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Panorama vom Haupteingang des Klinikums Bremen-Nord.
Ein Wärmenetz für Bremen-Nord

Die Wärme bleibt im Viertel

Die Wärme für das Klinikum Bremen-Nord kommt von nebenan: Seit dem Sommer deckt Abwärme aus der Nachbarschaft den riesigen Heiz- und Warmwasserbedarf des Krankenhauses. Es zählt damit zu den ersten Großkunden des Fernwärmenetzes, das enercity in Bremen-Nord erschließt – und sein Beispiel zeigt: Mit Quellen aus der Region, verlässlicher Infrastruktur und lokaler Wertschöpfung wird die Wärmewende zum Standortfaktor.

An 365 Tagen im Jahr stehen im Klinikum Bremen-Nord an der Hammersbecker Straße Ärzt:innen im OP. Die Instrumente müssen steril sein, das Wasser warm, die IT in Betrieb. Ohne Wärme geht hier gar nichts. Jahrzehntelang kam die Energie dafür vor allem aus gasbetriebenen Anlagen im Haus selbst. Jetzt kommt sie von nebenan: Im Wollkämmerei-Quartier in Bremen-Blumenthal, nur wenige Kilometer entfernt, entsteht Tag für Tag mehr Wärme, die bisher weitgehend ungenutzt blieb. Seit dem 22. Juni 2026 fließt sie durch neu verlegte Leitungen bis ins Klinikum; Anfang September wurde die Versorgung offiziell in Betrieb genommen. Es ist das Prinzip einer guten Nachbarschaft, übersetzt in Infrastruktur: Was nebenan übrig ist, muss niemand mehr selbst erzeugen.

Mehr Unabhängigkeit, weniger CO₂

Für das Klinikum Bremen-Nord geht es bei dem Wechsel um mehr als einen neuen Energieträger:  „Die Umstellung auf Fernwärme ist für uns ein Riesenschritt in Sachen CO₂-Neutralität“, sagt Eduard Gallwas, Objektleiter des Technik- und Gebäudemanagements. Bezog das Klinikum zuvor rund sieben Millionen Kilowattstunden Erdgas pro Jahr, spart es durch den Umstieg auf Fernwärme nun 1.500 Tonnen CO₂ pro Jahr ein. Die Fernwärme macht das Krankenhaus zugleich unabhängig vom Gasmarkt und seinen schwankenden Preisen. Auf lange Sicht rechnet sich der Wechsel nach Einschätzung der Klinik auch finanziell. „Mit der Umstellung auf Fernwärme hat das Klinikum eine langfristig sichere und zukunftsfähige Wärmeversorgung. Der mehrwöchige Testbetrieb war erfolgreich, wir sind nun stabil am Netz. Das ist ein echter Meilenstein”, sagt die geschäftsführende Krankenhausdirektorin Vivien Voigt.

Haupteingang des Klinikums Bremen-Nord.

Anschluss an die Fernwärmeversorgung: Das Klinikum Bremen-Nord bezieht künftig Wärme aus dem Netz von enercity. Von links: Sascha Brandt (Vertriebsleiter enercity contracting Nord), Vivien Voigt (geschäftsführende Krankenhausdirektorin), Jan Fries (Bremens Staatsrat für Umwelt, Klima und Wissenschaft),  Eduard Gallwas (Objektleiter des Technik- und Gebäudemanagements Klinikum Bremen-Nord), Dennis Witt (Projektleiter enercity contracting Nord) sowie Dr. Manfred Schüle (Geschäftsführer enercity contracting).

Bei null fängt das Klinikum nicht an: Seit den 1990er-Jahren betreibt es ein eigenes Blockheizkraftwerk, doch dessen grundlegende Erneuerung hätte sich angesichts volatiler Gaspreise und steigender CO₂-Abgaben nicht mehr gelohnt. Der Anschluss ans Wärmenetz kam damit zur richtigen Zeit. Für die Gesundheit Nord, den Klinikverbund, zu dem das Krankenhaus gehört, ist das Projekt auch Teil der eigenen Klimaschutzstrategie – und ein Beitrag zur Klimaschutzstrategie 2038 des Landes Bremen.

