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Eine Wärmepumpe vor dem Einfamilienhaus
Wärmepumpen mit Kühlfunktion

Die Sommerseite der Wärmewende

Für Eigentümer:innen und Wohnungsunternehmen geht es künftig nicht nur ums klimafreundliche Heizen, sondern auch um Gebäude, die in heißen Sommern lebenswert bleiben. Moderne Wärmepumpen können nicht nur heizen, sondern auch kühlen. Besonders in Zeiten zunehmender Hitzeperioden werden sie damit zum Baustein für ganzjährigen Komfort.

Wenn Wohnungen nachts nicht mehr abkühlen, wird Klimaschutz zur Komfortfrage. Dann zeigt sich die Zukunftsfähigkeit eines Gebäudes nicht nur im Energieausweis oder im Heizungskeller, sondern im sommerlichen Alltag: im aufgeheizten Dachgeschoss, im schlecht verschatteten Büro, in Räumen, die selbst am Abend noch Wärme speichern. 

Wer heute saniert, neu baut oder Quartiere entwickelt, plant deshalb nicht mehr nur für niedrigere CO₂-Emissionen. Er plant für Gebäude, die ganzjährig funktionieren müssen. Genau hier verändert sich der Blick auf die Wärmepumpe. Sie ist nicht mehr nur Ersatz für Öl- und Gasheizungen, sondern kann unter den richtigen Voraussetzungen Teil eines Klimakonzepts werden, das im Winter effizient heizt und im Sommer hilft, Räume zu temperieren

Klimageräte sind keine Strategie

Die schnelle Antwort auf heiße Räume ist oft ein mobiles Klimagerät. Es ist rasch gekauft und braucht nur einen Stromanschluss sowie einen Abluftschlauch. Für einzelne Räume kann das helfen. Als Strategie für Wohngebäude, Portfolios oder Quartiere ist es jedoch wenig überzeugend. 

Viele mobile Klimageräte führen warme Raumluft über einen Schlauch nach außen. Dadurch strömt warme Außenluft nach, der Effizienzvorteil schrumpft. Hinzu kommen Geräusche, Platzbedarf und zusätzlicher Stromverbrauch. Was kurzfristig Komfort schafft, kann langfristig Betriebskosten, Netzbelastung und Klimabilanz verschlechtern.

Für Eigentümer:innen und Wohnungsunternehmen stellt sich deshalb eine strategische Frage: Muss Kühlung zusätzlich organisiert werden, mit neuen Geräten, neuen Lasten und zusätzlicher Technik? Oder lässt sich ein Teil des künftigen Kühlbedarfs mit Systemen abdecken, die ohnehin für die Wärmewende gebraucht werden? 

Eine Wärmepumpe vor dem Einfamilienhaus
Heizen im Winter, kühlen im Sommer: Viele Wärmepumpen können auch an heißen Tagen für angenehmere Raumtemperaturen sorgen.

Wärmepumpen können auch kühlen

Viele moderne Wärmepumpen können mehr als heizen. Je nach System lassen sich Räume auch im Sommer temperieren: über Luft-Wasser-Wärmepumpen oder über erdgekoppelte Wärmepumpen mit Erdsonden, Erdkollektoren oder Brunnenwasser. Das Erdreich und Grundwasser können sogar direkt zum Kühlen ohne Aktivierung der Wärmepumpe genutzt werden (passive Kühlung). Besonders geeignet sind Gebäude mit Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungen. Wie stark der Effekt ausfällt, hängt vom Gebäude, vom System, von der Auslegung und von der Wetterlage ab. 

Der Vorteil liegt in der Systemlogik: Eine Technik übernimmt Aufgaben, die bisher oft getrennt geplant wurden. Im Winter liefert sie Heizwärme, im Sommer kann sie überschüssige Wärme aus dem Gebäude abführen. Damit wird die Wärmepumpe nicht zur klassischen Klimaanlage, sondern zu einem Baustein eines integrierten Gebäudeklimasystems

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen sieht in der Kühlung per Wärmepumpe einen wachsenden Komfortfaktor, betont aber die Bedeutung sorgfältiger Planung. „Unter den richtigen Voraussetzungen kann eine Wärmepumpe die Raumtemperatur spürbar senken“, erklärt Holger Glaus, Energieexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Wer ohnehin eine Wärmepumpe plant, sollte prüfen lassen, ob eine Kühlfunktion sinnvoll und technisch umsetzbar ist.“ 

