wandeln Strom in Wärme um und können flexibel eingesetzt werden. Das ist insbesondere dann entscheidend, wenn viel erneuerbare Energie im Netz ist oder ein sehr hoher Wärmebedarf entsteht, beispielsweise an besonders kalten Wintertagen. Sie bieten eine unkomplizierte Technik, um Hannover zu jeder Zeit sicher mit Fernwärme zu versorgen. Eine weitere seit 2020 bestehende Anlage wird ebenfalls von 20 auf 26 MW erweitert.
Flexibilität für ein volatiles Energiesystem
„Wir sehen im Energiesystem immer häufiger Situationen, in denen sehr viel erneuerbarer Strom im Netz ist – bis hin zu negativen Preisen. Gleichzeitig fehlt es an flexiblen Lösungen, diesen Strom sinnvoll einzusetzen“, sagt Carsten Heckmann, enercity-Bereichsleiter Fernwärme und Wasser. „Genau hier setzen wir in Hannover an: Wir machen überschüssigen Strom gezielt nutzbar und verbinden so Strom- und Wärmemarkt intelligent.“
Power-to-Heat-Anlagen (siehe Foto) reagieren gezielt auf diese Marktsituationen: Wenn viel Strom ins Netz drängt und die Preise sinken, wird elektrische Energie in Wärme umgewandelt und ins Fernwärmenetz eingespeist oder dem Fernwärmespeicher zugeführt. Damit verschiebt sich die Wärmeerzeugung in wirtschaftlich günstige Zeitfenster und erneuerbarer Strom kann effizient verwertet werden.
Gleichzeitig tragen die Anlagen zur Versorgungssicherheit bei: Bei hoher Wärmenachfrage können sie kurzfristig zugeschaltet werden und zusätzliche Leistung bereitstellen. Power-to-Heat ist dabei kein Dauerläufer, sondern wird gezielt in Situationen eingesetzt, in denen das Energiesystem Unterstützung benötigt.
Baustein für den Kohleausstieg und integriertes System
Die neu entstehenden Anlagen sind Teil der weit fortgeschrittenen Dekarbonisierung der Fernwärmeerzeugung in Hannover. Bis Ende 2027 soll der zweite Kohleblock vollständig ersetzt werden. Ab diesem Zeitpunkt kann bereits ein sehr großer Teil der Fernwärme klimaneutral erzeugt werden. Neben Power-to-Heat setzt enercity dabei auf ein breites Portfolio aus klimaneutralen Technologien: Dazu gehören unter anderem Großwärmepumpen, die Umweltwärme aus Fluss- und Klärwerkswasser nutzen, sowie erweiterte Abfallwärmenutzung. Durch die Verwendung regionaler Ressourcen stärkt das Unternehmen die Resilienz gegenüber geopolitischen Konflikten und reduziert durch die Abkehr von fossilen Importen die Preissensitivität.
Besonders wirksam wird Power-to-Heat im Zusammenspiel mit dem bestehenden Fernwärmesystem und Wärmespeichern. Am Standort Herrenhausen ist diese Kombination bereits erprobt: Seit 2020 kann dort ein Elektroheizkessel mit 20 MW Leistung das Fernwärmespeicherwasser von 98°C schnell auf die im Winter erforderliche Vorlauftemperatur von bis zu 120°C erhitzen. Der Speicherinhalt kann dadurch auch bei der Spitzennachfrage genutzt werden. Dies erspart den Einsatz anderer Erzeugungsanlagen und ermöglicht eine wirtschaftliche Fernwärmeerzeugung.
Die neuen Power-to-Heat-Anlagen stärken nicht nur die Versorgungssicherheit und sorgen für einen weiteren Impuls in die regionale Wertschöpfung, sondern schaffen die Voraussetzungen, Strom- und Wärmesektor enger zu verzahnen – ein zentraler Baustein für ein zunehmend von erneuerbaren Energien geprägtes Energiesystem.
Fotos vom Bau der neuen P2H-Anlage und der seit 2020 am Standort Herrenhausen bestehenden Anlage: 18 Power to Heat




