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    Verdunstungskälte

    Wohnung kühlen ohne Klimaanlage

    So schön der Sommer auch ist, die warmen Temperaturen möchten wir draußen genießen und nicht in der Wohnung schwitzen. Manch einer möchte zur Abkühlung nicht auf eine Klimaanlage verzichten. Aber was, wenn keine installiert ist oder der ökologische Fußabdruck nicht durch unnötigen Stromverbrauch belastet werden soll? Eine effektive und nachhaltige Methode ist die Luftkühlung durch Verdunstungskälte.

    Klimaanlagen sind im Sommer zwar durchaus praktisch, denn sie halten die Raumtemperatur auf einem angenehmen Niveau. Allerdings belasten sie das Klima gleich doppelt: zum einen durch ihren hohen Stromverbrauch, zum anderen durch klimaschädliche Kältemittel. Laut Umweltbundesamt werden allein in Deutschland durch Klimaanlagen jährlich zwischen 6,5 und 7,5 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert. Dabei entfallen 75 Prozent der Emissionen auf den Stromverbrauch, die restlichen 25 Prozent auf die verwendeten Kältemittel.

    Ein genereller Lösungsansatz, um unseren ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten und das Klima zu schonen, ist der Wechsel zu grünen Stromanbietern, die ausschließlich Ökostrom erzeugen. So werden Klimaanlagen schon deutlich nachhaltiger. Allerdings werden sie hierzulande ohnehin nur wenige Wochen im Jahr genutzt, da Deutschland in einer gemäßigten Klimazone liegt. Die Anschaffungs- und Wartungskosten rechnen sich daher im Allgemeinen nicht. Zumal es clevere Möglichkeiten gibt, die eigene Wohnung auch ohne Klimaanlage zu kühlen.

    Drei nachhaltige Methoden zur Raumkühlung ohne Klimaanlage

    Grundsätzlich gilt: Leere Räume heizen sich nicht so stark auf wie Räume mit viel Mobiliar. Denn Möbel und Textilien speichern Wärme. Deshalb kann beispielsweise der Teppich im Sommer gerne im Keller gelagert werden. Außerdem sollten nicht benötigte Elektrogeräte ausgeschaltet werden. Auch sie geben nämlich jede Menge Wärme ab. Damit es schnell angenehm kühl im Schlaf-, Wohn- und Arbeitszimmer wird, braucht es nicht viel Technik oder handwerkliches Geschick. Das zeigen die folgenden nachhaltigen Tipps, die alle das Prinzip der Verdunstungskälte nutzen. Wie das Prinzip genau funktioniert, ist im Anschluss ausführlich erklärt.

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    1. Feuchte Handtücher oder Laken senken die Raumtemperatur

    Am einfachsten lässt sich die eigene Wohnung ohne Klimaanlage kühlen, indem feuchte Handtücher oder Bettlaken im Türrahmen aufgehängt werden. Wichtig, um Schimmel zu vermeiden und ein gutes Raumklima zu schaffen, ist, dass die Tücher nicht zu nass sind und sich darunter keine Pfütze bildet. Deshalb den Stoff zunächst im Waschbecken gut mit kaltem Wasser befeuchten und anschließend kräftig auswringen. Um den Raum kurzfristig besonders schnell runterzukühlen, eignet sich ein Ventilator, der hinter dem feuchten Tuch aufgestellt wird und die Luft im Raum zirkulieren lässt. Das Gerät sollte aber nicht den ganzen Tag laufen. Zum einen, um Strom zu sparen und die Umwelt nicht unnötig zu belasten, zum anderen, weil so die Luftfeuchtigkeit schnell ansteigt und der Verdunstungseffekt nicht mehr richtig funktioniert.

    2. Zimmerpflanzen als grüne Klimaanlage

    Nicht nur dekorativ, sondern auch nützlich: Zimmerpflanzen filtern Schadstoffe aus der Luft und reichern sie mit Sauerstoff an. Zudem können sie die Luftfeuchtigkeit in einem Raum positiv beeinflussen, indem sie über ihre Blätter Wasser verdunsten und so optimale Voraussetzungen für den Verdunstungsprozess schaffen. Pflanzen mit großen Blättern eignen sich besonders gut für die Luftkühlung durch Verdunstungskälte. Wer nicht mit einem grünen Daumen gesegnet ist, kommt mit dem pflegeleichten Gummibaum, dem robusten Bogenhanf, der anspruchslosen Zimmeraralie oder der unempfindlichen Monstera gut zurecht.