Warum das Gebäude den Unterschied macht

Ob Räume im Sommer angenehm bleiben, hängt auch wesentlich von der Gebäudehülle ab. Eine gute Dämmung verlangsamt das Aufheizen. Außenliegender Sonnenschutz, nächtliche Lüftung über Fenster, speicherfähige Baustoffe und eine gute Regelung reduzieren den Kühlbedarf, bevor er nachträglich technisch gedeckt werden muss. Das ist auch wirtschaftlich relevant. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Außenrollläden für ein angenehmes Raumklima in Wohnhäusern oft die effizientere und kostengünstigere Lösung gegenüber Klimaanlagen sind. Für Eigentümer:innen heißt das: Kühlung beginnt nicht mit dem Gerät, sondern mit der Frage, wie viel Hitze überhaupt ins Gebäude gelangt.

Sommerlicher Wärmeschutz im Bestand

Hitzeschutz wird zum Teil der strategischen Sanierungsplanung. Wer Heizsysteme austauscht, Gebäudehüllen verbessert oder Quartiere entwickelt, entscheidet schließlich heute über die Klimafähigkeit der nächsten Jahrzehnte. Dabei geht es nicht darum, jede Wohnung aktiv zu kühlen. Entscheidend ist die Priorisierung. Zuerst in den Blick gehören Dachgeschosswohnungen, Gebäude mit großen Glasflächen, schlecht verschattete Fassaden oder Wohnanlagen mit älteren Mieter:innen. Dort kann sommerlicher Wärmeschutz vom Komfortthema zum Standort- und Risikofaktor werden. 

Kühlen mit der Wärmepumpe: Das sollten Eigentümer:innen wissen

 

  • Gebäude zuerst prüfen: Dämmung, Verschattung, Fensterflächen und Lüftung entscheiden darüber, wie hoch der Kühlbedarf wird. 
  • Systemfrage klären: Nicht jede Wärmepumpe eignet sich automatisch fürs Kühlen. Gerätetyp, Auslegung und Regelung sind entscheidend. 
  • Flächen nutzen: Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungen sind fürs Temperieren meist besser geeignet als klassische Heizkörper. 
  • Taupunkt beachten: Wassergeführte Kühlung braucht Schutz vor Kondensation, sonst drohen Feuchte- und Bauschäden. 
  • Förderfähigkeit früh prüfen: Bei proKlima Hannover sind unter anderem natürliche Kältemittel bei Luft-Wasser-Wärmepumpen und der hydraulische Abgleich relevant; Luft-Luft-Wärmepumpen werden laut proKlima nicht als Einzelmaßnahme gefördert.

Vom Gebäude zum Quartier

Für die Wohnungswirtschaft wird diese Entscheidung zunehmend von der kommunalen Wärmeplanung geprägt. Sie zeigt, wo Fernwärme, Nahwärme, Wärmepumpen oder quartiersbezogene Lösungen langfristig sinnvoll sein können. Die Investitionsfrage verschiebt sich dadurch: Nicht allein das einzelne Gerät entscheidet, sondern der Standort, der Bestand und die künftige Wärmeinfrastruktur

Der größere Trend ist eindeutig: Die Wärmewende endet nicht beim Ersatz der Heizung. Sie verändert die Logik der Gebäudetechnik. Wärme, Kälte, Strom, Speicher, Verschattung und Gebäudehülle müssen stärker zusammengedacht werden. Für Energieversorger, Kommunen und Wohnungswirtschaft entsteht daraus eine gemeinsame Planungsaufgabe: Welche Lösung passt zu welchem Gebäude, zu welchem Quartier und zu welcher Infrastruktur? 

Die Wärmepumpe ist dabei nicht automatisch die Lösung für jedes Hitzeproblem. Sie ersetzt keine gute Gebäudehülle, keinen Sonnenschutz und keine kluge Lüftung. Aber wenn die Voraussetzungen stimmen, kann sie mehr leisten als viele vermuten: Sie kann aus einem Heizsystem ein Ganzjahressystem machen. 

