Wissenswert

Wie setzt sich der Fernwärmepreis zusammen?

In vielen Städten und Gemeinden in Deutschland steht den Menschen Fernwärme als Alternative zu Gas- oder Ölheizungen zur Verfügung. Mit der Umstellung auf die klimafreundliche Produktion wird Fernwärme zu einem wichtigen Hebel, um CO2-Emissionen flächendeckend zu senken. Doch wie genau wird die Fernwärme bei den Verbrauchern abgerechnet?
55
Milliarden
Kilowattstunden Fernwärme flossen 2021 an private Haushalte in Deutschland (einschließlich Wohnungsgesellschaften; Quelle: BDEW 03/22).

Zusammensetzung der Fernwärmepreise

Ebenso wie der Strompreis und der Gaspreis setzt sich auch der Fernwärmepreis im Wesentlichen aus einer festen Komponente (Leistungspreis oder Grundpreis) und einer verbrauchsabhängigen Komponente (Arbeitspreis) zusammen.

Der Leistungspreis wird je nach Anbieter auch als Grundpreis, „installierte Leistung“ oder „Anschlussleistung“ bezeichnet. Er deckt die Fixkosten des Wärmelieferanten ab, zum Beispiel für die Anlagen zur Wärmeerzeugung, das Personal oder für das Leitungsnetz, über das die Wärme zum Kunden transportiert wird. Die Höhe des Grundpreises richtet sich nach der installierten Leistung, also dem Anschlusswert, der Fernwärmeanlage des Kunden in Kilowatt.

Der Arbeitspreis ist direkt abhängig vom Verbrauch eines Haushalts: Die vom Fernwärmezähler gemessene, verbrauchte Wärme in Kilowattstunden wird mit dem Arbeitspreis multipliziert und das Ergebnis dem Kunden in Rechnung gestellt. Der Arbeitspreis beinhaltet die Kosten für die Beschaffung der Rohstoffe, die zur Wärmegewinnung eingesetzt werden, und weitere Betriebskosten des Anbieters.

Einige Fernwärmeanbieter erheben einen separaten Messpreis für den Betrieb und die Ablesung des Wärmemengenzählers beim Kunden. Zudem fallen auch für Fernwärmekunden die seit 2021 erhobenen staatlichen CO2-Abgaben an. Manche Fernwärmeversorger rechnen sie in den Arbeitspreis mit ein, andere rechnen sie als gesonderten Emissionspreis ab. Grundsätzlich gilt: Je weniger fossile Energieträger der Wärmelieferant zur Erzeugung der Wärme einsetzt, desto weniger Emissionsabgaben fallen an.

Ein großer Teil der Fernwärme wurde 2021 noch auf Basis von Erdgas gewonnen. Doch der Einsatz von erneuerbaren Energien und Abwärme zur Fernwärmeerzeugung steigt. In Hannover wird bereits rund ein Viertel des jährlichen Fernwärmeabsatzes klimafreundlich gewonnen.

Wann ändern sich die Preise für Fernwärme?

Preisänderungen werden von den Anbietern zu festgelegten Zeiten vorgenommen. Oft erfolgen die Anpassungen zum 01.04. oder zum 01.10. eines Jahres.

Wie werden die Fernwärmepreise berechnet?

Grundlage für die Lieferbeziehungen zwischen Fernwärmekunden und -lieferanten ist die staatliche „Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV)“. Sie sieht Preisänderungsklauseln als festen Bestandteil des Fernwärmeliefervertrags zwischen Kunde und Anbieter vor. Die Neuberechnung der Fernwärmepreise erfolgt in regelmäßigem Turnus nach diesen auch Preisgleitklausel genannten Vertragsbestimmungen.

Die Klauseln – und die in ihnen enthaltenen Preisberechnungsformeln – müssen der AVBFernwärmeV zufolge so gestaltet sein, dass sie „sowohl die Kostenentwicklung bei Erzeugung und Bereitstellung der Fernwärme durch das Unternehmen als auch die jeweiligen Verhältnisse auf dem Wärmemarkt angemessen berücksichtigen“. Daher werden die Werte, die zur Neuberechnung in die Preisänderungsformel eingesetzt werden, nicht vom Versorger selbst festgelegt, sondern von neutralen Stellen herangezogen, so zum Beispiel über Indizes des Statistischen Bundesamts (Destatis).

Jeder Versorger erstellt eine eigene Preisberechnungsformel und legt dabei fest, welche Faktoren beziehungsweise Indexwerte in die Preisgestaltung einfließen. So können sich die einzelnen Formeln von Anbieter zu Anbieter im Detail unterscheiden, abhängig zum Beispiel davon, welche Rohstoffe zur Erzeugung der Fernwärme ein Anbieter verwendet.

