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    Bürgerbegehren

    Dialog zum Kohleausstieg in Hannover nimmt Fahrt auf

    Die Pläne von enercity, bis 2030 aus der Kohleverstromung auszusteigen, sind ambitioniert. Immerhin bedeutet die Entscheidung, dass der Energiedienstleister acht Jahre vor der von der Bundesregierung gesetzlich beschlossenen Frist aussteigen wird: ein technischer, finanzieller und letztlich auch rechtlicher Kraftakt. Manchen Interessenvertretungen geht es trotzdem zu langsam: Ein Bürgerbegehren fordert nun den Kohleausstieg bis 2026. Das digitale Forum der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) lud zu einem ersten Dialog ein.

    Egal, ob Politik, Unternehmen oder Bürger: Die Energiewende geht alle an. In Hannover gilt dies umso mehr, seit sich im Januar 2021 ein Bürgerbegehren für den vorzeitigen Kohleausstieg formiert hat – das erste Bürgerbegehren in der niedersächsischen Landeshauptstadt überhaupt.

    Bürgerbegehren zum Kohleausstieg in Hannover: Darum geht’s

    Das Gemeinschaftskraftwerk in Hannover-Stöcken wird in den kommenden Jahren umgerüstet, damit es Energie aus erneuerbaren Ressourcen produzieren kann.
    2030 ist Schluss mit der Steinkohle am Standort Stöcken: Acht Jahre früher als gesetzlich gefordert.

    enercity plant, den ersten Block des Kraftwerks in Hannover-Stöcken 2025, den zweiten 2030 abzuschalten – acht Jahre früher als gesetzlich gefordert. Die Strategie des Energiedienstleisters sieht vor, das 1989 errichtete Steinkohlekraftwerk sukzessiv durch mehrere Anlagen zu ersetzen, in denen Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden können. Eine temporäre Umrüstung des Kraftwerks auf den – ebenfalls fossilen – Brennstoff Erdgas hat enercity explizit ausgeschlossen.

    Die Bürgerinitiative fordert nun, das Stöckener Kraftwerk schon 2026 vollständig vom Netz zu nehmen. Tragen die Initiatoren vom Bündnis „hannover erneuerbar“ innerhalb von sechs Monaten 20.000 Unterschriften zusammen, werden die Bürger der Stadt im September zum Bürgerentscheid gebeten.

    HAZ-Forum zum Kohleausstieg in Stöcken

    Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay begrüßte den Start des Bürgerbegehrens als willkommenen Anlass, um gemeinsam über Hannovers „Weg aus der Kohle“ zu diskutieren. Auftakt war das HAZ-Forum „Früher abschalten oder nicht? Wie geht es mit dem Kraftwerk in Stöcken weiter?“ am 11. Februar 2021.

    Das Forum beginnt im Video ab Minute 3:50.

    video-thumbnail

    Neben Belit Onay und enercity-Chefin Dr. Susanna Zapreva nahmen Dr. Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen e.V. (UVN) sowie Dr. Jens Clausen vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit und der Vereinigung „Scientists for Future“ an dem Forum teil. Für das Bündnis „hannover erneuerbar“ sprach Mitinitiator Stephan Barlag.

    Zapreva: „Wir wollen uns der Diskussion stellen“

    Er gehe fest davon aus, dass der Kohleausstieg bis 2026 zu realisieren sei, so Barlag, vorausgesetzt, alle zögen an einem Strang. Und das sei dringend notwendig, denn: „Wenn wir es nicht schnell schaffen, den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren, laufen wir Gefahr, die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht zu erreichen.“

    Grundsätzlich teile enercity das Anliegen des Bürgerbegehrens, den Kohleausstieg so schnell wie möglich umzusetzen, erklärte enercity-Chefin Susanna Zapreva direkt zu Beginn des Forums. Seit 2017 bereite das Unternehmen den Kohleausstieg durch konkrete Maßnahmen vor. „Unser Anspruch ist, die Energiewende in Hannover mit den Menschen zusammen zu gestalten. Wir wollen uns der Diskussion stellen und im Dialog Verständnis schaffen für die Prozesse, die erforderlich sind.“

    enercity: Kohleausstieg vor 2030 nicht realistisch

    Derzeit sehe das Unternehmen allerdings keine realistische Möglichkeit, den Kohleausstieg vor 2030 umzusetzen. Dafür seien die Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Bau der neuen Erzeugungsanlagen zu komplex und zeitintensiv. Diese Einschätzung teilte Volker Müller von den Unternehmerverbänden Niedersachsen: „Wir sind in Deutschland zu langsam.“ Und auch Jens Clausen vom Borderstep Institut machte sich für bessere energiepolitische Rahmenbedingungen stark: „Eigentlich brauchen wir ein Erneuerbare-Energien-Anlagen-Beschleunigungsgesetz.“

    „Unser Anspruch ist, die Energiewende in Hannover mit den Menschen zusammen zu gestalten.“

    Dr. Susanna ZaprevaVorstandsvorsitzende von enercity

    Oberbürgermeister Onay betonte, dass man auf einem guten Weg sei. enercity mache sehr viel, „auch für Hannover.“ Die Klimakrise sei aber ein drängendes, elementar gesellschaftliches Problem: „Wir brauchen Tempo, wir müssen noch schneller werden.“ Die Stadt werde sich in den kommenden Monaten dafür starkmachen, dass nationale und europäische Fördergelder nicht nur in klassische Kohlereviere flössen, sondern auch Bemühungen um den Kohleausstieg in anderen Regionen zugutekämen.

    Vorzeitiger Kohleausstieg in Hannover: „Für alles offen, was Geschwindigkeit bringt“

    Zum Schluss der Diskussion gab enercity-Chefin Zapreva ein weiteres Versprechen: Sollten sich Rahmenbedingungen ändern und ein früherer Ausstieg möglich werden, „sind wir die Letzten, die dem im Weg stehen. Wir sind für alles offen, was uns Geschwindigkeit bringt“, so die enercity-Vorstandsvorsitzende.

    „Wir tun unser Möglichstes, um den Kohleausstieg im besten Sinne unserer Kunden, der Umwelt und der Wirtschaft am Standort Hannover so schnell wie möglich umzusetzen.“

    Text: Lea Weitekamp. Fotos: Shutterstock, Christian Kerber, enercity AG.

    2. März 2021
    Hannover
    Heizen
    Grüne Wärme

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