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    Eine Person legt ihre Hände auf eine Heizung.
    Klima schützen, Kosten sparen

    So funktioniert grüne Fernwärme

    Fernwärme spielt eine zentrale Rolle für eine erfolgreiche Energiewende. Sie macht es möglich, eine große Zahl von Gebäuden in Ballungsräumen mit grüner Wärme zu versorgen und den Ausstoß klimaschädlicher Gase wie CO2 zu verringern. Doch wie funktioniert Fernwärme? Wie kommt sie ins Haus? Und warum ist die kostengünstige Technik so wichtig für den Klimaschutz? Ein Überblick.

    Fernwärme funktioniert im Prinzip wie eine sehr große Heizung – nur eben für die ganze Stadt. „Im Haus fließt die im Heizkessel erzeugte Wärme über Rohre in die einzelnen Zimmer“, sagt Ingo Voigts, strategischer Asset-Manager bei enercity, „in der Stadt wird die Fernwärme durch ein gut isoliertes Fernwärmenetz an Haushalte, Betriebe und öffentliche Gebäude geleitet.“

    Schematische Darstellung eines Fernwärmenetzes
    Schematische Darstellung eines Fernwärmenetzes

    Fernwärme, einfach erklärt in vier Schritten

    Die große Stärke der Fernwärme: Sie macht es möglich, sehr viele Gebäude in einer Stadt oder einem Ballungsraum über das Fernwärmenetz mit Heizenergie zu versorgen. Das funktioniert in vier kurzen Schritten.

    In Schritt Nr. 1 wird die beispielsweise in einem Kraftwerk erzeugte Wärme in den Vorlauf des Fernwärmenetzes eingespeist. Als Energieträger dient auf 80 bis 120 Grad erhitztes Wasser.

    In Schritt Nr. 2 wird die thermische Energie durch den Wärmevorlauf zu den ans Fernwärmenetz angeschlossenen Gebäuden geleitet. Pumpen sorgen dafür, dass die Heizenergie schnell und mit wenig Wärmeverlusten dorthin gelangt und immer verfügbar ist.

    Jetzt muss die verfügbare Fernwärme nur noch ins Haus geleitet werden. Das funktioniert so: Vom Fernwärmenetz zweigen Hausanschlüsse zu den Gebäuden ab, die mit Wärme versorgt werden. Jeder dieser Anschlüsse führt zu einer Wärmeübergabestation im Gebäude. In dieser Station wird die thermische Energie in Schritt Nr. 3 aus dem Fernwärmenetz auf das Heizsystem im Haus übertragen, das die Wärme schließlich auf die einzelnen Räume verteilt. Zusätzlich zum Heizen kann Fernwärme auch für die Warmwasserbereitung genutzt werden. Damit entfällt die oft teure Heißwasserversorgung im Haus, beispielsweise durch elektrisch betriebene Durchlauferhitzer.

    Bei Schritt Nr. 4 geben die Heizkörper die Wärmeenergie an die Raumluft ab. Als Folge davon sinkt die Temperatur des Wassers im Heizsystem. Dieses abgekühlte Wasser fließt zurück in die Wärmeübergabestation, wo es erneut thermische Energie aus der Fernwärme aufnehmen kann. Der Heizkreislauf im Haus beginnt nun von vorn.

    Analog geschieht das Gleiche im Fernwärmenetz: Hat das Wasser seine thermische Energie an das Heizsystem des Hauses abgegeben, wird es über die Wärmeübergabestation in den Rücklauf des Fernwärmenetzes geleitet. Hier transportieren Pumpen das abgekühlte Wasser zurück zum Wärmeerzeuger, wo auch der Fernwärmekreislauf von Neuem bei Schritt Nr. 1 beginnt.

    Nachhaltige Energie für die Städte

    Doch all das macht die Fernwärmeheizung noch nicht nachhaltig und klimafreundlich. Entscheidend dafür ist die Art der Wärmeerzeugung. Mit dem von der Bundesregierung beschlossenen Kohleausstieg und der Verteuerung fossiler Energieträger durch die stufenweise steigende CO2-Abgabe kommen fossile Brennstoffe zur Fernwärmeerzeugung mittelfristig nicht mehr infrage. Die Preissteigerung trifft vor allem Hauseigentümer, die ihre Heizung noch immer mit fossiler Energie betreiben. Auch enercity plant deshalb einen möglichst frühzeitigen Ausstieg aus der Kohle.

    Dagegen setzen Fernwärmeproduzenten längst massiv auf klimafreundliche Energiequellen und hocheffiziente Kraftwerke, in denen mittels Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) nicht nur elektrische, sondern gleichzeitig auch grüne Wärme erzeugt wird. „In einem Kraftwerk mit KWK-Technik werden bis zu 90 Prozent des eingesetzten Energieträgers in nutzbaren Strom und Wärme umgesetzt“, so Experte Voigts. Moderne Fernwärme ist also umweltschonender als herkömmliche Energie- und Wärmeformen.

    90
    Prozent
    des eingesetzten Energieträgers werden in einem Kraftwerk mit KWK-Technik in nutzbaren Strom und Wärme umgesetzt. Herkömmliche Kraftwerke zur Stromerzeugung haben dagegen nur einen Wirkungsgrad von etwa 40 Prozent.

