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    Serie: Klimaschutz im Alltag

    Nachhaltig wohnen

    Wohnraum ist für jeden von uns lebensnotwendig, stellt aber neben Faktoren wie Mobilität, Ernährung und Konsum auch eine der größten Belastungen für unsere Umwelt dar. Insbesondere ein hoher Flächen-, Wasser- und Energieverbrauch wirken sich negativ auf das Klima aus. Dazu kommen hohe Schadstoffemissionen und jede Menge Müll, den wir tagtäglich produzieren. Ganz lässt sich das nicht vermeiden, aber jeder kann schon durch kleine Veränderungen auch in puncto Wohnen einen großen Einfluss auf seinen ökologischen Fußabdruck haben. In Teil 4 unserer Serie zum Klimaschutz im Alltag beschäftigen wir uns mit dem Thema nachhaltiges Wohnen.

    Natürlich gibt es auch in Sachen nachhaltiges Bauen und Wohnen nicht die eine allgemeingültige Lösung für die damit verbundenen Umweltbelastungen. Vielmehr sind es mehrere Herangehensweisen, die an unterschiedlichen Punkten ansetzen, um den schädlichen Einfluss auf unsere Umwelt zu minimieren. Das ist auch so, weil unsere Wohnsituationen nicht alle gleich sind: Der eine lebt im Einfamilienhaus auf dem Land, der andere in einer Mietwohnung in der Großstadt oder in einem Mehrfamilienhaus am Stadtrand. Deshalb braucht es individuelle Ansätze, wie wir unseren ökologischen Wohn-Fußabdruck verbessern und zum Klimaschutz beitragen können. Fakt ist: Wir benötigen immer mehr Wohnraum. Laut Umweltbundesamt wuchs der Wohnungsbestand in Deutschland mit zwei Millionen neuen Wohnungen in den vergangenen zehn Jahren stärker als die Bevölkerung mit 1,5 Millionen Bürgern.

    Effizienzhaus, Niedrigenergiehaus, Plusenergiehaus oder Passivhaus?

    Um den steigenden Energiebedarf durch die von uns benötigten Häuser und Wohnungen zu reduzieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die beim Neubau oder bei einer Sanierung berücksichtigt werden sollten. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert beispielsweise energieeffizientes Bauen und Sanieren mit zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen. Dabei spielt die jeweilige Energieeffizienz der Immobilie eine entscheidende Rolle. Diese wird durch folgende Zahlen angegeben, die zunächst etwas verwirrend wirken können: 40, 55, 70, 85, 100 und 115. Die Bedeutung dahinter: Je kleiner die Kennzahl eines Effizienzhauses, desto weniger Energie verbraucht die Immobilie. Ob ein Gebäude energieeffizient ist, wird anhand des Wärmeverlustes durch die Gebäudehülle, also durch die Dämmung, Türen und Fenster, errechnet. Daraus ergibt sich der Primärenergiebedarf der Immobilie. Um nun die Höhe der staatlichen Förderung zu bestimmen, werden Wärmeverlust und Primärenergiebedarf mit der geltenden Energieeinsparverordnung (EnEV) verglichen und den jeweiligen Förderstandards – repräsentiert durch die Kennzahlen der Energieeffizienzhäuser – zugewiesen.

    Ein weiterer Begriff, den man immer wieder in Zusammenhang mit dem Thema nachhaltiges Bauen und Wohnen hört, ist Niedrigenergiehaus. Es zeichnet sich per Definition durch einen geringen Energiebedarf aus, der wiederum größtenteils aus nachhaltigen Energiequellen gedeckt werden sollte. Konkrete Anforderungen an die Bauweise oder an die Energiequellen gibt es jedoch nicht.

    Gut zu wissen:

    „Niedrigenergiehaus“ ist ein allgemeiner Überbegriff für alle Gebäude mit einem geringen Energieverbrauch. Darunter fallen auch KfW-Effizienzhäuser mit einer Kennzahl unter 100. Aber vor allem Passivhäuser, Null-Energie-Häuser und Plusenergiehäuser lassen sich dieser Kategorie zuordnen, da sie noch höhere energetische Anforderungen erfüllen.

    Plusenergiehäuser sind die klimafreundlichste Variante der Niedrigenergiehäuser, denn sie erzeugen beispielsweise durch Photovoltaikanlagen mehr Energie, als sie verbrauchen. Ein Passivhaus ist ganz ähnlich konzipiert. Bei einem Neubau liegt der Fokus darauf, dass seine Ausrichtung, die Gebäudeform und die verwendeten Materialien von Anfang an Heizkosten und Energie sparen. Zusätzlich sorgt die Dämmung für eine überdurchschnittliche Wärmerückgewinnung aus der Abstrahlwärme von Haushaltsgeräten und Bewohnern. Wärmeverlust wird durch eine entsprechende Lüftungsanlage verringert. Das Raumklima bleibt dank regelmäßiger Frischluftzufuhr dadurch optimal.

