
Biomasse-Heizkraftwerk Stöcken produziert klimaneutrale Wärme aus Altholz
enercity hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2035 die Fernwärme klimaneutral zu erzeugen. Bis zum Jahr 2027 wird der Anteil erneuerbarer Energie an der Fernwärme von enercity bis zu 75 Prozent betragen. Um das zu erreichen, wird unter anderem der Standort des Gemeinschaftskraftwerks in Hannover-Stöcken Stück für Stück umgebaut. Die Anlage ist die Voraussetzung für die Stilllegung des ersten Blocks. Voraussichtlich Anfang 2027 soll auch der zweite der beiden Blöcke des Kohleheizkraftwerks stillgelegt werden.
Statt aus Block 1 stammt die Wärme für das hannoversche Fernwärmenetz jetzt aus einem Bündel von erneuerbaren Anlagen an verschiedenen Standorten: Unter anderem aus der bereits in Betrieb genommenen Wärmeauskopplung aus der Müllverbrennungsanlage Hannover-Lahe, der Klärschlammverwertungsanlage in Hannover-Lahe und einer Power-to-Heat-Anlage in Herrenhausen. Darüber hinaus wurden 2024 in Stöcken und Herrenhausen zwei Biomethan-Blockheizkraftwerke, in Betrieb genommen.
In dem neuen, hocheffizienten Biomasse-Heizkraftwerk (BMHKW) werden Wärme und Strom aus nicht mehr nutzbarem Recyclingholz, wie gebrauchten Möbeln, Holzverschalungen oder Gebälk aus abgerissenen Gebäuden, gewonnen. Allein durch diese Anlage sinkt der jährliche CO2-Ausstoß um etwa 300.000 Tonnen.
Hocheffiziente Produktion von Fernwärme und Strom
Geplant und umgesetzt wurde das Biomasse-Heizkraftwerk von der enercity-Tochtergesellschaft Danpower. Die Anlage besteht neben dem Betriebsgebäude mit der Leitwarte aus einem Kessel- und einem Maschinenhaus sowie einer Brennstoffannahme mit vier Brennstoffsilos mit einem Füllvolumen von jeweils 4.000 Kubikmeter, die in Summe 5.000 Tonnen Altholz auf Vorrat lagern können.

Das „Herzstück“ der Anlage ist der Rostkessel, in dem in verschiedenen Zonen das Holz getrocknet, gezündet und verbrannt wird. Über eine Vielzahl an Fördereinrichtungen wird das Holz aus den Silos auf dem hydraulisch angetriebenen, treppenförmig aufgebauten Vorschubrost im Kessel schrittweise vorwärtsgeschoben. „Das Holz wird durch die Bewegungen des Vorschubrostes umgewälzt und durchmischt, was dazu beiträgt, dass der Brennstoff bis auf die Asche vollständig ausbrennt“, erklärt Michael Bodmann, Kraftwerksingenieur bei enercity. Das beim Brennvorgang entstehende heiße Rauchgas erzeugt Hochdruckdampf. Dieser erwärmt über ein technisches Verfahren das Fernheizwasser – oder wird zur Stromerzeugung genutzt. „Die strengen gesetzlichen Abgasemissionsgrenzen können wir durch das Verfahren über die Vorgaben hinaus einhalten und haben auch für zukünftige Grenzwertverschärfungen Reserven“, so Bodmann weiter.
Im Artikel „Ein Blick ins Biomasse-Heizkraftwerk – Wo die Energiewende arbeitet“ lesen Sie mehr über die Funktionsweise des BMHKW.
Um die Langlebigkeit des Kessels zu gewährleisten, waren zudem spezielle konstruktive Maßnahmen notwendig, da der Verbrennungsprozess von Altholz herausfordernder ist als bei anderen Brennstoffen: Das zu verfeuernde Holz weist beispielsweise sehr unterschiedliche Eigenschaften auf. So sind etwa die Kesselwände nicht nur feuerfest ausgemauert, sondern in einigen Bereichen auch mit zusätzlichen, besonderen Beschichtungen ausgekleidet.