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    3. Natürlicher Kühlungseffekt durch Außenbegrünung

    Schon in der Antike und im Mittelalter ließen die Menschen Gebäude mit Efeu, Weinranken oder anderen Kletterpflanzen zuwachsen. Was auf den ersten Blick zunächst ästhetische Gründe zu haben scheint, ist auf den zweiten Blick ziemlich klug. Denn die Pflanzen isolieren die Wand, an der sie wachsen, und geben außerdem Verdunstungskälte an sie ab. So halten sie die Innenräume im Sommer angenehm kühl und im Winter schön warm.

    Die Sorge, dass die Wurzeln der Pflanzen dabei das Mauerwerk schädigen könnten, ist meist unbegründet. Denn Selbstklimmer, also Pflanzen, die aus eigener Kraft in die Höhe wachsen, halten sich mit Saugnäpfen, Klimmhaaren oder Haftwurzeln nur an der Oberfläche fest. So richten sie keinen Schaden an, es sei denn, das Mauerwerk ist brüchig. Dann kann sich in größeren Fugen Erde sammeln, und das Wachstum der Triebe, die in die Fugen ranken, erweitert die Risse. Ansonsten schützen die Kletterpflanzen die Fassaden sogar, indem sie extreme Temperaturschwankungen ausgleichen, durch die Putz, Mörtel und Stein mit der Zeit porös würden.

    Wie funktioniert Luftkühlung durch Verdunstungskälte?

    Wer jemals der Wäsche auf der Leine beim Trocknen zugesehen hat, kennt den Prozess der Verdunstung. Anders als bei der Verdampfung von kochendem Wasser, die bei 100 Grad Celsius stattfindet, reichen zur Verdunstung von kaltem Wasser schon deutlich niedrigere Temperaturen. Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Um vom flüssigen in den gasförmigen Zustand zu wechseln, benötigen die Wassermoleküle Energie. Die holen sie sich in Form von Wärme aus dem nächstgelegenen Körper beziehungsweise Gegenstand. Das Wasser verdunstet durch die Wärmeenergie und reichert die Luft mit Feuchtigkeit an. Die Quelle der Wärmeenergie kühlt dadurch aus.

    Das passiert zum Beispiel auch, wenn wir schwitzen. Unsere warme Haut gibt genug Energie ab, damit der Schweiß verdunsten kann. Dadurch verliert unser Körper Wärme, der Feuchtigkeitsgehalt der Umgebungsluft steigt an, und wir können uns abkühlen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass die Luft nicht zu feucht ist. Bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit kann nämlich keine weitere Feuchtigkeit aufgenommen werden. Wir empfinden die Luft als schwül, und das Verdunstungsprinzip funktioniert in diesem Fall nicht. Wir können uns also nicht abkühlen.

    Ähnliches gilt für das Kühlen eines Raumes durch Verdunstungskälte. Ein zu feuchtes Raumklima empfinden wir nicht nur als unangenehm, es verhindert auch den Verdunstungsprozess. Eine gewisse Luftfeuchtigkeit ist andererseits aber unbedingt notwendig. Ansonsten gäbe es nämlich kein Wasser, das verdunsten kann. Raumkühlung durch Verdunstungskälte funktioniert so: Die Wassermoleküle aus der leicht feuchten Luft legen sich als für uns kaum wahrnehmbarer Feuchtigkeitsfilm auf die Möbel, Textilien und Wände. Diese werden durch die hohen Temperaturen im Sommer erwärmt. Die Wassermoleküle ziehen die Energie aus dem warmen Untergrund und werden wieder gasförmig. Die Luft nimmt das verdunstete Wasser auf, und der Verdunstungskreislauf kann von vorne beginnen. Dabei kühlt der Raum weiter ab.

    Worauf muss man achten?

    Für ein optimales Raumklima ist nicht nur die Temperatur entscheidend, sondern vor allem die Luftfeuchtigkeit. Die sollte in Wohn- und Arbeitsräumen zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Eine höhere Luftfeuchtigkeit verhindert nicht nur die Raumkühlung durch Verdunstungskälte, sondern begünstigt auch Schimmelbildung. Deshalb sollte die Luftfeuchtigkeit nie dauerhaft höher als 60 Prozent sein. Auf einem Hygrometer lässt sich jederzeit ablesen, wie feucht die Luft in einem Raum ist und ob Gegenmaßnahmen wie Stoßlüften oder Heizen notwendig sind, die die Luftfeuchtigkeit auf das gewünschte Maß hoch- und runterregulieren. So bleibt das Raumklima immer im grünen Bereich und die Wohnung schön kühl.

    Text: Annika Schmitz. Fotos: Getty Images, Shutterstock (3).

    23. Juli 2021

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