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Zwei Techniker:innen stehen auf einer Windenergieanlage.
Virtuelle Kraftwerke

Strom aus tausend Stimmen

Vom Windpark an der Küste bis zur Solaranlage auf dem Dach: Unsichtbar und effizient schließen virtuelle Kraftwerke verstreute Anlagen zu einer einzigen großen Stromquelle zusammen – und halten so das Netz stabil. Wie funktioniert das? Und was haben private Haushalte davon?

Die Energiewende hat ein Erfolgsproblem: Was gut fürs Klima ist – mehr Windräder, Solaranlagen und Speicher –, macht das Stromsystem zugleich deutlich komplexer. Denn jede dieser Anlagen agiert für sich, wodurch es herausfordernder ist, das Gesamtsystem zu koordinieren. Außerdem produzieren sie mal mehr und mal weniger Energie – abhängig vom Wetter, nicht vom eigentlichen Bedarf. In der Folge gerät das Netz immer öfter an seine Grenzen. Engpässe müssen überbrückt und Überkapazitäten abgebaut werden, die Kosten für die Stabilisierung steigen. 

Hier kommen virtuelle Kraftwerke ins Spiel. Dabei handelt es sich um digitale Netzwerke, in denen Hunderte von Anlagen – Windparks, Solaranlagen, Batteriespeicher – miteinander verbunden sind. Gesteuert werden diese Netzwerke durch ein zentrales Betriebssystem. Wie der Dirigent eines Chores seinen Sängerinnen und Sängern sagt, wann sie singen sollen, gibt dieses System den darin vernetzten Energiequellen in Echtzeit ihren Einsatz: jetzt einspeisen, jetzt speichern – oder jetzt verbrauchen. 

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Aus einzelnen Anlagen wird ein System: Im virtuellen Kraftwerk wird erneuerbare Strom‑ und Wärmeerzeugung intelligent vernetzt und Energie flexibel dort eingesetzt, wo sie gebraucht wird.

Ein neues Nervensystem für die Energiewelt

Indem sie selbst kleinste Anlagen in ein zentrales System integrieren, machen virtuelle Kraftwerke erneuerbare Energien flexibel nutzbar. Für die Energiewende ist das eine echte Schlüsseltechnologie, auf die auch enercity setzt. Zusammen mit dem britischen Technologieunternehmen Kraken entsteht ein virtuelles Kraftwerk, das einen Schritt weiter geht als bisherige Lösungen: Es denkt Strom und Wärme zusammen. Das energiewirtschaftliche Know-how und diversifizierte Portfolio an erneuerbaren Strom- und Wärmeerzeugungsanlagen von enercity trifft dabei auf das KI-gestützte Betriebssystem Krakens, das weltweit bereits über 90 Millionen Energieaccounts steuert. Strom- und Wärmeerzeugungsanlagen werden dadurch nicht nur verknüpft, sondern laufend optimiert, automatisiert vermarktet und über verschiedene Märkte hinweg koordiniert. 

Da virtuelle Kraftwerke bislang meist auf die Orchestrierung von Stromerzeugungs- und Speicheranlagen fokussiert sind, markiert insbesondere die Integration von Wärme einen echten Fortschritt in der Energie- und Wärmewende. Die KI-basierte Plattform entscheidet, ob Strom eingespeist, gespeichert oder etwa über Power-to-Heat in Wärme umgewandelt wird, die wiederum im Fernwärmenetz landet. So wird Energie gezielt dort eingesetzt, wo sie am effizientesten verwendet bzw. vermarktet werden kann – die bedarfsgesteuerte Nutzung entlastet das Stromsystem. „Damit lösen wir die zentrale Herausforderung, vor die uns die Volatilität stellt: Wir machen Energie dann nutzbar, wenn der Markt sie braucht”, sagt Jean-Baptiste Cornefert, Bereichsleiter Trading & Energy Markets bei enercity. „Das virtuelle Kraftwerk ist somit das Herzstück der Sektorenkopplung.”  

Jean-Baptiste Cornefert

Damit lösen wir die zentrale Herausforderung, vor die uns die Volatilität stellt: Wir machen Energie dann nutzbar, wenn der Markt sie braucht.

Jean-Baptiste CornefertBereichsleiter Trading & Energy Markets bei enercity

Teil des großen Ganzen – egal, wie klein

In späteren Ausbaustufen des virtuellen Kraftwerks sollen auch Privatkund:innen profitieren. Wer eine PV-Anlage auf dem Dach hat, ein E-Auto fährt oder eine Wärmepumpe betreibt, könnte dann an das virtuelle Kraftwerk angeschlossen werden. Das System vermarktet den selbst erzeugten Strom automatisch zum bestmöglichen Preis, optimiert den Eigenverbrauch und sorgt dafür, dass Speicher und Verbrauchsgeräte genau dann laufen, wenn Strom günstig ist. Voraussetzung dafür ist ein sogenannter Smart Meter: ein intelligentes Messgerät, das Verbrauch und Einspeisung in Echtzeit erfasst und vollautomatisch im Hintergrund läuft, ohne dass man selbst aktiv werden muss.

Stark im Verbund

Egal ob große Industrieunternehmen oder kleine Privathaushalte: Das virtuelle Kraftwerk von enercity und Kraken bindet unterschiedliche Anlagengrößen ein. Sein smartes Betriebssystem optimiert die angebundenen Anlagen in Echtzeit, macht Energie dann verfügbar, wenn sie wirklich gebraucht wird und entlastet somit die Netze. Aus zahlreichen einzelnen Stimmen wird so ein harmonischer Gesamtklang.

3. Juli 2026
Erneuerbare Energien

Autor: Emily Hadasik. Fotos: enercity AG.

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