Altholz ist ein Recyclinggut, das nicht deponiert werden darf. Stattdessen kommt es als Sekundärrohstoff zum Einsatz, zum Beispiel in der Holzwerkstoffindustrie, um Holzspanplatten herzustellen. Oder aber es wird zur Wärme- und Stromgewinnung genutzt und auf diese Weise thermisch verwertet. Maßgeblich für die Art der möglichen Verwertung der Althölzer ist die Frage, mit welchen Fremdstoffen es belastet ist. Daher wird Altholz in unterschiedliche Altholzkategorien eingeteilt. Im Biomasseheizkraftwerk in Stöcken sollen bis zu 200.000 Tonnen Altholz aus der Kategorie A2 bis A4 jährlich eingesetzt werden:
Kat A2: behandeltes Altholz (Dielen, Möbel, Spanplatten, Konstruktionsholz)
Kat A3: belastetes Altholz (Altholz aus Sperrmüll, Küchenarbeitsplatten, Möbel aus MDF/HDF, Paletten mit Verbundmaterial)
Kat A4: besonders belastetes Altholz (Jägerzäune, Eisenbahnschwellen, Fenster/Außentüren, Holz aus Brandereignissen)
Anlagentechnik doppelt abgesichert
Eine Müllverbrennungsanlage hat den Auftrag, kontinuierlich anfallende Abfallmengen zu entsorgen. In einem BMHKW wird mit dem Altholz dagegen thermische und elektrische Energie effizient und nachhaltig erzeugt: Die Anlage in Stöcken verwertet jährlich bis zu 200.000 Tonnen nicht recycelbares Altholz, erzeugt dabei mit einer Leistung von bis zu 80 MW Wärme für die Fernwärmeversorgung. Maximal 19 MW können für die Stromerzeugung bereit gestellt werden. Mit der Energie wird nicht nur Hannover versorgt, sondern auch die benachbarten Werke von VW-Nutzfahrzeuge. Dank ausgeklügelter Technik und innovativer Konstruktion kann zudem weitere Energie aus dem Verbrennungsprozess gewonnen werden. „Aus dem Rauchgas, das ansonsten ungenutzt über den Kamin an die Umwelt abgegeben würde, können wir durch eine Großwärmepumpe zusätzlich bis zu 9 MW Wärmeleistung gewinnen“, erklärt Bodmann. Im reinen Heizbetrieb koppelt die Anlage so max. 89 MW Wärme bei einem Brennstoff-Nutzungsgrad von nahezu 100 % aus.
Die hochmoderne Anlage trägt auf zuverlässige und sichere Weise dazu bei, dass es die Menschen in Hannover warm haben. „Brennstoffannahme, Aufbereitung, Bevorratung und Fördertechnik sind doppelt vorhanden. Wenn ein Teilsystem ausfällt, läuft mindestens ein paralleles System weiter, um die volle Leistung bereitzustellen – das gilt zum Beispiel für die Förderanlage von den Silos zum Kessel“, führt Bodmann aus. „Dadurch gewährleisten wir eine hohe Anlagenverfügbarkeit und Versorgungssicherheit.“

Belit Onay (Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover), Aurélie Alemany (CEO enercity AG), Christian Meyer (Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz) und Steffen Reiche (Mitglied des Markenvorstands VW Nutzfahrzeuge für Produktion und Logistik) vor dem neuen Biomasseheizkraftwerk auf dem Gelände des Gemeinschaftskraftwerks Hannover (GKH) in Stöcken.
Biomasse-Heizkraftwerk Teil der Kohleausstiegsstrategie
Der Neubau ist ein wichtiger Meilenstein in der von enercity vorangetriebenen Wärmewende in Hannover und ein zentraler Beitrag, um Klimaneutralität zu erreichen sowie die CO2-Emissionen erheblich zu reduzieren. Neben Wind- und Sonnenenergie spielt für enercity die aus industriellen Prozessen oder der thermischen Verwertung von Abfällen und Klärschlämmen gewonnene Fernwärme eine entscheidende Rolle.
enercity bietet in vielen Stadtgebieten Hannovers klimaschonende Fernwärme an. Schon heute profitieren Tausende von Haushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Krankenhäuser von den vielen Vorteilen der Fernwärmeversorgung – in den kommenden Jahren wird diese Zahl weiter steigen. Ob auch für Ihre Immobilie ein Fernwärmeanschluss verfügbar ist und was zu tun ist, wenn Sie Ihre alte Öl- oder Gasheizung durch Fernwärme ersetzen möchten, erfahren Sie hier.
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