Die Quelle nebenan: Wärme, die ohnehin entsteht

Der Nachbar, der liefert, ist das Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerk im Wollkämmerei-Quartier, betrieben von der hkw blumenthal GmbH. Dort werden Abfälle aus Haushalten und Gewerbe verbrannt, die sich nicht mehr recyceln lassen; das Verfahren heißt thermische Verwertung. Die Wärme, die dabei entsteht, ist unvermeidbar: Sie fällt an, ob sie genutzt wird oder nicht. Jahrelang blieb der größte Teil davon ungenutzt; jetzt wird genau dieser Teil zur Ressource für die Wärmeversorgung vor Ort. hkw blumenthal stellt die Wärme bereit, enercity contracting, eine hundertprozentige Tochter von enercity, verteilt sie über das neue Netz an die Kund:innen in Bremen-Nord. Rund 120.000 Megawattstunden überwiegend CO₂-freie Abwärme stehen jährlich zur Verfügung – rechnerisch genug für etwa 12.000 Wohnungen.

Für Eigentümer:innen großer Gebäude ist das mehr als ein gutes Gewissen: Über 80 Prozent der enercity-Fernwärme stammen aus der thermischen Abfallverwertung. Das Wärmeplanungsgesetz stuft solche Wärme als unvermeidbare Abwärme ein und stellt sie erneuerbaren Energieträgern gleich. Wer seine Liegenschaft ans Netz anschließt, erfüllt damit die gesetzlichen Anforderungen an die Nutzung erneuerbarer Energien.

Ein Netz, das wächst

Damit Abwärme in das Fernwärmenetz eingespeist werden kann, übernimmt enercity contracting Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb der Wärmeversorgung. Die Kund:innen beziehen die fertige Wärme, ohne selbst in Anlagen investieren zu müssen. Seit Anfang 2025 errichtet enercity contracting das neue Wärmenetz in den Stadtteilen Blumenthal und Vegesack; mit der Versorgung des Klinikums ist der erste Bauabschnitt abgeschlossen. Große Abnehmer wie das Krankenhaus – Ankerkunden genannt – sorgen dafür, dass sich der Aufbau der Infrastruktur wirtschaftlich trägt – und machen den Weg frei für weitere öffentliche Einrichtungen, Unternehmen und Wohnquartiere.

Zwei Krankenschwestern auf dem Flur im Klinikum Bremen-Nord.
Wärme, die ankommt: Im Klinikum Bremen-Nord sorgt das Fernwärmenetz von enercity für eine zuverlässige Versorgung mit Heizwärme und Warmwasser, rund um die Uhr.

„Mit dem Anschluss des Klinikums Bremen-Nord zeigen wir, wie vorhandene lokale Wärmepotenziale effizient genutzt werden können. Statt Abwärme ungenutzt an die Umgebung abzugeben, wird sie künftig für die Wärmeversorgung einer wichtigen Einrichtung der Daseinsvorsorge eingesetzt”, sagt Dr. Manfred Schüle, Geschäftsführer von enercity contracting. 
Mehr als 45 Millionen Euro investiert das Unternehmen in den Ausbau. In den nächsten Bauabschnitten sollen mehrere Schulen und weitere öffentliche Liegenschaften in Blumenthal und Vegesack ans Netz gehen, die Bauarbeiten beginnen Anfang 2027. In Bremen-Nord mit seinen rund 100.000 Einwohner:innen gab es bislang keine flächendeckende Fernwärmeversorgung. Jetzt entsteht sie, Anschluss für Anschluss, und wird mit jedem weiteren Strang ein wenig wertvoller.

Erprobt zwischen Weser und Elbe

Bremen-Nord ist dabei kein Einzelfall. In Hamburgs östlicher HafenCity versorgt enercity contracting bereits ein ganzes Quartier mit Industrieabwärme, im benachbarten Rothenburgsort wurde das Netz anschließend weitergebaut. Das Muster ist überall dasselbe, die Lösung jedes Mal eine andere: Welche Wärmequelle es vor Ort gibt, wer sie liefert und wer sie abnimmt, entscheidet sich in jeder Stadt neu. enercity bringt Erzeuger und Abnehmer zusammen und baut das Netz dazwischen.
Genau das zeigt Bremen-Nord im Kleinen wie im Großen: Ein Krankenhaus heizt verlässlicher, wirtschaftlicher und klimafreundlicher, weil nebenan ohnehin Wärme entsteht. Ein Stadtbezirk bekommt eine Infrastruktur, die mit jedem Anschluss wertvoller wird. Und enercity beweist norddeutschlandweit, dass sich regionale Wärmequellen zu einer verlässlichen, klimafreundlicheren Versorgung für Großkunden und ganze Quartiere entwickeln lassen – wenn man die Wärmewende so organisiert, wie gute Nachbarschaft funktioniert: nutzen, was da ist, und teilen, was übrig ist.

8. September 2026
Erneuerbare Energien
Wärme

Autor: Emily Hadasik. Fotos: Klinikum Bremen-Nord, Martin Rospek.

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