    Darum ist Fernwärme der Paradigmenwechsel für den Klimaschutz

    Zum Vergleich: Ein herkömmliches Kraftwerk zur Stromerzeugung hat nur einen Wirkungsgrad von etwa 40 Prozent. Voigts: „Die bei der Stromproduktion entstehende Wärmeenergie geht ungenutzt verloren.“ Dagegen mache die hocheffiziente KWK-Technik diese thermische Energie als Fernwärme nutzbar. Ein wichtiger Baustein, um Ressourcen und Klima zu schonen.

    Denn aktuell wird in Deutschland noch rund die Hälfte der insgesamt benötigten Energie fürs Heizen verbraucht. Darum ist es so wichtig, rasch die Wärmewende voranzutreiben und auf nachhaltige Alternativen zu Kohle, Öl oder Erdgas umzusteigen. Fernwärme bietet die Chance, durch den Einsatz grüner Energiequellen auf einen Schlag ganze Städte klimafreundlich zu heizen. Das macht Fernwärme zum Gamechanger im Kampf gegen den Klimawandel. „Die Bedeutung der Technik für die Wärmeversorgung in urbanen Ballungsräumen wird in den nächsten Jahren weiter wachsen“, sagt enercity-Experte Ingo Voigts voraus.

    Wie aus grüner Energie Fernwärme wird

    Denn bei der Fernwärmeerzeugung nutzen Energieunternehmen heute verstärkt nachhaltige Energieträger. enercity setzt als Ersatz für die Kohle und zur Produktion grüner Energie beispielsweise auf die thermische Verwertung von Restmüll, Klärschlamm und Biomasse.

    Hinzu kommen Großwärmepumpen, Power-to-Heat- sowie Solar- und Geothermieanlagen mit hoher Energieausbeute. Voigts: „Ans Fernwärmenetz lassen sich problemlos viele verschiedene grüne Energieerzeuger anschließen. Der breite Mix verhindert die Abhängigkeit von einer Energiequelle. Zudem lassen sich Preisschwankungen zwischen den einzelnen nachhaltigen Energieträgern besser ausgleichen.“ Das sorge für stabile Fernwärmepreise. Betreiber einer Heizungsanlage für ein einziges Gebäude seien dagegen meist an nur einen Energieträger wie Heizöl oder Erdgas gebunden und somit immer wieder teils erheblichen Kostensteigerungen ausgesetzt.

    Älterer Mann sitzt mit einem kleinen Jungen vor einer Heizung auf dem Fußboden beide gucken auf ein Tablet
    Heizen mit grünem Gewissen: Fernwärmenutzer werden mit der Umstellung auf Erneuerbare automatisch zu Klimaschützern.

    Viele gute Gründe, die für Fernwärme sprechen

    Der Einsatz einer ganzen Reihe nachhaltiger Energieträger sowie grüner Quellen für die Fernwärmeerzeugung wirkt sich auch positiv auf die Versorgungssicherheit aus. „Mit der Umstellung auf Erneuerbare werden Fernwärmenutzer automatisch zu Klimaschützern und zum Teil der Energiewende.“ Daneben bringt eine Fernwärmeheizung aber noch ein ganzes Bündel weiterer Vorteile:

    • Fernwärme ist flexibel und kann unabhängig von Haustyp und -alter zum Heizen, für die Warmwasserbereitung und sogar zur Gebäudekühlung eingesetzt werden.
    • Sie ist komfortabel und immer verfügbar.
    • Die Fernwärmetechnik spart Platz im Haus. Die Wärmeübergabestation am Ende des Hausanschlusses für die Fernwärme nimmt weniger Raum ein als eine herkömmliche Öl- oder Gasheizung.
    • Die Investitionskosten für den Fernwärmeanschluss sind im Vergleich zu einer neuen Heizungsanlage fürs Haus geringer, ebenso die Kosten für die spätere Wartung der Fernwärmetechnik. Mit fossilen Brennstoffen betriebene Heizungen für nur ein Gebäude sind erheblich teurer im Unterhalt.
    • Bei Fernwärme handelt es sich um eine innovative Energieversorgung mit Zukunft. Das Energieunternehmen passt die grüne Wärmeerzeugung stetig an die jeweiligen rechtlichen und technischen Erfordernisse an.

    Fernwärmeversorgung: So schließen auch Sie sich an!

    Es gibt noch einen weiteren Grund, der für einen Fernwärmeanschluss spricht: Fernwärme zu beziehen ist einfach und bedeutet keinen großen Aufwand. In Hannover profitieren bereits Zehntausende von Haushalten, Gewerbebetrieben, Großunternehmen und öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser oder Behörden von den vielen Vorteilen der Fernwärmeversorgung – viele Beispiele also dafür, wie einfach es ist, Teil der wichtigen Wärmewende zu werden und gleichzeitig Energiekosten zu sparen.

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    29. März 2022
    Klimaschutz
    Heizen
    Grüne Wärme

    Text: Jens Lehmann. Fotos: Shutterstock, Getty Images.

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