Mehr Lebensqualität durch ganzjährigen Komfort

„Eine Wärmepumpe ist besonders zukunftsfähig, wenn sie nicht nur den fossilen Heizkessel ersetzt, sondern das Gebäude insgesamt resilienter macht“, sagt Peter Pärisch, Wärmepumpen-Experte vom enercity-Fonds proKlima. „Wenn sie im Winter effizient heizt und im Sommer helfen kann, Räume zu temperieren, wird sie zu einem Baustein für Klimaschutz und Lebensqualität zugleich.“ 

Für Eigentümer:innen und Wohnungsunternehmen in Hannover und der Region kann dabei auch Förderung eine Rolle spielen. Der enercity-Fonds proKlima stellt mehr als sechs Millionen Euro bereit, unter anderem für nachhaltige Heizungslösungen, Solarenergie und Dämmmaßnahmen. enercity bietet für Hannover und die weiteren proKlima-Partnerstädte zusätzlich bis zu zehn Prozent Förderung für Wärmepumpen, für Mehrfamilienhäuser sogar bis zu 20 Prozent. Förderrelevant sind laut proKlima Hannover unter anderem natürliche Kältemittel bei Luft-Wasser-Wärmepumpen, der Betrieb mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen und die Optimierung des Heizsystems (hydraulischer Abgleich) nach proKlima-Anforderungen. Klima-Split-Geräte (auch Luft-Luft-Wärmepumpen) werden aktuell nicht von proKlima gefördert. Luft-Wärmepumpen, die mittels Wasser-Verteilnetz sowohl heizen als auch kühlen können (auch bezeichnet mit: "reversible Wärmepumpen"), sind förderfähig. 

Erdgekoppelte Wärmepumpen, die auch mit dem Erdreich hocheffizient kühlen können, erhalten sogar einen kleinen Bonus. Darüber hinaus wird die Ertüchtigung des Heizsystems zum Kühlen, wie der Einbau von Flächenheizung oder der Einbau von Heizkörpern mit Gebläse, als Umfeldmaßnahme einer Wärmepumpeninstallation mit höheren Förderungen belohnt. Außerdem schützen die von proKlima geförderten Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen etwas besser vor kurzen Hitzeperioden. 

Wärmepumpe zum Kühlen nutzen: Häufige Fragen beantwortet


Kann jede Wärmepumpe auch kühlen?

Nein. Eine Kühlfunktion muss technisch vorgesehen sein und zum Heizsystem des Gebäudes passen. Reversible Wärmepumpen kühlen aktiv, indem sie ihren Betrieb umkehren. Erd- oder Grundwasserwärmepumpen kühlen dagegen oft passiv über die vergleichsweise niedrigen Temperaturen des Bodens oder Grundwassers. Deshalb sollte bereits bei der Planung geklärt werden, ob und wie das gewünschte System kühlen kann.



Was ist der Unterschied zwischen aktiver und passiver Kühlung?

Bei der aktiven Kühlung transportiert die Wärmepumpe Wärme aus dem Gebäude nach draußen. Das sorgt für eine stärkere Kühlwirkung, benötigt aber zusätzlichen Strom. Die passive Kühlung nutzt dagegen die im Erdreich oder Grundwasser gespeicherte Kälte. Sie arbeitet besonders effizient, kühlt die Räume jedoch meist weniger stark ab. 



Kann eine Wärmepumpe eine Klimaanlage ersetzen?

Die Kühlfunktion einer Wärmepumpe ist kein Ersatz für guten sommerlichen Wärmeschutz. Zusammen mit Verschattung, Dämmung und nächtlicher Lüftung kann sie jedoch dazu beitragen, Räume auch an heißen Tagen angenehm kühl zu halten und den Bedarf an zusätzlicher Klimatechnik zu reduzieren.



Eignet sich eine Fußbodenheizung zum Kühlen?

Fußboden-, Wand- und Deckenheizungen verteilen die kühlende Wirkung einer Wärmepumpe über große Flächen und eignen sich deshalb besonders gut, Räume auf angenehme Temperaturen zu bringen. Wie stark die Raumtemperatur sinkt, hängt jedoch auch von Dämmung, Verschattung, Fensterflächen, Wetter und der Auslegung der Anlage ab. 


4. September 2026
Erneuerbare Energien
Klimaschutz

Autor: Tanja Requardt. Fotos: iStock.

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