    Das Passivhaus-Institut in Darmstadt legt als Kriterium für ein nachhaltiges Passivhaus einen theoretischen Heizwärmebedarf von 15 kWh pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche und Jahr fest. Der jährliche Primärenergiebedarf von 120 kWh pro Quadratmeter darf ebenfalls nicht überschritten werden.

    In der Regel benötigen Passivhäuser keine klassische wassergeführte Heizung, sondern decken ihren restlichen Heizwärmebedarf durch eine Photovoltaikanlage, Wärmepumpe oder Holzpelletheizung. Bestandsimmobilien lassen sich übrigens ebenfalls zu Niedrigenergiehäusern umrüsten, beispielsweise durch eine moderne Dämmung, gut isolierte Fenster sowie Türen und den Tausch einer alten Heizungsanlage mit sparsamen Heizsystemen.

    Strom sparen im Haushalt

    Aber auch wer kein Eigentum besitzt und deshalb keine Möglichkeit hat, große Umbau- oder Sanierungsarbeiten vorzunehmen, kann nachhaltig wohnen, indem der Energieverbrauch im Haushalt reduziert wird. Laut Umweltbundesamt verbrauchen wir jährlich durchschnittlich etwa 38 TWh Energie durch die Nutzung von Kochfeldern, Waschmaschinen und Wäschetrocknern, Kühl- und Gefrierschränken sowie Computern, Fernsehern, Handys etc. Außerdem brauchen wir Strom für die Warmwasserbereitung. Um einen möglichst geringen Energieverbrauch der Elektrogeräte zu gewährleisten, sollte schon beim Kauf auf ein gutes Energieeffizienzlabel geachtet werden. Neue Geräte sollten mindestens die Kennzeichnung A++ haben. Wenn Elektrogeräte länger nicht gebraucht werden, sollten sie nicht in den Stand-by-Modus gehen, sondern ganz ausgeschaltet werden, damit sie keinen Strom verbrauchen. Als wahre Stromfresser gelten Durchlauferhitzer. Strom sparen lässt sich aber auch mit diesen Geräten und folgenden Tipps:

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    Die Raumtemperatur um ein Grad zu verringern macht für uns keinen großen Unterschied. Fürs Klima bedeutet das allerdings deutlich weniger schädliche Emissionen.
    • Die richtige Einstellung: Je wärmer das Wasser, desto mehr Energie wird verbraucht. Normalerweise reicht eine Wassertemperatur von 39 Grad völlig aus. Wer es beim Duschen wärmer mag, kann die Einstellung kurzzeitig anpassen.
    • Wasserhähne auf Kaltwasser stellen: Jedes Mal, wenn der Warmwasserhahn aufgedreht wird, springt der Durchlauferhitzer an. Dabei benötigen wir oft gar kein warmes Wasser. Beim Zähneputzen oder Händewaschen reicht auch Kaltwasser.
    • Sparbrause beim Duschen: Mit einer Sparbrause kann der Wasserverbrauch um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Dadurch wird nicht nur Wasser gespart, sondern es sinkt auch die Wassermenge, die erwärmt werden muss. Als Sparbrause gelten alle Modelle, die weniger als zwölf Liter Wasser pro Minute durchfließen lassen.

    Neben all diesen Tipps ist es zudem sinnvoll, zu Anbietern mit Ökostrom zu wechseln. Denn mit Strom aus erneuerbaren Energien wird die Umwelt weniger belastet, und Emissionen werden verringert.

    CO2-Emissionen und Heizkosten sparen

    Nachhaltiges Wohnen beinhaltet auch bewusstes und klimafreundliches Heizen. Durchschnittlich entfallen 70 Prozent des Energieverbrauchs von privaten Haushalten auf das Heizen von Wohnräumen. Hier lassen sich nicht nur eine Menge Energie und damit CO2-Emissionen einsparen, sondern auch die Heizkosten deutlich senken. Zum einen durch ein grünes Heizsystem, zum anderen durch eine minimal reduzierte Raumtemperatur. Wer beispielsweise in einer 70 Quadratmeter großen Wohnung die Raumtemperatur um nur ein Grad senkt, spart rund sechs Prozent Energie und etwa 50 Euro im Jahr. Mehr dazu in unserem Ratgeber „Richtig heizen: Kosten sparen und Umwelt schonen“.

    Hier gibt es alle Zahlen und Tipps aus der Serie Klimaschutz im Alltag als Download:

    Infografik "Klimaschutz im Alltag" zum herunterladen

    Text: Annika Schmitz. Fotos: Adrian Bauer.

    19. Juli 2021

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