Die genaue Formel, die ihrer Preisberechnung zugrunde liegt, können Fernwärmekunden in ihrem Vertrag einsehen.

Diese Indexwerte fließen in die Preisberechnung der Fernwärme ein

Folgende Faktoren werden in der Regel über die Preisänderungsformel abgebildet:

  • Änderungen bei den Investitionskosten: Hierzu wird der Investitionsgüterindex des Statistischen Bundesamts herangezogen.
  • Änderungen bei den Lohnkosten: Diese ergeben sich bei den meisten Energieversorgungsunternehmen aus dem Tarifvertrag Versorgungsbetriebe (TV-V). Bei der Preisberechnung wird ein Durchschnittsgehalt zugrunde gelegt.
  • Änderungen der Brennstoffpreise: Hierzu werden je nach eingesetztem Energiemix beispielsweise der Erdgas-, Steinkohle-, Öl- oder Stromindex des Statistischen Bundesamts herangezogen. Zudem kann die Entwicklung der Großhandelspreise an den Energiebörsen in die Preisberechnung einfließen.
  • Entwicklung des Wärmemarkts: Hierzu fließt der Wärmepreisindex des Statistischen Bundesamts bei vielen Anbietern in die Berechnung ein.
  • Entwicklung der CO2-Abgaben.

Die genaue Formel, die ihrer Preisberechnung zugrunde liegt, können Fernwärmekunden in ihrem Vertrag einsehen.

Warum gibt es bei der Fernwärme Preisgleitklauseln?

Über die vertraglichen Preisänderungsklauseln werden die Fernwärmepreise auch während eines laufenden Vertrages angepasst. Anders als etwa bei Strom-, Gas- oder Handyverträgen sieht die staatliche Fernwärmeverordnung kein Sonderkündigungsrecht für Verbraucher vor, wenn die Fernwärmepreise erhöht werden. Das liegt vor allem an den technischen Rahmenbedingungen der Fernwärmelieferung: Fernwärmeverträge haben in der Regel lange Laufzeiten und können nur mit dem Versorgungsunternehmen geschlossen werden, das das örtliche Fernwärmenetz betreibt.

Die Wärmelieferanten brauchen daher eine Möglichkeit, aktuelle Marktentwicklungen in die Preisgestaltung einfließen zu lassen, ohne dass dadurch bestehende Verträge ständig neu geregelt werden müssen. Die vertraglich festgelegten Formeln sorgen dafür, dass die Verbraucher jederzeit transparent nachvollziehen können, wie die Preisänderung zustande kommt. Außerdem stellen sie sicher, dass auch für Verbraucher günstige Marktentwicklungen, zum Beispiel sinkende Rohstoffpreise, stets an die Fernwärmekunden weitergegeben werden.

Bei 75
Prozent
soll der Anteil erneuerbarer Energien und industrieller Abwärme an der Fernwärmeerzeugung von enercity möglichst schon im Jahr 2027, spätestens aber im Jahr 2030 liegen.

Zusammensetzung des Fernwärmepreises in Hannover

In Hannover versorgt enercity zahlreiche Menschen mit klimaschonender Fernwärme. Der Anteil erneuerbarer Energien und industrieller Abwärme an der Fernwärmeerzeugung wird vom Unternehmen Jahr für Jahr gesteigert und soll möglichst schon im Jahr 2027, spätestens aber im Jahr 2030 bei 75 Prozent liegen.

 

In die Berechnung der enercity-Fernwärmepreise fließen gemäß der aktuellen Preisgleitklausel (Stand 2022) die folgenden Faktoren ein:

Arbeitspreis:

  • Erdgasindex (17 Prozent)
  • Steinkohleindex (8 Prozent)
  • Lohnindex (10 Prozent)
  • Investitionsgüterindex (10 Prozent)
  • Wärmepreisindex (30 Prozent)
  • Stromindex (16 Prozent)
  • CO2-Preis (9 Prozent)

 

Jahresleistungspreis (Grundpreis):

  • Lohnindex (52 Prozent)
  • Investitionsgüterindex (48 Prozent)

 

Erläuterung: Der Lohnindex und der Investitionsgüterindex beim Arbeitspreis enthalten Lohn und Investitionen für die Wärmeerzeugung, etwa in den Kraftwerken. Beim Leistungspreis fließen diese Positionen in den Erhalt des Netzes.

12. November 2022
Heizen
Grüne Wärme

Text: Lea Weitekamp. Fotos: Getty Images.

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