
§14a EnWG erklärt: Wie Wärmepumpen und Wallboxen das Netz entlasten
Unsere Energiewelt verändert sich rasant: Durch den Zubau erneuerbarer Energien und den sukzessiven Verzicht auf fossile Energieträger wird die Stromproduktion zunehmend wetterabhängig. Strom wird nicht immer dann produziert, wenn der Verbrauch am höchsten ist. Gleichzeitig nimmt die Elektrifizierung in vielen Bereichen zu. Die Zahl der Wärmepumpen und Elektroautos steigt stetig: Allein 2025 wurden beispielsweise rund 300.000 neue Wärmepumpen installiert, schätzt der Bundesverband Wärmepumpe. Das stellt auch das Stromnetz und seine Betreiber vor neue Herausforderungen. Die gezielte Steuerung dieser Verbrauchseinrichtungen kann hier Abhilfe schaffen – Wallbox und Co. werden damit zu einem wichtigen Pfeiler einer effizienten, klimaneutralen und bezahlbaren Stromwende.
Warum muss das Stromnetz steuerbar werden?
Vermehrt kommt es vor, dass tagsüber mehr Strom produziert wird, als benötigt. Um eine Überlastung des Netzes zu verhindern, müssen einzelne Anlagen dann temporär vom Netz genommen werden. Das Problem: Dieser Vorgang, auch Redispatch genannt, kostet Geld. Die BNetzA schätzt die Kosten für 2025 auf rund 3,1 Milliarden Euro. Diese legen die Netzbetreiber über die Netzentgelte auf die Verbraucher:innen um. Gleichzeitig nimmt der Strombedarf durch Wärmepumpen oder E‑Autos weiter zu – was Lastspitzen wahrscheinlicher macht. Darunter versteht man einen Zeitraum mit maximaler Stromnachfrage. Dieser hält oft nur einige Stunden an, beispielsweise am Abend, wenn viele Menschen ihr E‑Auto laden oder die Wärmepumpe das Haus heizt.
Wann sich der Umstieg auf eine Wärmepumpe lohnt, erfahren Sie im Artikel Heizungstausch: Ist Ihr Haus reif für eine Wärmepumpe?

Ein Mittel, Lastspitzen entgegenzuwirken, ist der Ausbau der Verteilnetze, den die Netzbetreiber vorantreiben. 2025 hat die Bundesnetzagentur 2.000 Kilometer an neuen Netzen genehmigt, fast doppelt so viel wie 2024. Das Netz aber so auszubauen, dass alle Lastspitzen abgefedert werden können, ist sehr aufwendig und viel zu teuer. Denn Lastspitzen, die etwa durch die gleichzeitige Nutzung von Wallboxen entstehen, sind hochgradig lokal begrenzt. An manchen Orten kommt es daher nur einmal im Jahr für wenige Stunden zu einer Lastspitze. Schlauer und außerdem wirtschaftlicher ist es, die Netze zu digitalisieren und steuerbare Verbrauchseinrichtungen einzubinden.
Was sind steuerbare Verbrauchseinrichtungen?
Steuerbare Verbrauchseinrichtungen sind verbrauchsintensive elektrische Geräte, deren Stromverbrauch gezielt beeinflusst oder zeitweise reduziert werden kann – das sogenannte „Dimmen“. Darunter fallen Wärmepumpen, Wallboxen, Klimaanlagen und Speicher. Laut Gesetzgeber müssen Verbrauchseinrichtungen steuerbar sein, wenn sie ab dem 01.01.2024 in Betrieb genommen wurden, im Niederspannungsnetz angeschlossen sind und eine maximale Leistung von mehr als 4,2 Kilowatt (kW) haben. Wenn mehrere Wärmepumpen oder Klimaanlagen eine gemeinsame Leistung von über 4,2 kW haben, gelten sie ebenfalls als steuerpflichtig. Wichtig ist, dass es sich hierbei um die Anschlussleistung handelt, also die vom Energieversorger maximal bereitgestellte Leistung, mit der das Gerät betrieben wird, und nicht etwa die Heiz- oder Ladeleistung.
Was bedeutet § 14a EnWG für Anlagenbesitzer:innen?
Seit dem 1. Januar 2024 gilt die Neuregelung des § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Seitdem dürfen Netzbetreiber den Verbraucher:innen in ihrem Netzgebiet den Anschluss steuerbarer Verbrauchseinrichtungen nicht mehr aufgrund möglicher Netzengpässe verweigern. Gleichzeitig erhalten Netzbetreiber das Recht, unter bestimmten Voraussetzungen die Leistung dieser Verbrauchseinrichtungen zu dimmen. Das lässt sich wie ein Tauschgeschäft verstehen: Für das Recht, die Anlage zu steuern, gewähren Netzbetreiber den Anlagenbesitzer:innen reduzierte Netzentgelte – und zwar auf den gesamten Strom der Abnahmestelle. Je nach Tarif und Verbrauch können dadurch pauschal bis zu 120 Euro im Jahr eingespart werden.
Damit der Netzbetreiber die Leistung der steuerbaren Verbrauchsanlage dimmen darf, muss tatsächlich ein Engpass im Netz vorliegen. Dieser entsteht hauptsächlich dann, wenn viele energieintensive Geräte gleichzeitig betrieben werden – also bei den oben erwähnten Lastspitzen. In diesem Fall darf der Verteilnetzbetreiber die Leistung einer Anlage temporär auf 4,2 kW verringern, sodass die Netzbelastung reduziert wird. Die Maximalbelastung sinkt und die Lastspitze wird geglättet. Dass die Leistung des Geräts gedrosselt wurde, muss sich im Alltag gar nicht bemerkbar machen: Wärmepumpen etwa laufen in der Regel auch bei 4,2 Kilowatt zuverlässig weiter.
Smart Grid: Das intelligente Netz im Hintergrund
Damit dieses Tauschgeschäft funktioniert, müssen Netzbetreiber ihre Netze und deren aktuelle Auslastung genau kennen. Dabei hilft das Smart Grid: Intelligente Stromnetze sind eine Weiterentwicklung der bisherigen Infrastruktur und setzen digitale Kommunikationskanäle sowie intelligente Messtechnik ein, um Produktion, Speicherung und Verbrauch von Strom aufeinander abzustimmen. Smart Grids funktionieren dabei in zwei Richtungen: Wird mehr Strom produziert als verbraucht, kann der Netzbetreiber den überschüssigen Strom gezielt etwa in vorhandene Speicheranlagen lenken. Verbraucher:innen erhalten Anreize, beispielsweise über dynamische Tarife, um genau zu diesem Zeitpunkt ihre Wärmepumpen laufen zu lassen oder ihre E‑Autos zu laden.

Umgekehrt ermöglichen Smart Grids, Wallboxen oder Wärmepumpen, den Verbrauch bei Lastspitzen zu dimmen. Der Netzbetreiber wird gewissermaßen zum Dirigenten, der sein „Orchester“ – Verbrauchsanlagen, Speicher, Netze und Produktionsanlagen – so koordiniert, dass jeder Akteur zum richtigen Zeitpunkt seine Leistung erbringt. Das macht unsere Netze flexibler und effizienter und kann den Netzausbaubedarf begrenzen. Ein wichtiger Bestandteil des Smart Grids sind intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter. Sie erfassen nicht nur den Verbrauch, sondern liefern auch die notwendigen Daten, um Netzbelastung und Stromnutzung besser aufeinander abzustimmen.
Im Smart Grid werden steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wallboxen, Speicher oder Wärmepumpen zu wichtigen Akteuren. Sie helfen dabei, Überkapazitäten zu nutzen und Lastspitzen zu glätten. So können Netzbetreiber den Ausbau des Verteilnetzes effizienter und kostengünstiger gestalten. Verbraucher:innen profitieren gleichzeitig durch reduzierte Netzentgelte – eine klare Win-Win-Situation für alle Beteiligten.
§14a EnWG im Überblick: Die wichtigsten Fragen und Antworten
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